Beitrags-Archiv für die Kategory 'High Noon'

Zwischen den Gleisen

Wednesday, 22. February 2012 13:41

Über New Yorker U-Bahn-Kunst schreibe ich ja immer wieder. Aber da unten gibt es noch eine andere Kunst, die man nur selten zu sehen bekommt.

Der Rund-um-die-Uhr-Service macht es schwierig, Gleise, Signale und Weichen in Schuss zu halten. Viele der Arbeiten werden deshalb nachts und am Wochenende erledigt. Sie stören aber trotzdem den Verkehr. Umgekehrt machen die Züge Arbeit: Einer aus dem Team muss die ganze Zeit aufpassen, ob die nächste Bahn kommt. Beim Zuschauen kann man lernen, wo man in relativer Sicherheit steht, falls man mal in die Verlegenheit kommen sollte, auf den Gleisen zu stehen.

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Da lachen ja die Möwen

Saturday, 18. February 2012 12:28

Manche sehen Möwen wie Ratten, in der Hackordnung dazwischen höchstens noch Tauben – zumindest in Städten sind sie eine Plage, die sich über Müll hermacht. Besonders schön finde ich es auch nicht, zu sehen, wie jemand sie mit Brot in Scharen herlockt.

Es war mal wieder Zeit für eine U-Bahn-Fahrt zum Strand. Im Winter mache ich das ja besonders gern. In Coney Island ist nicht viel los, die Achterbahn steht ebenso still wie das Riesenrad, auf dem Pier haben die Angler ihre Gesichter tief in die Kapuzen gezogen. Nur dieses Paar sorgt für Aufruhr, zumindest unter den Möwen. Chaotisch sieht das Geflatter aus. Aber dann bekomme ich Zweifel: Auf der Laterne im Hintergrund sitzt ein besonders fetter Vogel und hält die Szene im Auge wie ein Mafia-Pate. Sollten sich die Möwen überfressen, könnte es hier ein organisiertes Erbrechen geben.

Thema: High Noon, Strände | Kommentare (0) | Autor:

Verkehrserziehung mit Poesie

Tuesday, 14. February 2012 14:37

New York ist ein Schilderwald. Alles Mögliche soll beachtet werden, da geht es lang, dies ist verboten und vor jenem wird gewarnt. Und dann gibt es noch höchst öffentliche Poesie: Curbside Haiku sollen die New Yorker Straßen sicherer machen. Fehlt nur noch das Schild, dass daran erinnert, jederzeit die Augen nach schönen Überraschungen offenzuhalten.

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Wachstumsbericht

Sunday, 12. February 2012 14:37

Ab und zu kann man mal nachschauen. Ich mache es aus zwei Gründen: Entweder habe ich in der Gegend zu tun. Oder ich habe Besuch. Und jedes Mal sage ich: “Bist du aber groß geworden!”

Stimmt doch. So sieht 1 World Trade Center heute aus. Längst ist der Wolkenkratzer aus dem Häusermeer herausgewachsen, man sieht ihn schon fast von überall.

Ungefähr 90 der geplanten 104 Stockwerke stehen bereits. Das Gebäude soll einmal – inklusive einer langen Antenne – rund 541 Meter hoch werden (1776 Fuß – die Zahl steht für das Jahr, in dem die Vereinigten Staaten unabhängig wurden). Wenn dieser Wolkenkratzer fertig ist, überragt er das Empire State Building. Aber vorher gibt es rund um seinen Bau mächtig Ärger: Mit der Höhe steigen auch die Kosten.

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Eisengel und Eishörnchen

Saturday, 11. February 2012 13:11

Es klingt wie beim Zahnarzt. Oder wie auf der Baustelle. Jedenfalls wie etwas, das einem entweder buchstäblich oder im übertragenen Sinne schnell auf die Nerven geht.

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Aber das Ohr irrt. Hier liegt zwar das Werkzeug so ordentlich bereit wie auf dem Zahnarzttablett, und der Mann, der sich da bedient, könnte als Bauarbeiter durchgehen.

Aber mit der Kettensäge bearbeitet er keine dicken Bretter, und er tut auch keinem weh.

 

Das wird ein Eisengel. So einer steht in Stein gemeißelt über dem Bethesda-Brunnen. Schließlich ist “Ice Fest” eine Veranstaltung der Central Park Conservacy – die Pflege des berühmtesten Park Manhattans wird zu einem guten Teil über Spenden finanziert, und mit so etwas macht die Organisation auf sich aufmerksam. Klar, dass auch die Figur, die zuvor aus Eis gesägt wurde, ein typisches Park-Gesicht hat.

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Schuhsport

Wednesday, 8. February 2012 13:21

Das kann jetzt nicht daran liegen, dass morgen die New York Fashion Week beginnt. Schuhe sieht man in New York das ganze Jahr über in der Luft baumeln. Aber in solcher Masse dann doch eher selten. Warum das Ganze ein Geschicklichkeitsspiel ist, sieht man am besten mit etwas Abstand.

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New York-Therapie

Sunday, 5. February 2012 13:17

Natürlich gehen viele New Yorker zur Therapie. Auch wenn man im Straßenverkehr manchmal den Eindruck bekommt, dass da noch viele wirklich Bedürftige außen vor gelassen wurden. Die Nachfrage ist jedenfalls da, und das Angebot auch. Man hat auch viel Auswahl in der Bandbreite zwischen Psychoanalyse und Speed Shrinking. So findet im Brooklyn Botanic Garden heute zum Beispiel “Chase the Winter Blues Away” statt. Da führt kein Gärtner, sondern eine Psychotherapeutin eine gar nicht mal so deprimiert wirkende Gruppe durch den Garten.

Heute geht es dazu in den japanischen Garten. Wir lernen Hausmittel gegen das Wintertief kennen: Bewegung und Tageslicht. Für letzteres haben wir einen Vorzeigetag erwischt, die Sonne scheint mir auf den Pelz, dass mir richtig warm ums Herz wird. Das funktioniere aber auch ohne Sonne, selbst wenn Schnee fällt, sagt die Therapeutin. Und nebenher erklärt sie, dass die orange Konstruktion im Wasser ein Torii ist – ein Zeichen dafür, dass in der Nähe ein Shinto-Schrein steht.

Dann laufen wir auf schattigen Wegen um den Teich, aber immer schön langsam. Es gilt ja beispielsweise Kamelien zu suchen. Die blühen auch ohne Klimawandel im Winter. Ja, das könne man als Zeichen der Hoffnung sehen, wiederholt die Therapeutin den Kommentar von jemandem aus der Gruppe. Schließlich können wir auch einen Blick auf den Schrein erhaschen, der in einem Wäldchen versteckt ist.

Hinterher muss ich sagen, die Winterblues-Behandlung hatte eine spürbare Wirkung: Ich habe eiskalte Füße.

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Wo in New York die Uhr tickt

Tuesday, 31. January 2012 12:48

Ich habe gehört, es ist kalt in Deutschland. Hier wird der Winter immer seltsamer. Kein Schnee, nirgends, und heute fühlt sich die Sonne wie Frühling an, nur die Gegend sieht falsch aus dazu. Aber in der Mittagspause komme ich an Menschen vorbei, die ihren Lunch im Park genießen.

Es ist ein kleines Vergnügen in einer Ordnung, die aus den Fugen geraten ist. Und gleich um die Ecke erinnern Zahlen daran, dass noch etwas ganz anderes nicht stimmt (obwohl wir uns fröhlich auf der Sonnenseite wähnen).

Das ist die Schuldenuhr. Sie hängt gleich neben einer Niederlassung der Steuerbehörden in New York und hält fest, wie tief die USA im Minus stecken. Oder besser gesagt, sie hält es ja eben gerade nicht fest. Sie ist immer in Bewegung. Und sie rechnet dabei auch ständig vor, welcher Anteil an Schulden auf jede Familie entfällt. Vor etwas weniger als zwei Monaten sah das noch so aus:

Ja, ich weiß, das wirkt irreführend, die Momentaufnahmen in dieser Reihenfolge zu zeigen. Es könnte schließlich einer auf die Idee kommen, es werde schon irgendwie besser.

Aber das denken wir hier doch alle.

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Im Bahnhof aufschlagen

Tuesday, 24. January 2012 12:15

Was machen die Männer da? Ganz einfach: Sie bauen einen Squash Court, bei dem man den Sportlern gut zuschauen kann. Auch wenn das ein bisschen den Verkehr aufhält. Dieses Squash-Turnier findet nämlich in einem der großen New Yorker Bahnhöfe statt:In einem Durchgang in Grand Central hauen sich die Teilnehmer die Bälle um die Ohren, und die donnern ganz schön vor die Wände. Wer im Publikum sitzt oder steht und zusammenzuckt, hat verloren.

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Krach für Drachen

Monday, 23. January 2012 12:25

Es mag ja ein wenig neblig sein in New York. Aber das hier ist kein Wetterphänomen. Das ist das sichtbare Gegenstück dessen, was ich höre.

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Es ist nämlich schon wieder Neujahr, diesmal in Chinatown. Eigentlich hat das natürlich schon um Mitternacht angefangen, aber in New York ist Privatgeböller verboten (es brennt auch so schon viel zu oft). Also machen sie das in einer offiziellen Zeremonie mitten am Tag, an dessen Ende ich lerne: Man sieht Feuerwerk auch im Hellen. Jedenfalls, wenn genug Nebel drumherum ist.

Die Chinesen haben das mit dem Feuerwerk genauso raus wie das mit der Idee, dass böse Geister sich mit ordentlich Krach verjagen lassen. Nur Drachen sollen davon nicht wegfliegen, die sind in China was Gutes, und dieses Jahr sowieso, es ist ein Drachenjahr.

Mehr neue Jahre?

Ende Dezember am Times Square.

Ende September vor der Synagoge.

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Gerührt, nicht geschüttelt

Wednesday, 18. January 2012 12:49

Abgegriffen. Ausgelutscht. Mir fallen nur Worte ein, die in diesem Zusammenhang missverständlich ausfallen. Deshalb schreibe ich es lieber so: Die Aussicht auf ein Egg Sandwich entlockt wohl keinem New Yorker ein freudig erstauntes “Oh, das klingt gut, was ist das denn?”. Eier zwischen Brotscheiben oder dem, was der Amerikaner unter Brötchen versteht, gibt es in jedem Eckladen, schnell eingeschlagen zum Mitnehmen, und draußen bullert der Automotor.

Trotzdem kann so ein Egg Sandwich lecker sein. Es kann sogar auch so aussehen. Ich habe zugeschaut, wie der junge Mann das Ei gerührt hat, aber ich komme trotzdem nicht dahinter, wie er das so hingekriegt hat. Das Brötchen dazu ist so ein “artisanal”-Schnickschnack, übertrieben auf hausgemacht getrimmt – und köstlich. So. Will jetzt wirklich noch einer fragen, was das denn ist?

Also gut: Teuer ist das.

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