Beitrags-Archiv für die Kategory 'draußen'

Da lachen ja die Möwen

Saturday, 18. February 2012 12:28

Manche sehen Möwen wie Ratten, in der Hackordnung dazwischen höchstens noch Tauben – zumindest in Städten sind sie eine Plage, die sich über Müll hermacht. Besonders schön finde ich es auch nicht, zu sehen, wie jemand sie mit Brot in Scharen herlockt.

Es war mal wieder Zeit für eine U-Bahn-Fahrt zum Strand. Im Winter mache ich das ja besonders gern. In Coney Island ist nicht viel los, die Achterbahn steht ebenso still wie das Riesenrad, auf dem Pier haben die Angler ihre Gesichter tief in die Kapuzen gezogen. Nur dieses Paar sorgt für Aufruhr, zumindest unter den Möwen. Chaotisch sieht das Geflatter aus. Aber dann bekomme ich Zweifel: Auf der Laterne im Hintergrund sitzt ein besonders fetter Vogel und hält die Szene im Auge wie ein Mafia-Pate. Sollten sich die Möwen überfressen, könnte es hier ein organisiertes Erbrechen geben.

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Eisengel und Eishörnchen

Saturday, 11. February 2012 13:11

Es klingt wie beim Zahnarzt. Oder wie auf der Baustelle. Jedenfalls wie etwas, das einem entweder buchstäblich oder im übertragenen Sinne schnell auf die Nerven geht.

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Aber das Ohr irrt. Hier liegt zwar das Werkzeug so ordentlich bereit wie auf dem Zahnarzttablett, und der Mann, der sich da bedient, könnte als Bauarbeiter durchgehen.

Aber mit der Kettensäge bearbeitet er keine dicken Bretter, und er tut auch keinem weh.

 

Das wird ein Eisengel. So einer steht in Stein gemeißelt über dem Bethesda-Brunnen. Schließlich ist “Ice Fest” eine Veranstaltung der Central Park Conservacy – die Pflege des berühmtesten Park Manhattans wird zu einem guten Teil über Spenden finanziert, und mit so etwas macht die Organisation auf sich aufmerksam. Klar, dass auch die Figur, die zuvor aus Eis gesägt wurde, ein typisches Park-Gesicht hat.

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New York-Therapie

Sunday, 5. February 2012 13:17

Natürlich gehen viele New Yorker zur Therapie. Auch wenn man im Straßenverkehr manchmal den Eindruck bekommt, dass da noch viele wirklich Bedürftige außen vor gelassen wurden. Die Nachfrage ist jedenfalls da, und das Angebot auch. Man hat auch viel Auswahl in der Bandbreite zwischen Psychoanalyse und Speed Shrinking. So findet im Brooklyn Botanic Garden heute zum Beispiel “Chase the Winter Blues Away” statt. Da führt kein Gärtner, sondern eine Psychotherapeutin eine gar nicht mal so deprimiert wirkende Gruppe durch den Garten.

Heute geht es dazu in den japanischen Garten. Wir lernen Hausmittel gegen das Wintertief kennen: Bewegung und Tageslicht. Für letzteres haben wir einen Vorzeigetag erwischt, die Sonne scheint mir auf den Pelz, dass mir richtig warm ums Herz wird. Das funktioniere aber auch ohne Sonne, selbst wenn Schnee fällt, sagt die Therapeutin. Und nebenher erklärt sie, dass die orange Konstruktion im Wasser ein Torii ist – ein Zeichen dafür, dass in der Nähe ein Shinto-Schrein steht.

Dann laufen wir auf schattigen Wegen um den Teich, aber immer schön langsam. Es gilt ja beispielsweise Kamelien zu suchen. Die blühen auch ohne Klimawandel im Winter. Ja, das könne man als Zeichen der Hoffnung sehen, wiederholt die Therapeutin den Kommentar von jemandem aus der Gruppe. Schließlich können wir auch einen Blick auf den Schrein erhaschen, der in einem Wäldchen versteckt ist.

Hinterher muss ich sagen, die Winterblues-Behandlung hatte eine spürbare Wirkung: Ich habe eiskalte Füße.

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Geheimnis am Silver Lake

Sunday, 29. January 2012 15:26

Nicht nur Los Angeles hat so etwas. Auch in New York gibt es einen Silbersee:

Und im Winter schimmert das Wasser des Silver Lake besonders silbern. Es war einmal ein Frischwasser-Reservoir, so wie das Wasser in der Mitte der Jogger-Strecke im Central Park. Der Silver Lake Park in Staten Island ist aber viel ruhiger. Ein Schatz soll da drin ja auch nicht liegen. Ein Gutteil ist heute ein Golfplatz, unter dem angeblich Leichen von anno tuck liegen. Huh! Ich stoße beim Spaziergang aber auf ein anderes Geheimnis:

Da ist ein Beet abgesteckt, jetzt im Winter natürlich auch ganz schön abgeräumt, und an einer Seite steckt eine orange Sonne mit Widmung. Eine der Bänke im Hintergrund hat auch eine Widmung.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich die Geschichte dahinter richtig verstanden habe. Ich glaube, das hier erinnert an einen jungen Mann, der bereits zu Schulzeiten einen erfolgreichen Nachhilfedienst aufgezogen hatte und dann nach Harvard ging, wo er mit 19 Jahren starb. Im Schlaf.

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Schnee: Na endlich (was zum Meckern)!

Saturday, 21. January 2012 15:53

Auch mich hat das nervös gemacht. Im Dezember ging es ja noch so. Aber kaum hatte das neue Jahr angefangen, wurde es echt ungemütlich. Sobald irgendwo in weiter Ferne sich ein Wolkenfeld in unsere Gegend aufmachte, ging die Bitterkälte stiften und es wurde warm genug für Regen. Kein Schnee in New York, nirgends.

Plötzlich ändert sich der Wetterbericht, und sofort machen alle auf Ironie. “Uh, ob ich das schaffe am Samstag, bei dem Schneesturm, ich weiß ja nicht.” Heimlich freuen wir uns natürlich. Allein schon, weil wir uns über die Eispfützen beschweren können und übers Auto-unter-Schneebergen-suchen und Salzringe auf Stiefeln und ausverkaufte Schneeschaufeln. Und wir werden nervös. Das weiße Zeug liegt erst seit ein paar Stunden. Aber ich glaube, es taut schon wieder.

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Spaziergang durch New Yorks Geschichte

Tuesday, 10. January 2012 14:35

John Huston Finley, so schreiben die Gelehrten, ging oft spazieren. Deshalb ist ein schönes Stück Spazierstrecke nach dem Mann benannt, der am Ende seines Lebens Chefredakteur der New York Times war: Der John Finley Walk führt von der 63rd bis zur 125th Street die East River Esplanade entlang, direkt am Wasser, aber viel höher und mit Gitter, so zur Sicherheit.

Diesen Hinweis darauf, in wessen Fußstapfen wir hier wandeln, finde ich im südlichen Teil des Spazierwegs, neben dem Carl Schurz Park. Der wiederum steht für die guten alten Zeiten von Yorkville: Das Viertel auf der Upper East Side war lange Zeit eine deutsche Enklave. Im frühen 20. Jahrhundert wurde der Park nach Schurz benannt. Eben nach einem dieser Deutschen dort, könnte man mit Recht sagen.

Aber seine Schwester und er haben noch ein viel bekannteres Erbe hinterlassen: Sie sorgten dafür, dass das Kindergartensystem in den USA eingeführt wurde. Schurz wurde außerdem ein bekannter Journalist. Ob er aber John Finley hier in der Ecke mal getroffen hat, weiß wohl niemand mehr.

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Was der East River verbirgt

Wednesday, 4. January 2012 13:05

Die Möwen sitzen da nicht zufällig herum. Die wissen, was CSO ist: Combined Sewage Overflow. Ich weiß das jetzt auch. Wenn die New Yorker Abwasser-Einrichtungen so sehr mit Dreck überschwemmt werden, dass sie das Wasser nicht mehr ordentlich aufbereiten können, dann öffnen sich an bestimmten Orten an den diversen Ufern die Schleusen an verstecken Rohren, und das Abwasser geht ungefiltert in die Gewässer. Das soll heutzutage für den sich regenerierenden Fluss um Manhattan herum (den New Yorker wie zwei Flüsse behandeln) die Umweltverschmutzungsquelle Nummer Eins sein.

Das merkt man gar nicht, wenn man an dieser Stelle auf der East River Esplanade vorbeiflaniert. Und wenn doch, soll man die Behörden anrufen: Bei trockenem Wetter gehört da nichts hin, was Möwen interessieren könnte – die Brühe wird nur bei Niederschlagswetter zu Wasser gelassen. Letzten Sommer ist das ordentlich schiefgegangen, so sehr, dass ganz viele Strände geschlossen wurden.

Dazu will natürlich niemand beitragen. Ein Technikfreak ist bereits auf die Idee gekommen, Messgeräte mit den Abwasserpegeln und dem Netz zu verdrahten. Bei Don’t Flush Me kann man dann online (oder per SMS-Warnung) erfahren, ob der Bottich bald wieder überläuft.

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Wenn Bruce das sieht!

Saturday, 3. December 2011 13:08

Unter Leuten, die ein paar tausend Dollar berappen können, ist es recht verbreitet, zu besonderen Anlässen eine Bank zu verschenken. Deshalb ähneln sich viele Inschriften der Banken im Central Park. Aber diese hier macht mich stutzig. Ich gehe noch einmal zurück und schaue konzentriert auf das Datum:

Hier ist eben nicht nur der Sekt schon kaltgestellt, sondern auch das Schild schon graviert. Lassen sich die Verwandten jetzt alle möglichen Tricks einfallen, damit Bruce bloß noch nicht an dieser Bank vorbeischlendert? So langsam glaube ich, bei all ihrem Aberglauben (ich sage nur: 13. Stock!) haben die New Yorker echt kein Problem damit, schon eine Weile vor dem Geburtstag zu gratulieren. Das war am Independence Day ja auch nicht anders.

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Übergang

Monday, 28. November 2011 13:45

Dieses eine Mal noch: Herbst! Aus unerfindlichen Gründen gönnt New York uns dieses Jahr so etwas wie Herbst. Statt dieser paar Stunden zwischen Sommer und Winter. Aber lange kann das nicht mehr dauern. Das Rot von gegenüber ist längst weg, was sich noch an den Ast klammert, ist braun und trocken. Aber dann biege ich um die Ecke und sehe Gelb.

Auch in Manhattan findet man klare Anzeichen für die Jahreszeit. Und für Starrsinnigkeit. Manch zartes Pflänzchen gibt sich noch rasch der Fortpflanzung hin, bevor der Frost kommt.

Andere sind größer und prahlen mit Farbe, haben aber dasselbe im Sinn. Oder besser gesagt: in den Genen.

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Weihnachtsschiffe

Saturday, 26. November 2011 19:33

Ich weiß nicht, ob es eine Definition für Paraden gibt. Aber vermutlich ist das schon irgendwie geregelt. Der Herr neben mir ist jedenfalls der Ansicht, zu einer Parade gehörten mindestens 30. Und er zählt dabei gewiss nicht Köpfe. Hier ist er jetzt doch höchst unzufrieden. Dass diese Parade keine Wagen hat, stört ihn nicht weiter, im Gegenteil. Schließlich ist das eine Hafenparade. Am ersten Samstag nach Thanksgiving schippern die Gefährte des New Yorker Hafens in weihnachtlicher Beleuchtung unter der Brooklyn Bridge durch. Sie werden sogar von einem alten Segelschiff angeführt. Aber 30 kommen sie nicht einmal nahe.

Dafür drehen sie eine Ehrenrunde. Jedes Schiff wird mit Jubel begrüßt. Besonders, wenn es tutet.

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Goldfalle

Tuesday, 8. November 2011 13:44

Huch, beinahe hätte ich den Indian Summer verpasst! Schnee ist schon wieder Schnee von vorgestern, heute wärmt die Sonne sogar ein bisschen, draußen sind es locker 20 Grad (jawohl: Celsius). Und die Bäume sind gerade in dieser Phase, wo sie der Sonne nacheifern. Nur dass die nicht gleich alles fallen lässt.

Vergänglichkeit ist so schwer zu verstehen. Abschied tut weh, und all die Dinge, die man zum Trost gesagt bekommt, können das auch nicht ändern. Nur hier hat das Aus und Vorbei für einen Augenblick eine solche Schönheit, dass der Schmerz für einen Herzschlag aussetzt.

Dann atmest du wieder ein, und die Welt dreht sich weiter.

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