Beiträge vom December, 2010

Silvester am Times Square

Friday, 31. December 2010 11:54

Nein, noch ist es gar nicht so kurz vor Jahreswechsel, dass ich am Times Square stünde. Ich habe überhaupt nicht vor, mich dort unter die Massen zu mischen. Also jedenfalls nicht persönlich. Dabeisein werde ich auf andere Weise: als Konfetti.

“Ich weiß gar nicht so genau, irgendwann im Sommer”, antwortet mir die Frau im Times Square Visitor Center auf meine Frage, wann sie damit angefangen haben, Zettel mit Neujahrswünschen zu sammeln. “Aber so richtig los ging es vor ungefähr zehn Tagen.” Und jetzt bin ich an der Reihe. Ich schreibe meinen Wunsch für 2011 auf einen kleinen, dünnen Zettel, und die Frau hängt ihn an die Wand.

Hopes & Dreams steht in Neonlettern über der Wand. “Make me a star” wünscht da jemand, daneben hängen Weltfrieden, Traumhochzeit, Gesundheit für den kranken Vater, Ankündigungen, dass es man dieses Jahr aber so was von schaffen wird, und so fort.

Und all die Wunschzettel werden gesammelt und später unter das Konfetti gemischt, das über die Menschen regnen wird, die mit Tröten ausgestattet am Times Square zuschauen, wie die Kugel rollt und das neue Jahr beginnt. Jene Kugel steht direkt gegenüber und wechselt leuchtend die Farben, als wollte sie allen Zetteln gerecht werden.

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Designjagd

Thursday, 30. December 2010 13:43

In letzter Zeit fragen mich Besucher nach Läden, in denen ich noch nie war. Disney Store. Niketown. Das interessiert mich einfach nicht. Und weil man solche Geschäfte in jedem Reiseführer findet, brauche ich nicht mitzugehen, finde ich. Ich zeige lieber ein paar New Yorker Besonderheiten. So ähnlich ticken die Leute von Cool Hunting auch.

Sie zeigen schon im Netz ständig wunderschöne Sachen. Und so mancher fängt daraufhin die Suche an, wo man dieses Fahrrad, jenen Stuhl oder das T-Shirt da bekommt. In ihrem New Yorker Pop-Up-Store kommt alles aus der Gegend: Jonathan Adler zum Beispiel hat extra für Cool Hunting seine Edie Vase auf Lebensgröße gebracht.

Amy Sedaris hat ein paar Ausgaben ihrer herrlich beknackten Handarbeitsbücher signiert, die Mast Brothers aus Brooklyn haben eine limitierte Schokoladenauflage vorbeigebracht, und auch der Rest stammt aus New York.

Aber natürlich gibt es bei der Sache einen Haken: Es ist halt ein Pop-Up Store. Wer sich da umschauen will, sollte sich sputen – nächste Woche konzentrieren sich die Jäger und Sammler wieder aufs Netz.

Cool Hunting Pop-Up Store im Projektraum von Gap, 680 Fifth Avenue (zw. 53rd und 54th St), bis 02.01.2011

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Bowling Soundtrack

Wednesday, 29. December 2010 23:12

“Danke, dass ihr trotz des Schnees gekommen seid”, ruft Matt, und dann spielen er und die restlichen Havenots die nächsten paar Stücke ohne Atempause nacheinander weg. Mit freundlicher Unterstützung von Punkrockers Radio und besagtem Matt (“Ich hab die doch nicht auf die Gästeliste gesetzt”, sagt er dem verdutzt dreinblickenden Mann an der Kasse, als er mich nach drinnen holt) bin ich dabei. Zwei weitere Bands, die heute auftreten sollten, haben es nicht nach Brooklyn geschafft. So spielen die Have Nots eben eine Dreiviertelstunde, und als sie “Serf City USA” anstimmen, leuchten die Scheinwerfer über ihnen in rot, weiß und blau. Ein paar Meter weiter rechts donnern Kugeln übers Parkett. So ist das eben, wenn man in der Brooklyn Bowl spielt. Da spielen die einen um Punkte und die anderen nach Noten (oder auch nicht).

Less Than Jake lassen deshalb auch bei ihren Ansagen den Schnee links liegen. Erst mal beschreibt Sänger Chris, was er auf dem größten der Monitore sieht, die über den Bowlingbahnen und vor der Bar hängen: Naturfilme (heute vor allem mit winterlichen Motiven vom Nordpol). “Ey, du guckst beim Arbeiten fern!”, moppert Bassist Roger.

Da besinnt sich Chris und ruft einen Wettbewerb aus: Wer den schlechtesten Bowlingbahn-Witz auf Lager hat … Mir war nicht bewusst, dass man darüber Witze machen kann. Schon gar nicht so schlechte Witze. Aber immer wieder lässt sich jemand das Mikro herunterreichen, und am Ende wünscht sich der Gewinner des Abends (seinen Witz möchte ich hier niemandem zumuten) einen Song. Chris schaut dumm aus der Wäsche. “Kannst du den noch?”, fragt er. Aber Roger lässt ihn hängen: “Ja klar”, sagt er und fängt einen Basslauf an. Ich kenne den Song auch, weiß nur den Titel nicht, aber jetzt geistert er mir im Kopf herum, zusammen mit dem Bild von einem Eisbär, der sich auf einen Seelöwen wirft.

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Und tschüss!

Tuesday, 28. December 2010 13:24

Bis zum Frühjahrsputz ist ja noch Zeit. Heute misten wir in New York nicht im Haushalt aus, sondern im Kopf: Beim Good Riddance Day wandern schlechte Erinnerungen in den Müll. Das passiert kurz vor Silvester, schließlich sollen sie das nächste Jahr nicht belasten. Und das geht so: Man geht zum Times Square, lässt sich einen Zettel geben und schreibt drauf, was man loswerden will. Diesen Zettel wirft man dann in einen Mülleimer, verkündet, wenn man mag, dem Publikum, von welchen 2010-Erinnerungen man sich da verabschiedet, und sagt dann: “Good Riddance!” Das ist einer dieser herrlichen englischsprachigen Ausdrücke, die kaum übersetzbar sind. Er drückt die Freude darüber aus, etwas los zu sein.

Bettwanzen schickt einer in die Wüste, falsche Freunde ein anderer, und verdammt viele möchten gern die Erinnerung an Arbeitslosigkeit abschütteln. “Das ist jetzt das dritte Silvester, das ich arbeitslos verbringe”, sagt einer. Schlechte Gedanken loszuwerden kommt zuweilen einem guten Vorsatz sehr nahe: Da wandert ein Zettel in die Tonne, auf dem steht: “Gedanken an meinen Ex und seine Freundin mit ihren gelben Zähnen”. Manche bringen auch Rechnungen mit, sie haben ihr College-Darlehen abbezahlt oder einen Krankenhausaufenthalt und wollen das nun abhaken. Ein Mädchen möchte dasselbe mit ihrer Zahnspange tun. Zum Ritual gehört, dass die Tonne in einen riesigen Schredder geleert wird. Da ist genug Platz für Hirnmüll – loslassen muss aber jeder selbst.

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Schneesturm

Monday, 27. December 2010 14:02

Der Blizzard gestern war beeindruckend. Die Berichte darüber zeigen offenbar vor allem den Schnee. Und Leute, die jetzt versuchen, ihre Autos freizuschaufeln. Ich sehe auch einen, der das tut: Der Mann steht weit mehr als knietief im Schnee, er parkte eben dummerweise auf der Seite, auf der die Schneepflüge den Schnee rauspusten. Zehn Meter hinter ihm steht seit gestern spätnachmittag ein Bus. Die MTA hat noch immer nicht alle ihrer Wagen wieder freibekommen.

Das andere Element dieses Wetters lässt sich hingegen kaum in Fotos festhalten: der Sturm. Es hat zwar aufgehört zu schneien, die Sonne scheint sogar, aber es stürmt immer noch. Und das sieht wunderschön aus. Vor meinem Fenster scheint eine vorgezogene Silvestergala stattzufinden: Winzige Glitterpartikel tanzen golden auf und ab, aber sie stäuben keine Partygäste ein, sondern lassen sich ganz kurz auf immer neuen Schneeverwehungen rund um ein versunkenes Auto nieder, bevor die nächste Bö sie erfasst (derzeit knapp 80 km/h). Die Schönheit dieses Unwetters kann man nicht in einem Foto festhalten. Nur wenn man ganz genau hinschaut, sieht man darauf überhaupt ein paar winzige Flocken (in Wirklichkeit kriegt man sie wie aus Eimern von allen Richtungen zugeworfen). Es schneit aber gar nicht. Das macht der Wind. Heißt das dann auch Schneesturm?

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Moment mal: Feiertage

Sunday, 26. December 2010 19:57

In Deutschland ist immer noch Weihnachten und Feiertag. Hier ist heute bereits einer der umsatzstärksten Tage des Jahres (allerdings in New York arg behindert von dem Blizzard, der die Stadt im Griff hat). Und auch schon der nächste Feiertag: Kwanzaa. Dabei werden zwar gern Swahili-Begriffe und uralte afrikanische Erntefeiern ins Feld geführt, aber zumindest die Fassung, die hier gefeiert wird, lässt sich eindeutig auf einen amerikanischen Erfinder zurückführen, und nicht nur das: Kwanzaa ist so jung, dass sein geistiger Vater jedes Jahr die Geleitworte spricht.

1966 bedachte Maulana Karenga die afro-amerikanischen Bevölkerung mit dieser identitätsstiftenden Veranstaltung. Die nimmt sich Zeit: Von heute bis Neujahr dauern die Feiertage. Ähnlich wie beim jüdischen Chanukkah wird jeden Tag eine weitere Kerze angezündet – hier hat jeder Tag seine eigene Bedeutung entsprechend der sieben Kwanzaa-Prinzipien.

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Die Vögel

Saturday, 25. December 2010 11:37

Ich frage mich, ob der Mann früher einmal Tierbetreuer beim Film war.

Ich bin um eine Ecke gebogen, wo ein Polizeiwagen vor einem dieser winzigen Eingänge steht, von denen ich nie weiß, ob ich sie Laden oder Straßenstand nennen soll, eine Polizistin steht halb draußen und drinnen, davor lungern zwei Männer herum. Ich schere mich nicht um die Szene und stelle mich gegenüber an die Ampel. Da höre ich hinter mir ein schmatzendes Lockgeräusch. Ich frage mich, ob die beiden tatsächlich der Polizistin Avancen machen, schaue auf, und da sehe ich sie: Tauben. Die beiden Männer locken Tauben an mit dem Geräusch, Futter haben sie auch. Und ich stehe in der Einflugschneise.

Ich durfte ja damals “Die Vögel” nicht sehen, und weil niemand das Verbot je aufgehoben hat, blieb mir bis heute eine Vogelphobie erspart. Ich bleibe also erst mal einfach stehen. Bis mir aufgeht, dass nicht alle der Tauben von ihren Eltern so richtig gut ausgebildet worden sind – und schleunigst den Kopf einziehe, gerade noch rechtzeitig. Das ist jetzt schon das dritte Mal binnen einer halben Stunde, dass ich es mit Federvieh zu tun bekomme. Vorher allerdings waren es vornehmere Exemplare.

Was in Berlin über dem Plenarsaal schwebt, steht in New York gerne mal in Parks herum. Aber das ist nicht alles. Nur wenige Meter weiter steht ein Baum, und der hat auch einen Vogel.

Das ist ein Adler, sagt mir der Mann mit der Videokamera und den beiden Hunden. Ich finde ja eher, dass das Tier wie ein Falke ausschaut. Aber der Mann scheint so sicher, und schließlich hat ein Amerikaner den Satz geprägt “The eagle has landed”. Dieser hier sitzt in einem kleinen Park in Brooklyn mit Blick auf das Empire State Building als Hintergrundszenario.

Update: Ich bekam eine Leserinnenzuschrift zur Frage, welche Vogelart das sein mag. Ein ehemaliger Park Ranger, dem sie das Bild zeigte, ist der Ansicht, es sei ein Red Tail Hawk (Rotschwanzbussard). Der frisst Eichhörnchen. Und Tauben.

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Weiße Weihnacht in New York?

Friday, 24. December 2010 18:03

Danke für all die begeisterten Bemerkungen zur Geschichte über Dyker Heights. Wann, wenn nicht jetzt, soll ich die Zugabe bringen?

In Dyker Heights lassen sie die Puppen tanzen zu Weihnachten. Aber es gibt nicht nur Licht und Kinderspielzeug vor dem Christenfest – wobei die hiesigen Vorstellungen von Spielzeug sich wohl nur selten oft auf einem Wunschzettel finden werden. Wohl aber die Sache mit der weißen Weihnacht. Auch der nehmen sich die Bewohner von Dyker Heights in ihren Vorgärten an. Ganz auf Nummer Sicher setzt einer in Form einer Schneekugel.

Ein Nachbar beschwört lieber den Wettergott. Ich weiß nicht, wie das Pendant zum Regenstab wohl aussehen mag, kann inzwischen aber mit Sicherheit sagen: Ein Schild allein funktioniert nicht. Heiligabend liegt kein Flöckchen.

Allerdings: Für Sonntag (in Deutschland der Zweite Weihnachtstag, in den USA hat man da längst etwas Neues vor) ist ein Blizzard angekündigt.

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Schilderwald 4: Tragikomik im Central Park

Thursday, 23. December 2010 12:58

Was finde ich nach Geheimnissen (Bänke im Central Park 1), Glanzleistungen (Bänke im Central Park 2) und Freude (Bänke im Central Park 3) noch auf den Schildern, die signalisieren, dass da jemand die Parkverwaltung mit einer Bankpatenschaft unterstützt? Tragik und Komik liegen nicht, sondern stehen hier zuweilen nah beieinander.

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Sehr witzig

Wednesday, 22. December 2010 19:20

Wir haben was zu lachen. In der Mid-Manhattan Library steht Sam Hoffman und erzählt nicht nur von dem Buch, das auf Grundlage seiner Website entstanden ist – er zeigt auch so einige Videos. Buch- und Websitetitel sagen ganz klar, worum es geht: Old Jews Telling Jokes.

Hinterher darf man Fragen stellen. Mir fällt keine ein. Aber dann fragt eine Frau weiter vorne etwas, bei dem ich denke: Oh, stimmt, das hatten wir nicht. Von den sechs Überschriften in der Präsentation, die da vorn auf die Wand geworfen ist, hat Sam Hoffman nur auf fünf geklickt. So fragt die Frau: “What is The Pope?”

Hoffmans Antwort: “The head of the Catholic church.” Touché.

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Technik: Nix als Ärger!

Wednesday, 22. December 2010 16:04

Liebe Leserinnen und Leser,

ist erst einmal der Server vom Netz, funktioniert auch der Blog nicht mehr. Eine Kette von Ereignissen, die mit Hackern bei den Nachbarn beginnt und mit einem Umzug fast endet, führte dazu, dass hier eine Weile lang nichts als eine Fehlermeldung auftauchte. Vielleicht sollte ich mehr über Fehler schreiben, damit so etwas nicht weiter auffällt? Och nee. Ich schreibe lieber:

Sorry for the inconveniences!

Diesen Beitrag sowie diejenigen der Tage drumherum habe ich offline geschrieben. Merkt man fast gar nicht.

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