Beiträge vom February, 2011

Drachen im Schwarzwald von Chinatown

Monday, 28. February 2011 16:19

Es ist eine Rolle aus Kirschen, Sahne und einem Schokoladenteig von brotartiger Konsistenz. So kann man Schwarzwälder Kirsch auch interpretieren. Und diesen Black Forest Cake esse ich in einer weiteren asiatischen Bäckerei.

Der Laden heißt Dragon Land, und erst nachdem ich Platz genommen habe, sehe ich die Tische mit Aquarium im Sockel neben mir. Ich bin ein bisschen neidisch. Dann fällt mein Blick auf ein Schild an der Wand. Rauchen ist hier verboten, steht da, und der Verzehr mitgebrachter Speisen. Außerdem seien die Stühle nur für Gäste – und auch das für nicht länger als 30 Minuten. Hört sich so an, als bräuchten die Besitzer hier Drachenkräfte gegen die Gewohnheiten der Kundschaft.

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Wie man einen Oscar bekommt

Sunday, 27. February 2011 14:14

Da reden sie alle von Hollywood, aber die Oscars stehen doch in Midtown. Im Hauptbahnhof von New York kriegt jeder, der will, einen Oscar. Dafür muss man können, worin New Yorker spitze sind: Schlange stehen.

Man stellt sich da also an, wartet ein bisschen, und dann darf man rein, sich ein paar historische Trophäen anschauen und einen echten Oscar halten, dabei wird man natürlich auch fotografiert. Ich frage mich, wie die das Ding dann rechtzeitig zur Verleihung nach Los Angeles kriegen.

Andererseits: Wir sind denen ja drei Stunden in der Zeit voraus, und die Feier dauert ewig. Vielleicht hält man hier also den Oscar in der Hand, den der letzte Gewinner bekommt. Wenn man jetzt bloß wüsste, wer da für den besten Film auf die Bühne gehen wird.

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Bus zur Arbeit

Saturday, 26. February 2011 14:12

Solche Verkehrsmittel sieht man in New York nur selten. Man könnte damit sicherlich Touristen begeistern. Aber die sind hier nicht eingeladen. Auf den Sitzen nehmen Leute Platz, die in diesem Teil Brooklyns ein Geschäft eröffnen wollen. Gerade in diesen Zeiten, wie man ja seit rund zweieinhalb Jahren so gerne sagt, ist das schwierig. Um die lokale Wirtschaft anzukurbeln, können sich Existenzgründer heute ganz viele Ladenlokale in der Gegend anschauen – auf Tour mit Molly the Trolley.

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New York Trash: Haltet die Presse

Friday, 25. February 2011 13:40

Irgendwo muss er ja hin, der Müll. New York-Besucher sind meist irritiert über die großen Plastikbeutel am Straßenrand. Bewohner wissen in der Regel, wann die da erscheinen. Oder sie haben Personal, das weiß, wann der Müll rausmuss. Das System hat seine Tücken – und ist mir eine neue Serie wert. Sie beginnt mit einem vermeintlichen Besucher aus der Zukunft:

In diese neue Mülltonne wirft man seine Pappbecher ungefähr so, wie man sonst Briefe in den dafür vorgesehenen Kasten steckt: Erst die Lade aufziehen, Müll drauflegen, zumachen. Hier ist aber auch noch Sonnenenergie im Spiel. Während selbige den Müll in den althergebrachten offenen Eimern im Sommer ganz schnell zum Stinken bringt, soll sie hier dabei helfen, ihn ganz dicht zusammenzupressen. In diesen Spezialmülleimern nämlich befinden sich Sensoren für die Einfüllhöhe und Pressen, die Energie brauchen.

Theoretisch spart diese Mülltonnensorte der Müllabfuhr das eine oder andere Anrücken. Deren Mitarbeiter aber zeigen sich skeptisch. Zu oft haben sie schon aus ganz normalen Mülleimern ganze Autobatterien gezogen (die dort loszuwerden, ist selbstredend verboten), so etwas schaffe die kleine Presse doch gar nicht. Ich frage mich, wie man in diese Schublade überhaupt eine Autobatterie … aber ich fürchte, wenn man wirklich will, kriegt man auch das hin.

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Kann Ken?

Wednesday, 23. February 2011 18:48

Sieben Jahre nach der Trennung arbeiten sie zusammen vor der Kamera. Da will er sie zurück. Er kauft Cupcakes, plakatiert den Times Square voll – und sie wird schwach. Nein, trotz wöchentlicher Hoffnungsschimmer in den Boulevardzeitschriften hat nicht Brad Pitt sich wieder mit Jennifer Aniston eingelassen. Dieser erfolgreiche Freier hat keine Kinder, dafür aber einen Hersteller.

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Literatur ohne Ende

Tuesday, 22. February 2011 19:54

T. C. Boyle steht halb hinter dem Regal und wippt auf den Zehen. Vorne steht eine strenge Frau, die ihn schließlich heranwinkt auf seinen Platz zwischen “Addicted/Recovery” und “Philosophy”. Das sind keine Schubladen, sondern Buchregale, und bei “Philosophy” bleibt eine Frau ungerührt stehen und sucht sich Lektüre aus, als T. C. Boyle schon zu erzählen beginnt.

Von Adlern, wahlweise weißköpfig oder golden, und von Mini-Füchsen (“so groß wie Hauskatzen, normale Hauskatzen, also nicht Ihre fetten Katzen zu Hause”) und Mini-Schweinen und bodenbrütenden Vögelchen und Ratten (nicht mini) auf einigen der Channel Islands berichtet er, weil es darum in seinem neuen Buch geht, vor allem aber, weil er Gelegenheit hatte, auf die Inseln zu fahren und sie sich selbst anzuschauen.

Er wippt dabei gar nicht mehr. Aber ungeduldig ist er trotzdem. Nachdem er schließlich eine lange Passage vorgelesen hat, sagt er: “Ach, es nutzt nichts. Ich muss Ihnen das ganze Buch vorlesen. Das haben die mir hier aber nicht erlaubt. Darf ich Ihnen kurz das Ende vorlesen?”

Mit dieser Frage beendet er später die Fragerunde. Ich hätte ganz gern das Ende gehört. Aber ich fürchte, mit so einem Wunsch bekommt man in einem Buchladen Hausverbot.

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Protzen trotz Rotz

Monday, 21. February 2011 14:18

Da hat es doch tatsächlich noch mal geschneit. Sag ich doch, da kommt noch einmal was nach. Nicht dass ich eine Schwalbe gesehen hätte wie im Sommer, aber recht warm war es mal kurz. Nu hat es geschneit, und alle machen sich Sorgen, dabei sieht es doch schön aus und taut auch wieder weg. Und es erinnert daran, dass nun mal Februar ist und nicht etwa Mai.

Diejenigen, die so richtig verinnerlicht haben, dass wir hier auf Inseln leben und sich entsprechend auf Wasserverkehrjobs verlegt haben, die wissen das sowieso. Sie fegen den Schnee auf dem Asphalt flach, damit er besser taut. Für einen Moment kommt die Sonne raus. Aber sie rühren die Verpackungen nicht an, die die Boote der Kunden ihres Chefs vor dem Wetter schützen, für das sie heute ganz trotzig nicht mal Handschuhe übrig haben. Mein Blick folgt dem Rotz, der auf den Schnee fliegt. Sieht nicht so aus, als würde er anfrieren.

Thema: draußen, High Noon | Comments Off | Autor:

Automatisch Kunst

Sunday, 20. February 2011 15:28

“Können Sie einen Dollar wechseln?”, fragt das Mädchen. Seine Mutter steuert schon in den Laden, vor dem der Automat steht.

Der Laden ist eine Galerie und ich frage mich, ob die beiden schon einmal hier waren. Schließlich ist das nicht irgendein Automat, in dem man sich beliebige Kunstwerke ziehen kann: In diesem bekommt man nur ein einziges Werk in einer festgelegten Auflage, und obendrein ist es Teil einer Serie. Das zieht wiederkehrendes Publikum für die Galerie, die gerade “between installations” ist (so wie andere hier between jobs).

Inzwischen hat das Mädchen ein paar Vierteldollar in der Hand und hüpft zur Tür. Die Kunstsammler in New York werden immer jünger.

Thema: High Tea, Kunst | Comments Off | Autor:

Schick angeschickert?

Saturday, 19. February 2011 17:34

Dem Chelsea Art Museum geht es gar nicht gut. Finanziell in der Bredouille, ist es in diesem Jahr in dem Gebäude, das ihm einmal gehörte, geduldet. Wie es weitergeht, verrät noch keiner. Aber von Ausstellungen dort habe ich seit Dezember schon nichts mehr gehört. Trotzdem bin ich heute da – in Sachen Mode.

Die “Designers and Agents” findet an mehreren Orten statt, unter anderem auf drei Stockwerken im Chelsea Art Museum. Vielleicht habe ich da vorher nie so drauf geachtet. Oder es liegt gerade etwas Besonderes an, dessen Beginn ich nicht mitbekommen habe. Auf jeden Fall denke ich erst, die beiden stylishen Herren mit den Weißweinbechern haben an ihrem Stand einen kleinen Empfang abgehalten, und die Jungs im Angestellten-Dress räumen jetzt die Reste auf einem Tisch zusammen. Aber dann kommt eine Frau vorbeigesegelt, greift sich eine Flasche und gießt sich großzügig daraus ein.

Ich schaue auf die Uhr. Das kommt nie hin. Heute schaffe ich es nicht mehr, im Starrett Lehigh Center nachzuschauen, ob sie da auch trinken wie bei einer Vernissage. Mit dem Unterschied, dass bei diesem Anlass hier das Publikum zwischendurch die Becher absetzt, um wunderschöne Kleider zu befingern und perfekt geschnittene Jacken anzuprobieren.

Thema: Geld ausgeben, High Tea | Comments Off | Autor:

Brückenblick

Friday, 18. February 2011 17:01

Die meisten Leute laufen über die Brooklyn Bridge. Oder sie steuern die Manhattan Bridge an, damit sie von da aus die Brooklyn Bridge sehen können (und ärgern sich dann, wenn da Stahlkonstruktion im Weg ist). Weil ich etwas sehen möchte, nehme ich für einen Freitag-früher-Feierabend-Spaziergang einen anderen Weg: Die Pulaski Bridge über den Newton Creek zwischen Queens und Brooklyn.

Von da sieht man Manhattan, das Empire State Building, das Chrysler Building – und wie die Leute aus den Vororten auf Long Island zum Arbeiten in die Stadt kommen.

So sieht man das jedenfalls durch das Objektiv einer kleinen Kamera. Das nämlich kann man durch den Maschendrahtzaun stecken, der die Menschen auf weiten Teilen der Brücke sichert.

Thema: High Tea, Stadtrundfahrt | Kommentare (1) | Autor:

Freude unter Palmen

Wednesday, 16. February 2011 19:49

Es ist keine Tellerwäscher-Millionär-Geschichte. Viel besser. Paul Robeson war Footballspieler, Anwalt und Sänger. Der Sohn eines geflüchteten Sklaven setzte sich Zeit seines Lebens für soziale Gerechtigkeit ein – und zwar für jeden.

Zum Beispiel sang er das jiddische Lied “Zog mit keynmol” (Lied vom Aufstand im Warschauer Ghetto von Hirsch Glik) bei einem Konzert 1949 in Moskau, um gegen die Verfolgung von Juden in der Sowjetunion zu protestieren. Und den walisischen Bergarbeitern, sang er deren Volkslied “All Through The Night” übers Telefon, als ihm 1957 das Reisen verboten war (McCarthy).

Zu seinem Gedenken setzt die New York Opera Society diese und weitere Lieder aus Robesons Repertoire aufs Programm für einen Abend unter Palmen: im Wintergarten des World Financial Center.

“A Tribute to Paul Robeson” sollte eigentlich Kenneth Overton singen, aber der wurde krank. So bekommen kurzfristig zwei Bariton-Sänger aus der Gegend ihre Chance. Gustavo Ahualli kommt ursprünglich aus Argentinien; wenn er singt, frage ich mich, welche Sprache das gerade ist. Dass er das “r” rollt, kommt am Ende glänzend an: Zusammen mit Victor Benedetti teilt er sich Beethovens “Ode an die Freude” – Ahualli singt sie auf Deutsch.

Thema: Architektur, High Life, Kultur | Comments Off | Autor: