Beiträge vom July, 2011

Die Schlechten ins Kröpfchen

Sunday, 31. July 2011 13:37

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte da jemand Taubenfutter verstreut. Dabei weiß doch jeder, dass man das nicht tun soll (ebensowenig wie Eichhörnchen füttern übrigens).

Aber auf den zweiten Blick fällt mir wieder ein, dass ich hier nicht im Kleinstadtpark, sondern in New York bin, und so entscheide ich, dass ich diesen Fall nicht näher untersuchen möchte. Er ähnelt von meiner erhabenen Zweibeiner-ohne-Flügel-Perspektive aus gar zu sehr dem sonnengetrockneten Ende eines nächtlichen Zugs durch die Gemeinde.

Thema: High Noon, typisch New York, versacken | Comments Off | Autor:

Poetisches Privatvergnügen

Saturday, 30. July 2011 13:17

Jetzt bin ich am hellichten Tag im Bordell gelandet. Ich sitze an einem Tisch, auf dem ein uralter Revolver liegt, und blättere durch das Angebot, das Madame mir diskret zugesteckt hat. Die anbetungswürdige New Yorker Erfindung des Poetry Brothel ist heute auf Governors Island zu Gast (sonst meistens im Back Room), und es gibt ein kleines Problem: Im Moment ist nur eine Dame da, bei der man einen zuvor gekaufen Chip einlösen kann, um sich in einem der Zimmer oben privat unterhalten zu lassen. Und dorthin ist sie gerade mit einem Herrn verschwunden. Um ihm vorzulesen.

Also muss ich mich erst mal mit dem herrlichen Drumherum zufriedengeben: Viktorianisch-inspirierte, gewagte Kleider an Madame und der vielbeschäftigten Dichterin, raschelnde Vorhänge, gedämpftes Licht und vielversprechende Biografien der Damen und Herren des Hauses. Die haben es ja sonst schwer genug – mit Dichtkunst ist schwerlich Brot zu verdienen. Hier lockt schon am Eingang Poesie.

Allerdings sind draußen über 30 Grad (Celsius, wohlgemerkt).

Thema: High Tea, Kultur | Comments Off | Autor:

Kunstfehler

Thursday, 28. July 2011 19:46

“Nächstes Mal kommen wir früher”, sagt ein Mann zu seinem Begleiter. Da kann ich nur zustimmen. Donnerstag ist traditionell der Tag, an dem man nach der Arbeit durch Chelseas Galerieszene streifen, Leute beobachten (und/oder sich zur Schau stellen) und Kunst angucken geht. Nun ist zwar gerade Sommerloch; die Leute, die für die Galeristen interessant sind, haben sich in die Hamptons verzogen. Aber gerade deshalb gibt es heute den Chelsea Art Walk. Und der hat nicht, wie die üblichen Donnerstags-Vernissagen, um sechs, sondern schon um fünf begonnen. Mit der Folge: Es gibt keinen Tropfen Wein mehr, als ich mir gegen halb sieben die beiden Herren entgegenkommen.

Thema: High Life, Kunst, versacken | Comments Off | Autor:

Offizielle Straßenmusiker

Wednesday, 27. July 2011 21:03

Am Lincoln Center gibt es nicht nur Opernarien (die Met – im Hintergrund – hat ja auch Sommerpause). Heute wimmelt es hier vor Straßenmusikern.

Sie alle haben eben ein paar Akkorde und Texte geübt, und damit haben sie sich für den Spätnachmittag einen Stehplatz gesichert.

Über dieses Prozedere und vor allem deren Benennung macht sich der Erfinder des Ganzen erst mal lustig. “Official + Busker” sei eine dieser unmöglichen Kombinationen, die sich gegenseitig ausschließen. So wie “young + democrat” oder “American + football”. Billy Bragg provoziert eben gern.

In London hat er “Big Busk” (Busker = Straßenmusiker) schon mehrmals aufgeführt, heute ist US-Premiere. Die Idee ist simpel: Billy Bragg und seine Kumpels stimmen Gassenhauer an, die Billy auch als Straßenmusiker schon gesungen hat (oder das eine oder andere Werk später auch auf großen Bühnen), und das Publikum singt nicht nur mit, sondern es spielt auch mit Gitarren, Maultrommeln, Ukulelen oder was auch immer es mitgebracht hat.

Weil beim ersten Mal die versprochenen Projektionen der Akkorde nicht rechtzeitig bereitstanden, hatte Billy Bragg zu einem Kniff gegriffen, der jetzt Tradition ist: Die Publikums-Musiker bekommen die Akkorde auf großen Schildern angezeigt. Ehrenamtliche Helfer halten jeweils hoch, was gespielt wird, und damit sie das richtig machen, werden sie von einem seiner Musiker dirigiert.

Zwischendurch müssen die Buchstaben-Griff-Kombinationen gewechselt werden und Zeichen ausgemacht werden zwischen Dirigent und Akkord-Arbeitern. Die Pausen überbrückt Billy Bragg mit Anekdoten, politischen Kommentaren oder Entertainment. “Wenn das hier eine Rapshow wäre, würde ich jetzt ‘Make some noise’ rufen”, sagt er. Aber es sei ja nun mal eine Folkshow. Dazu fällt ihm natürlich auch etwas ein: “Grow some beard!”

Thema: High Life, Kultur | Comments Off | Autor:

Aufgelesen

Tuesday, 26. July 2011 13:19

Oh ja, gerade im Sommer sieht man, wie viel Ungeziefer sich in New York herumtreibt. Aber wer in Hochhäusern wohnt, hat zumindest nur wenig Angst vor Ratten aus dem Klo. Allerdings sind Leseratten da auch nicht so gern gesehen.

So richtig prinzipiell scheint die Klolektüre ja nicht verpönt zu sein. Aber diese Toilette befindet sich in einem Buchladen – erst zahlen, dann … na, Sie wissen schon.

Thema: Geld ausgeben, High Noon | Comments Off | Autor:

Rätsel: Killer-Gemüse?

Monday, 25. July 2011 17:00

Ist eigentlich Gemüse in Deutschland wieder rehabilitiert? Nachdem diverse Arten unter Verdacht standen, als Bazillenträger im Krieg gegen die Menschheit unterwegs zu sein?

Hier sehe ich jetzt beeindruckendes Gemüse, auch wenn es eher nach Obst, Melonen oder Mangos aussieht:

Besagtes Zeug gibt es in New York übrigens selten in der in Deutschland handelsüblichen Größe. Es ist entweder groß oder klein, auf der mittleren Ebene ist Essig. Genau wie bei der Einkommensverteilung.

Dieser Text ist eine Gedächtnisübung: Eins der allseits beliebten rätselhaften Technikprobleme ließ kurzzeitig den Blog verschwinden, das letzte Backup war ein paar Minuten zu früh gelaufen, und so habe ich das, woran ich mich erinnerte, einen Tag später erneut aufgeschrieben.

Thema: High Tea, Rätselhaftes | Comments Off | Autor:

Aufgeschaukelt

Sunday, 24. July 2011 21:16

Optimist oder Pessimist? Um die Neigung festzustellen, kann man überall auf der Welt ein Glas mit etwas Flüssigkeit auf den Tresen stellen. In New York kann man auch die Besonderheiten der Stadt herbeizitieren und fragen: Haben Sie hier viel zu erleben oder viel zu verpassen?

Manchmal schaffe ich es, eine Ausstellung, deren Eröffnung ich verpasst habe, kurz vor Schluss doch noch zu sehen. Manchmal stelle ich fest, dass ich zu spät dran bin. Doch jetzt finde ich, das Verpassen hat seinen Sinn.

Das ist kein Kinosessel, sondern ein Schaukelstuhl. Er steht auf einer Truhe. Kurz nachdem ich da hinaufgeklettert bin, kommt Rachel, die den Abend leitet, und erklärt mich erleichtert zu einer verantwortungsbewussten Person. Sie hatte sich schon Sorgen gemacht, wie sie einem Kind erklären sollte, dass es da nicht sitzen darf, weil das zu gefährlich ist. Und sonst hatte sich bisher niemand getraut, sich einfach mal zu setzen. So kann ich schaukeln, habe beste Sicht und den abgefahrensten Kinoplatz, den ich je hatte, als ich einen Film sehe, den ich so was von verpasst habe, dass “zu spät dran” schon gar nicht mehr der richtige Ausdruck ist.

Gasland” von Josh Fox hat schließlich schon letztes Jahr beim Sundance Festival die Jury beeindruckt und ist vor einem halben Jahr (zur Freude einer gewissen Branche) an einem Doku-Oscar vorbeigeschrammt. Und jetzt erst sehe ich brennendes Wasser. Da muss ich doch glatt noch mal überdenken, ob ich mein Glas wirklich halbvoll haben will.

Thema: High Life, Kokolores, Lifestyle | Comments Off | Autor:

Sendepause

Wednesday, 6. July 2011 18:32

Einfach mal die Fresse halten soll man, wenn man von etwas keine Ahnung hat. Aber gerade weil ich so viele Sachen nicht verstehe, schreibe ich über New York. Trotzdem übe ich jetzt mal Schweigen. Ob es das bringt?

Noch in diesem Monat kann man es hier wieder nachprüfen. Bis dann!

Thema: wait a second | Comments Off | Autor:

U-Bahn-Kunst: Verzweigt

Tuesday, 5. July 2011 17:44

Total typisch New York: Bäume. Ist schon klar, dass die meisten an etwas anderes zuerst denken, aber es gibt tatsächlich viele Bäume in New York City. Es kommt zuweilen nur darauf an, wo genau man sich da befindet. Unten im Battery Park zum Beispiel kann man hochschauen und den Überblick verlieren: Wo fängt das eine Geäst an und was gehört schon zum nächsten Baum?

Mike und Doug Starn haben das gesehen (im Winter geht es besonders gut). Und sich gedacht: Ach, das ist ja genauso wie die New Yorker U-Bahn-Linien – so jedenfalls beschreiben sie die Idee hinter diesem Werk.

Mit Bäumen und Büschen kennen sie sich ja bestens aus. Kurz nachdem die New Yorker U-Bahn-Betreiberin MTA dieses Werk der Starn-Brüder eröffnete (oder wie nennt man das, wenn Kunst in der U-Bahn-Haltestelle hängt?), haben sie sich in New York wieder überirdisch betätigt und Bambus auf dem Dach des Met Museum zusammengeschnürt. Der ist im Herbst abgeräumt worden. Die U-Bahn-Kunst bleibt.

Zum Gesamtbild gehört auch eine Karte von Manhattan. Also eigentlich zwei übereinander. Beide hoffnungslos veraltet. Verwirrt am Ende nur. So wie eben auch das New Yorker Verkehrssystem eine Wissenschaft für sich ist.

Thema: High Tea, Kunst | Comments Off | Autor:

Um die Wurst

Monday, 4. July 2011 15:54

Heute kommt wieder das große Fressen. Immer am Unabhängigkeitstag essen sie in Coney Island Hotdogs um die Wette, das muss man sich wie Sport vorstellen: Ein Verband macht hinter den Kulissen Politik, das Fernsehen wartet darauf, dass der Startschuss fällt, dann mühen sich die Teilnehmer um neue Rekorde, und hinterher wird gekotzt.

Zum fünften Mal in Folge hat dieses Jahr Joey Chestnut gewonnen. 62 Wurstbrötchen hat er in 10 Minuten verdrückt, zufrieden ist er damit nicht, sein Rekord liegt bei 68. Und sein Erzrivale war schon zum zweiten Mal nicht dabei, das macht ja dann keinen richtigen Spaß.  Takeru Kobayashi lehnt die Teilnahmebedingungen ab, die einen an besagten Verband binden (über die strafrechtlichen Folgen für Takeru schrieb ich im letzten Jahr).

Er ist dieses Jahr nicht mal als Zuschauer nach Coney Island gefahren, sondern hat auf einem Dach in Manhattan seine eigene Veranstaltung abgehalten. Und mit 69 Hotdogs mal eben den Weltrekord – nun ja: gebrochen.

Thema: Essen, High Noon, Lifestyle | Comments Off | Autor:

Lock-Angebote

Sunday, 3. July 2011 13:47

Von weitem sieht es so aus wie die anderen Märkte, die es im Sommer zuhauf gibt in New York. Aber das International African Arts Festival ist etwas Besonderes. Hier gibt es ganz viel, das ich nicht verstehe, so viel zu fragen. Umgekehrt aber viele Leute, die nicht unbedingt mich, aber  meine Frisur verstehen. Die wissen, wie lächerlich (und problematisch) herkömmliche Haargummis sind, wenn man eine ordentliche Masse Locks unterzubringen hat.

Und zwischen Bergen von Sheabutter und – aus welcher Mode auch immer entsprungen – Raw Food-Bottichen finde ich Sessel, die mich schwer beeindrucken. 700 Dollar für so was sind eigentlich ein Schnäppchen. Ich will gar keinen Sessel. Aber ich bleibe einen Tick zu lange stehen, als ich das Handwerk dahinter bewundere und überlege, wie viele Perlen es wohl für das Muster gebraucht hat.

Thema: High Noon, Multikulti | Comments Off | Autor: