Beiträge vom August, 2011

Dafür muss Oma lange stricken

Wednesday, 31. August 2011 19:17

In den Läden sind sie ja schon, die Winterpullover. Aber in New York sieht man nicht erst zum Ende des Hochsommers an vielen Ecken Strick. Und zwar ganz buchstäblich. Yarn Bombing nennt man das, wenn da jemand einfach einem Laternenpfahl, Verkehrspoller oder Geländer ein buntes Gewand auf den Leib strickt. Magda Sayeg macht eine Kunst draus. Sie zieht mit Stricknadeln statt mit Spraydosen durch die Welt und hinterlässt Streetart-Spuren. In Paris hat sie Legwarmer für Statuen gestrickt, in Mexiko einen ganzen Bus eingehüllt, und in New York enthüllt sie jetzt …

… ein Gitter unter der Williamsburg Bridge in Brooklyn. Aber das ist nicht einfach nur ein bisschen rosa Garn. Da steckt eine Botschaft dahinter. Das Aha-Erlebnis bekommt man, wie so oft, aber erst, wenn man ein paar Schritte zurücktritt …

… und die Sache auch mal schräg von der Seite anschaut.

Thema: High Life, Kunst | Comments Off | Autor:

An die Kette gelegt

Tuesday, 30. August 2011 17:23

Im Western sieht das einfach aus. Man rast im vollen Galopp durch die Stadt, hält mit schleifenden Hufen vorm Saloon, und auf dem Weg zur Schwingtür wirft man noch lässig die Zügel über den Balken. Wankt man wieder raus, wartet der Rappen da immer noch. Im Western klauen Pferdediebe eben nur ganze Herden. In New York dagegen werden Fortbewegungsmittel meistens einzeln geklaut.

Ich finde es verwunderlich, dass die ewig schrillenden Autoalarmanlagen (die auf jeden Mucks empfindlich reagieren, bei Gewittern geben sie Konzerte) immer noch keinen Eingang in die Popkultur gefunden haben. Vorm Saloon sieht man heute in New York aber nicht nur Autos stehen.

Sondern auch Fahrräder. Oder was von ihnen übrig blieb. Es gibt viele Strategien, wie so ein Fahrrad anzuketten ist (und wo), manche mehr, manche weniger erfolgreich. Viele nehmen ihr Fahrrad mit in die Wohnung, auch wenn da eigentlich gar kein Platz dafür ist. Anderswo muss sogar viel kleineres Räderwerk draußen warten.

Thema: High Tea, typisch New York | Comments Off | Autor:

Schwer abgetaucht

Sunday, 28. August 2011 16:20

Ich war heute gar nicht vor der Tür. Ich muss mir keine Sturmschäden von Irene anschauen gehen, wenn es immer noch verdammt windig ist und ich die Parkplatzüberflutung auch aus dem Fenster gut sehen kann (für die übrigens Blätter im Gulli die Verantwortung tragen, so viele Blätter wie im Herbst fliegen hier rum, nur nicht so bunt). Aber ich habe ein Foto von neulich gefunden, das heute schön passt:

Ich finde es schwierig, mir vorzustellen, dass in diesem Ding tatsächlich mal jemand unter Wasser war. Allein die Schuhe wiegen je 17 Pound (knapp acht Kilo), der schicke Gürtel bringt 185 Pound auf die Waage. Damit konnte so ein New Yorker Berufstaucher sehr lange unter Wasser bleiben,  und das machte der auch, zum Beispiel um die Staten Island Ferry zu reparieren.

Thema: High Tea, Stadtrundfahrt | Comments Off | Autor:

Sturmwarnung

Saturday, 27. August 2011 17:40

Aus gegebenem Anlass – vielen Dank für die vielen besorgten Nachfragen – ausnahmsweise ein Nachrichtenthema:

Warten auf Irene.

Ich glaube ja schon seit geraumer Zeit, dass die größte Glaubensgemeinschaft in New York die Ironiker sind. “Irony is over” leugnen deren Mitglieder genauso vehement wie ihre christlichen Fundamentalistenkollegen die Theorien eines gewissen Charles Darwin. Und im Moment nerven sie mich mal wieder. Gestern hätte ich zu einer Party gehen können mit dem Namen “Come on, Irene”. Untertitel: “Bring it, Bitch!” Dazu hieß es: Komm vorbei, wir lassen uns doch das Wochenende nicht versauen. Alles eine Frage der Prioritäten. Und beim fröhlichen Fest bei den Surfern in Rockaway haben sie “Irene, Goodnight” gespielt (hab ich mir sagen lassen).

Auch dann, wenn sie in der Evakuierungszone A im zehnten Stock zwar trocken bleiben, aber weder E-Mails checken noch Mikrowellenpopcorn machen können und die Toilette nicht geht und auch die Feuerwehr ganz schlecht hinkommt, nachdem die Party ein bisschen ausgeufert ist, haben Ironiker sicherlich einen catchy Slogan parat.

Mir gefällt ja “better safe than sorry” sehr gut, aber das ordnet mich gleich einer fremden Glaubensgemeinschaft zu.

Auch aus Deutschland kommt Sarkasmus bis Zynismus. Irene sei doch nur noch Stufe 1, wir New Yorker sollen uns nicht so viele Sorgen um die Frisur machen (dabei gehen wir donnerstags zum Friseur, nicht sonntags). Und überhaupt sei man in den USA doch Hurrikans gewohnt. Und soll da jetzt nicht solchen Wind drum machen. Schade, dass selbst hämisches Unwissen nicht vor Schaden schützt.

Wenn man auf einmal in einem Notstandsgebiet wohnt, also besser gesagt, wenn man wo wohnt, wo auf einmal vorsorglich der Notstand ausgerufen wird, kann man dafür Dinge lernen, von denen man immer dachte, man braucht so was nicht zu wissen oder zu behalten. Selbst Allgemeinplätze bekommen eine neue Bedeutung. Zum Beispiel:

Bei einem Hurrikan ist oft nicht der Wind das große Problem, sondern das Wasser. Erinnert sich noch jemand an Katrina?

Stromleitungen unter der Erde sind von Überflutungen bedroht. Stromleitungen über der Erde macht der Wind zu schaffen und das, was der Wind vor sich hertreibt (Bäume zum Beispiel). Ich frage mich, ob sich das der Mensch, der sich die Redensart “vom Regen in die Traufe kommen” ausdachte, hätte träumen lassen.

In Hochhäusern braucht es viel Kraft, um Wasser durch die Leitungen nach oben zu drücken. Meistens erledigen das Elektropumpen. Fällt der Strom aus, gibt es deshalb auch kein Wasser mehr.

Hausbesitzer werden nicht primär deswegen gebeten, die Fahrstühle auszuschalten, weil man Strom sparen soll. Sondern vor allem deshalb, weil die Feuerwehr in einem Megasturm keine Notrufe gebrauchen kann, weil einer im Fahrstuhl stecken geblieben ist (zum Beispiel, weil der Strom ausgefallen ist).

Wenn man Fenster von außen diagonal mit Klebeband abklebt, fallen die Scherben nach unten, nicht mit Hochgeschwindigkeit nach innen, wenn der Sturm die Scheibe zerstört.

Obwohl die Karibikinsel Kuba schwer unter Hurrikans zu leiden hat, beklagt man dort nur wenige Todesopfer. Die Vereinten Nationen loben schon seit rund zehn Jahren Kuba für seine Vorsorge bei diesen Stürmen. Unter anderem wird dort frühzeitig evakuiert.

Thema: Lifestyle, wait a second | Comments Off | Autor:

Beschleuniger

Thursday, 25. August 2011 12:29

So, jetzt scheint Ruhe einzukehren. Den ganzen Vormittag hatte ich mit Hochgeschwindigkeitsverdauung zu tun. Zu den Hauptverdächtigen für diese Malessen zählt eins meiner Experimente. Ich probiere gerne Gemüse aus.

Das ist Amaranth. Kannte ich bisher nur als winzige Körner, aber man kann auch die Blätter essen. So wie Spinat. Ich stelle allerdings fest, dass das hübsch rote Zeug längst nicht so schnell zusammenfällt. Es ist viel härter. Also koche ich es eben länger. Dabei werden die Blätter grüner und alles rundherum roter. Soll mir recht sein. Und es schmeckt auch sehr gut.

Nur eben am nächsten Morgen fühle ich mich nicht so gut. Aber das kann ja an sonstwas liegen. Schließlich sollen Amaranthblätter gut gegen Durchfall sein.

Thema: Essen, High Noon | Comments Off | Autor:

Wasser, marsch!

Wednesday, 24. August 2011 16:08

Die New Yorker Umweltbehörde ist stolz auf das, was hier aus dem Wasserhahn kommt. Mehr als 900 Mal am Tag wird es an verschiedenen Stellen der Stadt überprüft, mal ganz abgesehen von dem, was schon im Wasserwerk so alles an Tests läuft. Weil sich New York so intensiv um seine Wasserreservoirs weiter oben im Bundesstaat kümmert, gehört es zu den wenigen US-Großstädten, die ihr Trinkwasser nicht filtern müssen (von dem üblichen Gesetz ist New York noch bis 2017 befreit). Das kostet natürlich Geld, da muss man schon mal trommeln. So karrt die Behörde schon den ganzen Sommer über unter dem Titel “NYC Water on the Go” diese Dinger an, meistens am Rande von Veranstaltungen. Und, ja, die Erfrischung kommt tatsächlich aus einem ganz normalen Hydranten.

Thema: High Tea, typisch New York | Comments Off | Autor:

Alles Verbrecher!

Tuesday, 23. August 2011 12:30

Ich mein ja nur so. Steht ja da. Aber die Sache hat natürlich einen Haken, wir sind ja hier schließlich nicht in Einfachhausen. Der Künstler, der diese unerwünschte Verzierung eines Bauzauns so formuliert hat und dann auch noch mit seinem Namen unterschreibt, treibt auch noch anderswo sein Wesen. Paul Richard malt eben nicht nur auf Leinwand.

Aber dieses Foto ist gar nicht von heute. Der Moment fängt das ein, was man nicht mehr sieht: Der Zaun ist etwas verschoben, und dieser “Warnhinweis” ist weg. Und ich sag es noch.

Thema: High Noon, Kokolores | Comments Off | Autor:

Rätsel: Leuchtgras?

Monday, 22. August 2011 13:48

Um an einem ganz besonders grasgrünem Fleckchen mein Eis essen zu können, muss ich schon Glück haben. Oft kann man hier vor lauter Leuten das Gras kaum noch sehen. Aber jetzt geht’s gut, jedenfalls direkt um mich herum.

Ja nun, das ist schon etwas abschüssig hier, was einer der Gründe dafür ist, dass diese Wiese im Winter geschlossen ist. Aber auch zwischendurch. Damit sich das Gras erholen kann. Schließlich trampeln viele Leute drauf rum, und so ganz nebenher dient es auch noch als Ökodach.

Offiziell heißt die Konstruktion Laurie M. Tisch Illumination Lawn. Wenn das mal kein wuchtiger Name ist. Nur was das mit “Illumination” auf sich hat, habe ich noch nicht herausgefunden.

Thema: High Noon, Parks, Rätselhaftes | Comments Off | Autor:

Haarige Vorlage

Sunday, 21. August 2011 17:06

Aha! Nicht nur für die Herren gibt es also diese Tafeln, auf denen man sich eine Frisur aussuchen darf. Ganz egal, welche Sprache der Haareschneider spricht, damit kann man gar nicht schief liegen. Auch wenn die Damen die Mode vielleicht ein bisschen schräg finden – ein potenter Föhn kriegt das schon hin. Nur lichtecht sind die Frisuren leider nicht.

Thema: Geld ausgeben, High Tea | Comments Off | Autor:

Weltreise

Saturday, 20. August 2011 16:35

New York ist teuer, da bleibt oft nichts für Urlaub übrig. Aber dafür bieten sich innerhalb der Stadtgrenzen zig Chancen, auf Reisen zu gehen. Und heute meine ich mal nicht die kulinarischen Streifzüge, für die New York zu berühmt ist (zu Recht!). Manchmal, wenn mir nach interkulturellen Erfahrungen ist, gehe ich zum Kiosk. Also nicht nur Bude an der Ecke. Sondern zu einem Laden im zweiten Stock (dt. ersten Stock) eines unauffälligen Hauses in Soho, wo man sich schon mal an einem Koch mit Kiste vorbeischlängeln muss, um in den Laden zu kommen.

Die Besitzer von Kiosk reisen gern. Unterwegs entdecken sie hübsche Dinge, und die bringen sie dann in ihren Laden – inklusive einer kleinen Geschichte. Heute entdecke ich zum Beispiel einen Kartoffelschäler aus Deutschland, spiele mit dem Gedanke, mir eine chinesische rote Lampe zu kaufen oder Glasarmreifen aus Indien, und ich muss schlucken, als ich den Preis für die Emaille-Aufbewahrungsdosen aus Japan sehe. Und dann biege ich um die Ecke und staune: Die waren auf ihren Reisen offenbar auch in der Sesamstraße!

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U-Bahn-Kunst: Bunt!

Thursday, 18. August 2011 12:38

Schön bunt, schön durcheinander – und ganz schön durchdacht. Hinter der neu gestalteten U-Bahn-Haltestelle am Columbus Circle steckt eine ganze Weile Arbeit.  Anfang des neuen Jahrtausends kontaktierte Sol LeWitt, Begründer des Begriffs “Konzeptkunst”, die New Yorker Verkehrsbetriebe. Er wollte auch gern etwas beitragen zu deren umfangreichem Kunstprogramm. 2004 reichte er seinen Entwurf für diese Haltestelle ein, und bis zu seinem Tod drei Jahre später nahm er noch Farbproben ab. Erst 2009 wurde “Whirls and Twirls” fertig.

Noch kann man in New York übrigens auch Skulpturen von Sol LeWitt sehen – den ganzen Sommer über stehen sie rund um die City Hall. Überirdisch.

Mehr davon? Hier entlang zur U-Bahn-Kunst.

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