Beiträge vom December, 2011

Hunderttausend verschwunden

Friday, 30. December 2011 14:18

Geld ist immer schneller weg, als man denkt. Das ist meine Lektion des Tages. Ich wollte mir auf den letzten Drücker “The First $ 100,000 I Ever Made” von John Baldessari anschauen, eine Hunderttausend-Dollar-Note aus der Inflationszeit auf Werbeplakatgröße gebracht, aber sie ist weg. Da stand zwar “bis 30.12.”, aber auf der High Line geht das mit dem Ende von Ausstellungen vielleicht anders als in Galerien und Museen – letzter Tag nicht inbegriffen? Heute ist der 30., und sie ist nicht nur weg, sondern es hängt auch schon andere Werbung da. Oder Kunst. Ist mir egal, davon mache ich kein Bild.

$ 100,000 sehen? Hier entlang.

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Silvester-Wünsche

Thursday, 29. December 2011 12:32

Gute Vorsätze ausdenken kann ja jeder. In New York darf man auch ein kleines bisschen träumen – und sich zum neuen Jahr etwas wünschen. Auch dieses Jahr wieder kann man mit besten Wünschen im Time Square Visitor Center auflaufen, sie in Worte fassen und auf ein Zettelchen schreiben, das kommt dann erst an die Wish Wall und später wird es das Konfetti, das auf die Massen herabregnet, wenn die Silvester-Kugel ins Rollen kommt.

Was da dann zusammenkommt, erscheint mir ein gutes Bild von New York – und seinen Besuchern – zu geben. Einer wünscht, dass Mama wieder gesund wird, ein anderer will mit seiner Show groß rauskommen, jemand wünscht seine Brüder heil zurück aus Afghanistan, irgendjemand möchte unbedingt studieren, Zac Efron treffen, Profi-Eishockey-Spieler werden, Weltfrieden hängt da neben Geld, Glück neben Reisen, und das hier:

Thema: High Noon, Lifestyle | Comments Off | Autor:

Und tschüss (Paparazzi)

Wednesday, 28. December 2011 12:26

Sie berufen sich auf eine Tradition, die angeblich von den Römern stammt: Bevor das neue Jahr kommt, wird man schnell noch alles los, was im alten Jahr scheiße war. In New York ist “Good Riddance Day” (im Ruhrgebiet würde man streiten, ob das nun “Und Tschüss-Tag” oder “Ab dafür-Tag” heißen soll) inzwischen eine große Sache geworden. Das mag am Winterloch liegen. Jedenfalls reihen sich Kameramänner, Außenreporterinnen und Fotografen diesmal so, dass ich kaum das Ende der Warteschlange ausmachen kann.

Ich schaffe es ohne Interview bis nach vorne, ich habe schließlich keinen der offiziellen Zettel ausgefüllt, auf die man schreibt, was man loswerden will, und dann hofft, am originellsten zu sein und etwas zu gewinnen. Oder das Wohlwollen der tiefgebräunten ABC-Frau zu gewinnen und ins Fernsehen zu kommen.

Ich habe meinen eigenen Zettel für den Schredder mitgebracht. Vor allem aber zwei Sachen, die unter den Hammer sollen. Dem Empfangsmann sage ich, dass ich mit der Moderatorin nicht sprechen möchte. Er arrangiert, dass sie mich nicht nach meinem Namen fragt, aber sie findet mich ganz furchtbar mysteriös, und das sagt sie natürlich, woraufhin sich Trilliarden Kameras auf mich richten und ich Anweisungen zugerufen bekommen, wie ich mich hinstellen soll. Das haben die sich so gedacht. Ich drehe ihnen den Rücken zu und tue, wozu ich hergekommen bin. Ich bin furchtbar enttäuscht von dem Gerät, das man mir in die Hand drückt. Ich dachte, ich kann das hier in eine gigantische Presse stecken oder unter einen Schmiedehammer legen.

Die Moderatorin zählt die drei Sachen auf, was ich mitgebracht habe und zertrümmere. “Das ist etwas mysteriös, aber das tut ihr total gut”, sagt sie. Und dann fragt sie mich, wie ich mich jetzt fühle.

Zwei Blocks später fällt mir die passende Antwort ein.

Thema: High Noon, Kokolores | Comments Off | Autor:

Hightech-Schlitten

Friday, 23. December 2011 15:43

Ich habe den Verdacht, heute ist Tag der danebengegangenen Witze. Ich meine dieses unangenehme Gefühl, das einen beschleicht, wenn einer etwas sagt, das er witzig findet, das aber nicht ankommt. Kein müdes Lächeln will über mein Gesicht huschen, nicht mal aus Höflichkeit. Aber vielleicht ist das ja gerade die Absicht dahinter?

In der U-Bahn gibt es ja durchaus Humoristen unter denjenigen, die aus diesem oder jenem Grunde laut proklamieren, was die anderen Fahrgäste in der Regel nicht hören wollen. Aber dieser Herr jetzt … Er beginnt mit dem gängigen Einstieg für Bettelei. Aber dann sagt er so was wie: “Es ist ganz egal, was Sie geben, machen Sie sich keine Gedanken. Wenn Sie nur … eine Hundert-Dollar-Note haben, nehme ich die auch.” Dann wiederholt er noch mal seinen Pitch, angereichert mit “gerade an den Feiertagen” und “geben Sie doch Ihrem Herzen einen Ruck”, und diesmal endet es mit: “Selbst wenn es nur Ihr Mercedes ist. Mit GPS.” Wir sitzen, wohlgemerkt, in der U-Bahn, als wir diese bescheidenen Witze hören.

Dann schaue ich in die Nachrichten, und was sehe ich da? Ha ha ha statt ho ho ho. Die US-Luftfahrtbehörde FAA (Federal Avation Administration) hat den Luftraum über den USA für den Weihnachtsmann freigegeben. Dazu veröffentlicht sie eine Pressemitteilung, die auch total lustig sein soll.

FAA Clears Next Generation Santa One for Takeoff

Thema: High Tea, typisch New York | Comments Off | Autor:

Bärenperspektive

Thursday, 22. December 2011 12:12

Es ist eines der Dinge, die ich an New York liebe: Um die Ecke biegen oder über die Straße hetzen und dann auf einmal so etwas sehen. Auch das kann man sehen, wie man will.

Thema: High Noon, Kunst | Kommentare (1) | Autor:

Tropf-Schach

Tuesday, 20. December 2011 13:24

Das Pferd hat keine Blasenschwäche. Es ist eben wieder ein paar Grad über Null. Da fängt es an zu tropfen.

Am Grace Building Plaza stehen nicht einfach irgendwelche Eisskulpturen herum. Auch nicht irgendwelche Schachfiguren. Sie stellen die letzten Züge aus dem Spiel dar, bei dem ein Computer namens Deep Blue den Schachweltmeister Garry Kasparow besiegte. Der halböffentliche Platz, auf dem die Eisskulpturen stehen, gehört derselben Firma, der auch der Zuccotti-Park gehört.

Thema: High Noon, Kunst | Comments Off | Autor:

Eisblumen

Monday, 19. December 2011 13:31

Herzlich willkommen, Väterchen Frost! Unwahrscheinlich, dass der Kerl aus Russland hergekommen ist, im Wetterbericht sah das jedenfalls anders aus. Aber es friert. Ausgerechnet jetzt kommt ein Bagger auf den Parkplatz gefahren. Er soll da den Boden aufhacken, sie wollen ein Fundament legen und bis Februar damit fertig sein.

“In Deutschland würden sie das nicht machen”, höre ich mich sagen und schäme mich ein bisschen, vor allem, als einer von den Männern in herrlich gebrochenem Ostblock-Deutsch sagt: “Deutschland Winter nix Arbeit.” Ich versuche das Argument, dass so was bei gefrorenem Boden doch viel aufwändiger ist und länger dauert. Aber die Männer lachen nur. Die kriegen hoffentlich jede Stunde bezahlt.

Einige Pflanzen wollten auch unbedingt die Jahreszeit ignorieren und außerdem den Wetterbericht. Jetzt gefriert ihnen die Nahrungszufuhr. Noch vor wenigen Tagen sah New York so aus:

Thema: High Noon, typisch New York | Comments Off | Autor:

Knusper, knusper, knäuschen …

Sunday, 18. December 2011 18:04

Mir ist der Lebkuchen ausgegangen. Aber in Deutschland habe ich um diese Zeit ja auch keinen mehr bekommen, so kurz vor Weihnachten bestellen die Läden so etwas wohl nicht mehr. Hier ist Lebkuchen, so wie wir ihn kennen, nicht so beliebt. Das steigert meine Chancen, noch welchen zu finden, und tatsächlich hat ein Supermarkt in der Nähe Tüten eines deutschen Herstellers, allerdings nicht meine Lieblingssorte. Schon gar nicht mehr, nachdem ich das hier gesehen habe:

Ja, das ist echt und essbar. Wie alle Gingerbread Houses in dieser alljährlichen Ausstellung. Zur Gingerbread Extravaganza tragen so einige Konditoreien der Stadt ein, ist ja gute Werbung. Und die Besucher dürfen abstimmen, wer das schönste Häuslein im Weihnachtsland gebaut hat – dazu allerdings müssen sie einen Dollar abdrücken, der an die Wohlfahrt geht.

Bei einem dieser Wettbewerbsbeiträge frage ich mich aber: Ist das nun Würdigung oder Spott?

Thema: Essen, High Tea | Comments Off | Autor:

Lärm machen wie in den 90ern

Saturday, 17. December 2011 19:13

Vor 20 Jahren hat sich Phil Kline etwas ausgedacht, das zum Dezember gehört und im Dezember gehört werden soll in den Straßen von New York. Seither gibt es jedes Jahr “Unsilent Night”. Wenn sie es erklären sollen, sagen manche: Ach, da muss man dabei gewesen sein. Aber das sind ja schlecht erzählte Geschichten, die so enden. Ich versuche es mal andersherum. Nämlich mit den entscheidenen Zutaten:

plus

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ungefähr gleich

Hat nicht funktioniert? Na, dann eben noch die Rechenregeln: Phil Kline hat vier elektonische Stücke komponiert, die gleichzeitig draußen abgespielt das ergeben, was ihm vorschwebte. Das machte er zu einer Zeit, als Menschen mit Knopf im Ohr noch pure Science Fiction waren. Deshalb verteilte er ein paar Stereorekorder mit Kassetten mit je einem dieser Stücke an ein paar Freunde, und die liefen dann mit ihm durch New York, bis das Stück zu Ende war. Das hat er wiederholt, sich damit mehr Freunde gemacht, und inzwischen gibt es “Unsilent Night” in vielen anderen Städten auch.

Thema: High Life, Kultur | Comments Off | Autor:

Wein im Park

Friday, 16. December 2011 17:23

Was stimmt nicht an diesem Bild? Na ja wohl die Mütze des Elefanten! Zu der Jahreszeit, die sie andeutet, geht man in New York zwar auch gerne in den Park. Aber dazu zieht man sich anders an. Und man liegt nur dann herum, wenn man in einem Zustand ist, bei dem man keine Zeitschrift mehr halten kann.

Diese Szene hier sagt also: Der Indoor-Park ist wieder da! Hipster haben ihn letztes Jahr schon geliebt, was zu einem Gutteil an den ganzen Steckdosen für die Hipster-Accessoires liegt. Aber dieses Jahr geht es hier etwas traditioneller zu. Schuld daran ist ein Musikmagazin. Das hat hier heute eine Band eingeladen, die keinen Unterschied zwischen Evergreens und abgehalfterten One Hit Wonders macht, aber das ist doch egal. Dazu gibt es nämlich auch eine Weinprobe von einem Hersteller mit dem verdächtigen Namen Wines That Rock. Mit Grateful Dead werde ich trotzdem nicht warm. Aber es gibt ja genug Sorten. Und das Beste ist: Man darf ganz legal im Park trinken!

Thema: High Tea, versacken | Comments Off | Autor:

Spurenleser

Thursday, 15. December 2011 13:24

Viele Leute denken, Manhattan wurde an seinem südlichen Ende verkauft. Da kommt man schließlich an, wenn man vom Meer her rüberschippert, und da unten stand später der Wall, nach dem heute noch die Straße benannt ist, auf der die Aktienhändler heiße Luft verkaufen. Aber niemand hat da unten Manhattan verkauft. Das war am anderen Ende, hoch oben im Norden, im heutigen Inwood. Zur Erinnerung an Peter Minuits Geschäft mit den Reckgewawanc liegt da heutzutage ein Stein herum:

An der Stelle soll außerdem 280 Jahre lang ein Tulpenbaum gestanden haben. Fast genau so lange hat es gedauert, bis der Gedenkstein herkam (nämlich zum 300-jährigen Jubiläum der Stadt New York). Noch etwas Seltenes gibt es hier in der Gegend: Eine Straße, die nicht Street, Avenue oder Boulevard heißt, sondern Road. Und ja, ganz recht: Das hier ist Manhattan.

Thema: Geschichte, High Noon | Comments Off | Autor: