Grau ist es draußen, und die Frühlingsblüten bleiben zimperlich. Gestern Abend hat Präsident Trump vom Mittelmeer aus Dutzende Raketen auf einen Militärflughafen in Syrien abfeuern lassen, und alles schien zu erstarren. Das ist einer der Gründe, warum ich an den Four Freedoms Park auf Roosevelt Island denke.

Four Freedoms Park Roosevelt Island New York

Trump hat das einfach gemacht, den Befehl gegeben. Ohne seine Pläne vorher mit den Politikern im Kongress zu teilen, geschweige denn, darüber abstimmen zu lassen. Ausgerechnet gestern hat mir eine Regierungsangestellte einen Vortrag darüber gehalten, wie wichtig es ist, dass Einwanderer lernen, dass Amerika auf einer Mitmachdemokratie beruht, dass sie wissen, wer ihr Kongressabgeordneter ist und dem auch auf die Finger schauen, und verstehen, was „checks and balances“ bedeutet.

Die amerikanische Verfassung schreibt vor, dass sich Präsident, Kongress und Oberster Gerichtshof gegenseitig kontrollieren, damit die Gewalten im Staat nicht nur geteilt sind, sondern auch die Macht haben, sich gegen die anderen zu behaupten. Deshalb kann der Kongress Untersuchungsausschüsse und Amtsenthebungsverfahren einleiten, der Präsident gegen Beschlüsse der Abgeordneten ein Veto einlegen, der Oberste Gerichtshof Entscheidungen des Präsidenten für verfassungswidrig erklären.

Auch ganz normale US-Bürger gehören zu den Kontrollettis. Sie sind dazu angehalten, ihren Abgeordneten immer wieder zu sagen, was sie wollen – und was nicht. Und den Politikern dabei klarzumachen, dass sie bei der nächsten Wahl einen Job zu verlieren haben.

So einfach kann Amerika keinen Krieg beginnen

Ohne Zustimmung des Kongresses darf ein US-Präsident keinen Krieg erklären. Als Chef der Streitkräfte darf er aber einen Militärschlag anordnen. In Syrien geht er damit einen ganz schmalen Grat. Heute bin ich damit aufgewacht, dass um mich herum viele Menschen ihre Abgeordneten angerufen haben, um sie daran zu erinnern, dass sie bei solchen Aktionen ein Wörtchen mitreden sollen. Und um zu fragen: Befinden wir uns im Krieg?

Vor etwas mehr als 76 Jahren hat ein US-Präsident ein ganz anderes Fass aufgemacht. In seiner Rede zur Lage der Nation im Januar 1941 legte Franklin Delano Roosevelt vor dem Kongress eine wichtige Grundlage für die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (1948). Roosevelt versprach den Amerikanern in seiner Rede vier ganz besondere Freiheiten, die nicht nur für sie, sondern für die ganze Welt gelten und durchgesetzt werden sollten.

Die amerikanische Vision: Niemand soll Angst vor einem Krieg haben müssen

Jahrzehnte hat es gedauert, bis diesen „Four Freedoms“ ein Denkmal gesetzt wurde – Geldmangel in New York verhinderte den bereits 1973 geplanten Bau des Four Freedom Parks für lange Zeit. Aber seit 2012 könnt ihr auf Roosevelt Island vor diesem großen grauen Stein stehen:

Four Freedoms Park New York Roosevelt Zitat

Roosevelt versprach Amerika und der ganzen Welt die bereits bekannte Idee der Meinungs- und Glaubensfreiheit, legte aber noch etwas bis dato Unerhörtes drauf: die Freiheit von Not und die Freiheit von Angst (vor einem Krieg).

Sein Blick war dabei auf die Nazis gerichtet, und ironischerweise gehört das Versprechen, dass niemand sich vor Krieg fürchten soll, bis heute zu den moralischen Begründungen, warum Amerika in den Krieg zieht. Hier die Übersetzung des Zitats auf dem Denkmal (ergänzt um zwei erklärende Sätze aus der Rede):

In künftigen Tagen, um deren Sicherheit wir uns bemühen, sehen wir freudig einer Welt entgegen, die auf vier wesentliche Freiheiten des Menschen gegründet ist. Die erste dieser Freiheiten ist die der Rede und des Ausdrucks – überall auf der Welt.

Die zweite dieser Freiheiten ist die jedes Menschen, Gott auf seine Art zu verehren – überall auf der Welt.

Die dritte dieser Freiheiten ist die Freiheit von Not. Das bedeutet, weltweit gesehen, wirtschaftliche Verständigung, die jeder Nation ein gesundes, friedliches Leben für ihre Einwohner gewährt – überall auf der Welt.

Die vierte Freiheit aber ist die von Furcht. Das bedeutet, weltweit gesehen, eine globale Abrüstung, so gründlich und so lange durchgeführt, bis kein Staat mehr in der Lage ist, seinen Nachbarn mit Waffengewalt anzugreifen – überall auf der Welt.

Das ist keine Vision für ein fernes Jahrtausend, sondern es ist eine definitive Grundlage für eine Welt, die in unserer Zeit und Generation erreichbar ist.

Inzwischen leben wir in einem neuen Jahrtausend, die Idee von Menschenrechten hat sich weit verbreitet. Und die Angst vor einem Krieg ist immer noch nicht aus der Welt geschafft. Ausgerechnet in dem Land, das einmal die Idee hatte, die ganze Welt vor dieser Furcht zu befreien.

Franklin D. Roosevelt Four Freedoms Park, Südspitze von Roosevelt Island (erreichbar mit der U-Bahn-Linie F oder mit der Seilbahn), täglich von 9 bis 17 Uhr (April bis September bis 19 Uhr) geöffnet, Details auf der Website.

 

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