Alkohol in der Öffentlichkeit trinken? Das ist nichts für Amerikaner. Auch wenn sie genau das ganz gerne tun. Aber sie folgen dabei ganz bestimmten Regeln, zumindest, wenn sie Ärger mit den Gesetzeshütern vermeiden. Nun lest und staunt, wo und wie ihr in New York Alkohol trinken dürft – und was ihr euch besser aus dem Kopf schlagt.

Trinken ist gerade mal wieder schwer im öffentlichen Bewusstsein der Stadt. Dieser Tage ist in New York schließlich an allen Ecken und Enden Oktoberfest. Das prägt die Vorstellung deutscher Kultur mit Bier aus Bayern und Brooklyn, Polka aus Bayern und Tschechien, Lederhosen aus Bayern und Taiwan und traditionellen Sportarten wie Peitschenschwingen und Cornhole. Oh, und ehe ihr euch über Cornhole beschwert, bloß weil das einen englischen Namen hat: Das gibt es auch bei euch.

Randnotiz: Dieser Wettbewerb, bei dem man Bohnensäckchen bei laufender Uhr auf ein schräges Holzbrett mit Loch wirft, schlich sich erst in der diesjährigen American Oktoberfest-Saison in mein Bewusstsein. Endlich verstehe ich, was den Cornholio-Klaumauk von „Beavis & Butthead“ inspiriert hat. „Huh, huh, huh. She’s old“, würden die wohl jetzt sagen.

So. Aber nun zurück zu den wesentlichen Dingen: Alkohol. Den darf man in New York nur ab einem Alter von 21 Jahren trinken, und auch dann nur in ausgewiesenen Räumen. Zu Hause natürlich (es sei denn, man wohnt in einem alkoholfreien Gemeinschaftshaus). Und in Restaurants, die eine Alkohollizenz haben. Also drinnen in diesen Restaurants.

No Go: Drink mit nach draußen nehmen

Draußen fangen die Probleme an. Raucher merken das ganz schnell, wenn ihnen ein entsetzter Barkeeper hinterhergrölt. Man kann einen Drink aus einer Bar nicht einfach mit rausnehmen. Das gilt es beispielsweise auch bei Konzerten zu bedenken.

„Open container“ heißt die Regel im Volksmund: Du kannst so viel Bier mit dir herumschleppen, wie du willst. Aber ein Dreh am Kronkorken (ja, hier lassen die sich aufdrehen! Es sei denn, du gerätst an echtes deutsches Bier! Aua!) oder ein Zzzzzippp an der Dose bringt dich auf die Seite der Gesetzlosen.

Draußen trinken Amerikaner deswegen nicht. Also das tun sie vielleicht schon, aber wenn ein Cop das sieht, gibt es ganz nüchtern einen Strafzettel und ein Bußgeld von mindestens 25 Dollar. Dem New Yorker Anwalt Robert Briere zufolge haben im Jahr 2010 mehr als 140.000 Leute eine Vorladung wegen Trinkens in der Öffentlichkeit bekommen. Gerichtsvorladung! Schockschwerenot, so lässt es sich als Anwalt natürlich auch gut verdienen.

Die Mär vom Bier in der Papiertüte

Für dieses Verbot ist es übrigens völlig egal, wie der Alkohol nun verpackt ist. Entgegen der landläufigen Vorstellung vieler Touristen aus fernen Ländern (wie zum Beispiel Deutschland) ist es strafbar, einen Schluck aus der Papiertüte zu nehmen, in der eine Bierdose oder Schnapsflasche steckt. Tja, irgendwelche halbseidenen Typen in US-Filmen und -Serien machen es halt nicht legal, tief in die Papiertüte zu schauen. Sie verstecken verbotenes Tun nur auf eine Art und Weise, die erst recht verdächtig macht.

Nun gibt es aber Restaurants, die Alkohol ausschenken und ein paar Plätze draußen haben. Draußen! Da reibt sich der Anwalt aber mitnichten die Hände. Mit einer klaren Absperrung zum Fußvolk auf dem Gehsteig stecken die Restaurantbesitzer ihre Fahne in den Boden: Hier, das ist eigentlich bei uns drinnen! Und das funktioniert.

No alcohol beyond this point – draußen trinken im Korral

Auf Musikfestivals oder den schicken Flohmärkten mit Fressmeile führt dieser Kniff zuweilen eher zu einer Ausgrenzung der Trinker: Die müssen ihren Drink an Extraständen kaufen und damit wie Rindviecher in einen Korral bleiben, nicht von Cowboys, sondern von allgegenwärtigen „No alcohol beyond this point“-Schildern im Zaum gehalten.

Meine Fantasie schreibt vor, dass da endlich mal eine Gruppe Abstinenzler auftaucht, sich höflich für die Lieferung werberelevanter Zielgruppen bedankt und Broschüren verteilt. Erlebt habe ich so etwas aber noch nie.

Was ich allerdings neulich erlebte war … wie die Ausgrenzung mein persönlicher VIP-Bereich wurde. Eigentlich hatten wir uns bei dem kleinen Italiener nur deshalb nach draußen gesetzt, weil es drinnen voll war, und wenn es dort voll ist, ist es irre laut. Draußen hat er zwei schmale Tische mit Metallstühlchen. Direkt vor uns reparieren zwei Typen ein Moped. Zum Glück die elektrischen Teile, dafür muss der Motor nicht laufen. Also alles ganz gemütlich.

Und dann sage ich „Wein“ und mein Begleiter sagt „Bier“. Der Kellner wiederum sagt „sorry“, als er zurückkehrt. Und hängt eine dicke rote Kordel an zwei Haken ein, womit sie sich dicht um uns herumlegt.

Alkohol trinken in New York

Das Restaurant darf nur ein paar Zoll vom Gehsteig haben, erklärt der Kellner, und wenn da jemand trinkt, muss der Restaurantraum „enclosed“ sein, aber eben diese Absperrung darf keinen Platz wegnehmen. Keinen Fußbreit für Alkohol.

Wir sind schwer in Versuchung, Zigaretten zu schnorren und diese dann ohne Verrenkungen draußen – vor dem Restaurant – zu rauchen, während wir gleichzeitig drinnen – hinter der Kordel – trinken. Daher kommt also der Begriff „über die Stränge schlagen“!

Ob das legal gewesen wäre, bezweifle ich. Zigaretten schnorrt man in New York übrigens auch nicht. Aber das ist ein anderes Thema.

6836 alle Klicks 6 Klicks heute