Mir sitzt eine Katze im Nacken. Nicht buchstäblich – das stelle ich mir schön warm, aber auch ganz schön unbequem vor. Sie sitzt schräg versetzt ungefähr einen Meter über mir, und jedes Mal, wenn ich mich umdrehe, starrt sie mich an. Da fällt mir ein, dass ich gar keinen Vertrag unterschreiben musste, in dem ich bescheinige, dass alles, was auch immer mir zustoßen mag, meine eigene Schuld ist. So was habe ich in New York schon öfter gesehen.

Jetzt sitze ich hier und habe gar keinen Schiss. Mir fällt auf, dass ich mir den Katzentisch ausgesucht habe: Allerlei Bücher mit Katzenbildern und -geschichten liegen vor meinem gemütlichen Sofa mit Blick auf den falschen Kamin. Ich habe allen Ernstes Geld dafür bezahlt, in Gesellschaft von Katzen meinen Tee zu schlürfen.

Katzentisch im Katzen-Cafe

Vor mir dampft eine Teemischung namens Happy (echt jetzt!), und den Beutel mit dem losen Tee habe ich bereits danebengelegt. Vielleicht hat die Katze es darauf und gar nicht auf mich abgesehen. Mit so einem Spielball könnte sie eine herrliche Schweinerei anrichten.

Katze auf dem Regal

Bis eben habe ich die Katze namens Sushi – wer gibt einer Katze diesen Namen? – nur in 2D gesehen, jedenfalls wirkte es so. Die Zeremonienmeisterin in diesem Katzencafé, deren Namen ich vergessen habe (verblasst eh gegen die Katzennamen) war aus dem Hinterzimmer gekommen, hatte sich kurz zu Sushis Regal hochgehangelt, um nach dem Rechten zu sehen, und das Tier dabei aus dem Schlaf geschreckt.

Regeln im Katzencafé

Seither sitzt der Kerl da und guckt und guckt. Ich kraule da mal lieber Heron. Den Regeln des Katzen-Cafés zufolge darf ich schlafende Katzen streicheln, aber nicht nerven, und Heron schnurrt mal schnell, damit ich auch ja verstehe, dass ich nicht nerve.

Heron lässt sich kraulen

Acht Katzen gibt es in diesem Raum, und sie alle ruhen sich gerade aus. Nebenan kann man sich Eintritt erkaufen, plus Tee, Kaffee und Gebäck (das selbstverständlich den Katzen verwehrt bleiben muss).

Die Tee-Auswahl ist super, ich bin nur ein bisschen enttäuscht, dass ich wieder einmal einen Plastikbecher bekomme. Immerhin ist doch der Tee das, was Little Lions den Gewinn beschert, wie die Besitzerin später erzählt.

Little Lion ist ein Katzen-Cafe

Das Katzencafé ist mit lauter Katzenzeug eingerichtet, dezente Kratzbäumchen und Katzenkörbe gibt es auch, aber die Viecher haben schon eine Woche nach der Eröffnung ihre eigenen Vorstellungen einer adäquaten Einrichtung durchgesetzt: In einen der Sessel haben sie unten ein Loch gemacht, durch das sie abwechselnd ins Sesselpolster verschwinden, wenn sie genug von all der Aufmerksamkeit haben. Im Moment lässt eins der drei Katzenkinder dort ab und an seine Schwanzspitze herauszucken.

Katze abzugeben

Oder sie legen sich halt auf ein hohes Regal. So wie Sushi. Als ich gerade mal einen Schluck aus meinem Becher nehme, springt er über mich und den Tisch hinweg auf den Boden – genau in Richtung der Steckbriefe, die darauf hinweisen, dass er und zwei andere Katzen ein Zuhause suchen. Im Katzencafé findet er zumindest gleich schon mal eine junge Dame, die ihn mit einer dieser Angeln mit Bommel dran (lustiges Katzenspielzeug!) zum Jagen einlädt. Das spielen eben Erwachsene in der Katzen- und Menschenwelt gern.

Eins der drei Katzenkinder hat unterdessen seine rosa Pfötchen äußerst fotogen drapiert und sich tief in eine Kuschelhöhle zurückgezogen. So geht das natürlich auch.

Babykatze im Katzen-Cafe

 

Das erste New Yorker Katzen-Café (Vorbild sind ähnliche Läden in Asien) hat vor mehr als einem Jahr eröffnet. Inzwischen gibt es drei (die anderen beiden heißen Meouw Parlor und Koneko), und dieses hier ist das neueste.

UPDATE: Das Café hat inzwischen leider schon wieder geschlossen. Die Adresse war: Little Lions, 40 Grand Street (Soho), tägl. 10-20 Uhr.

 

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