New York gemütlich

 

Die Frau lächelt mich an. Sehe ich da nicht auch noch ein verschwörerisches Zwinkern? Die bringt mich echt in die Bredouille.

Eben trat ich durch eine Tür. Darüber steht „Keine Computer!“ Vorne im Café steht ein langer Tisch, an dem Köpfe über silbernen Äpfeln schweben, so sieht das von draußen jedenfalls aus. Die dürfen da die digitale Boheme geben, solange sie wollen. Und die wollen. Da ist jeder Platz besetzt.

Ich will mich aber auch hinsetzen mit meinem Tee und meinen drei Zimtbacklöchern. Da bin ich mal wieder auf denselben Trick aus dem Gesundheitssabotagezentrum in meinem Bauch hereingefallen: Ein Dreierpack ist im Angebot, Doughnut Holes sind klein, und es lohnt ja nun echt nicht, für ungesundes Zeug unnötig viel Geld auszugeben, wenn man davon noch nicht mal satt wird.

Auf der Suche nach einem Platz, auf dem ich mich mit dem Zimtzuckerzeug auseinandersetzen kann, fällt mein Blick auf die geheimnisvollen Schriftzeichen „Record Room“. Deshalb trete ich durch die besagte Tür. Und da sitzt gleich links die freundliche Frau. Mit ihrem Computer.

 

Cafe in New York

Und wer ist jetzt dieser Kerl neben mir?

 

Der Hausmeisterkobold, der in mir wohnt, springt auf und ab und will Zeter und Mordio – zwei weitere Bewohner der Hirn-WG – von der Kette lassen: „Das geht doch nicht! Da muss man sofort die Bedienung informieren!“

Aber es ist doch so schön, hier Ruhe zu finden. Vielleicht sogar Gemütlichkeit. Leute, die sich mit dem gesprochenen Wort verständigen. Mit Blicken. Mit Berührungen gar.

Ich setze mich in eine Ecke, deren Sitzfläche mich sogleich an einen Kommentar aus dem ersten Teil meiner Suche nach Gemütlichkeit erinnert: Bequemlichkeit kontrollieren! Hartes Holz in Form einer Bank. Aber eine Ecke nur für mich. Im Hintergrund läuft Gitarrenmusik. Kein Geklimper, sondern die volle Breitseite, nur nicht so laut.

 

Record Room Gebrauchsanleitung

 

Ich sitze, krümle auf die Papptüte, in der mein Gebäck zwischengelagert war, trinke zwischendurch in kleinen Schlucken den verflixt heißen Tee aus dem Plastikbecher (ich weigere mich nach wie vor, die Dinger Pappbecher zu nennen, die bestehen doch vor allem als Beschichtung – versucht einfach mal, euren Kaffee auf ein Stück echte Pappe zu kippen …). Und dann schreibe ich ein bisschen. Und dann verlässt der Typ mit dem Buch die andere Ecke, und es kommt ein Paar.

Das spricht. Und schweigt. Und berührt ganz schön. Ich schaue zur Computerrebellin. Die schaut auf ihren Bildschirm. Später schaut sie auf, als das Paar schon längst woandershin weiterberühren gegangen ist und ich die paar Bilder mache, die ich euch hier hineingesprenkelt habe. Ihr Computer und mein Telefon nicken einander kurz zu. Tach auch. Ist doch ganz gemütlich hier.

 

Sweetleaf Cafe - mit Schallplatten

 

Sweetleaf, 10-93 Jackson Avenue, Long Island City (Queens)

 

Und hier geht’s zum 1. Teil von „New York macht’s sich gemütlich“ – in Manhattan!

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