Gäbe es in Deutschland, Österreich und der Schweiz keine New York-Fans, würde ich ins Leere bloggen. Deshalb freue ich mich jeden Tag darüber, dass tausende Kilometer entfernt ein ganzer Haufen Menschen meine Leidenschaft teilt. Aber jetzt erst entdecke ich, wie weit das geht. Da gibt es Fernblogger!

Fernblogger: Fernblick auf New York

Das Wort kennt ihr gar nicht? Hab ich mir ausgedacht. Weil in Deutschland nicht nur Leute sitzen, die Neues, Altes und Schräges aus New York aufsaugen, sondern auch solche, die darüber schreiben.

Was ist denn ein New York-Fernblogger?

Fernblogger berichten (in diesem Falle) von Deutschland aus über New York. Gleich vier von ihnen habe ich gefunden, mit Begeisterung gelesen, wie sie New York sehen, und sie dann mal fein darüber ausgequetscht, warum und wie sie das eigentlich tun. In zwei Teilen werde ich euch zusammen mit diesen glorreichen Vier erzählen,

  • wie sie darauf kommen, von Deutschland aus über New York zu bloggen und wo sie Material für Blogbeiträge finden (das lest ihr gleich in diesem Beitrag),
  • ob es eigentlich Vorteile hat, aus einer solchen Distanz zu bloggen und was ihnen New York eigentlich bedeutet (das kommt in der nächsten Folge).

Vorstellungsrunde: Diese 4 bloggen von Deutschland aus über New York

Schaedel bloggt auf New York – History – Geschichte seit 2006 (!!!) über die Vergangenheit der Stadt und zeigt auch in Bildern, wie sich etwa Straßenecken verändert haben. Er lebt in Haldern am Niederrhein, verdient sein Geld im öffentlichen Dienst und war bislang fünfmal in New York, zuletzt im September 2015.

Torsten Kleinz nimmt sich seit etwa zwei Jahren auf Willkommen in Gotham vor allem das New York aus Funk und Fernsehen vor – und schaut, was das mit dem wahren Leben hüben wie drüben zu tun hat. Er arbeitet als Journalist in Köln und war erst einmal in New York – im Herbst 2016.

Derk Hoberg konzentriert sich mit New Food City seit Februar 2016 auf Kulinarisches – sein Kumpel Helge, der in NYC lebt, hilft ihm dabei. Derk selbst wohnt in München und verdient sein Geld als Journalist. Er war bislang dreimal in New York, zuletzt 2016.

Dirk denkt sowieso täglich an New York und schnappt dabei viele Nachrichten aus der Stadt aus, die er zusammen mit eigenen Erlebnissen seit Ende August 2016 auf New York Infoblog weitergibt. Dirk wohnt in einem kleinen Ort am Rande von Freiburg im Breisgau und arbeitet im kaufmännischen Bereich bei einem Automobilzulieferer. Er war schon viermal in New York, zuletzt 2016.

Manhattan historisch - New York History Geschichte Blog

Wie kommt man auf die Idee, von Haldern aus über längst verschwundene Gebäude in New York zu bloggen?

Bei Schaedel von New York – History – Geschichte begann alles mit einem Haufen Fragezeichen. Er reiste mehrere Male nach New York, und sein Interesse an der Geschichte der Stadt stieß hier und dort an Grenzen.

Noch gab es keinen der Blogs und Podcasts, auf denen man heute jede Menge über das alte New York lernen kann. Auch Wikipedia war jung und spärlich gefüllt. 2006 war er zum dritten Mal in New York, und die Zeit danach nutzte er, um offene Fragen zu recherchieren – und das damals neue Medium Blog, um seine Ergebnisse festzuhalten. Erst einmal nur für sich selbst.

„Referenzseiten waren seinerzeit nyc-architecture und ForgottenNY, die noch von ihren Machern programmiert wurden. Inzwischen sind beide zur Bloggerei gewechselt“, sagt Schaedel. „Später habe ich häufiger englischsprachige Beiträge aus dem Internet übersetzt und so im deutschen Sprachgebiet im Internet zugänglich gemacht.“

Das hätte im Grunde ewig so weitergehen können. Aber, ihr ahnt es schon: Nix da. Verantwortlich für einen radikalen Wandel von New York History Geschichte war ein Fundstück von Schaedels Recherchestreifzügen: Lost Buildings.

Das sind Gebäude, die früher einmal in New York gestanden haben, aber wieder verschwunden sind. „Aus der Faszination daran, wie sich manche Straßenecken im Laufe der Jahrzehnte mehrfach gravierend verändert haben, ist der Blog in seiner jetzigen Form entstanden“, sagt Schaedel.

Heute legt er seinen Schwerpunkt auf die Forschung nach diesen „verlorenen“ Häusern und ehemaligen Gebäudekonstellationen. Praktischerweise stellen seit einigen Jahren mehrere enorm umfangreiche Archive ihr Bild- und Kartenmaterial online und kostenlos zur Verfügung (ihr erinnert euch vielleicht: Über das Archiv der NYPL schrieb ich vor einer Weile auch mal).

Fernblogger: Dirk vom New York Infoblog

Fernblogger: Dirk vom New York Infoblog

Wie kommt man darauf, von Süddeutschland aus Nachrichten und Erlebnisse aus New York zu bloggen?

Bei Dirk vom New York Infoblog spielt die Liebe eine entscheidende Rolle. „New York ist mein Sehnsuchtsort und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an die Stadt denke oder mir Bilder von meinen vergangenen Reisen nach New York ansehe“, sagt Dirk. „Diese Erfahrungen und Erinnerungen möchte ich gerne mit anderen Fans der Stadt teilen.“ Einen dieser Fans hat er ganz nah bei sich.

Seine Gattin teilt die Liebe zu New York. Auf dem Empire State Building machte Dirk ihr einen Heiratsantrag, und die vielen Reiseerinnerungen, die auch immer mal im Blog vorkommen, haben die beiden gemeinsam geschaffen. Den letzten Kick für den Start als Fernblogger gab ein weiteres Interessenfeld: Technik und Internet.

Dirk hatte bereits eine Internetseite für einen Verein aufgebaut und betreut. Eine Seite über New York zu starten schien ihm nun eine logische Folge.

Wie kommt man darauf, von München aus über Essen in New York zu bloggen?

Für Derk Hoberg von New Food City geht die Liebe zu New York offenbar durch den Magen. „Da ich gerne koche und esse und als Journalist ohnehin immer auf der Suche nach guten Themen bin, lag es auf der Hand, darüber zu schreiben“, sagt Derk. Das fiel ihm allerdings gar nicht so direkt auf, sondern erst, als er sozusagen aus dem Bett gefallen war.

„Eines Morgens wachte ich schon gegen fünf Uhr auf. Viel zu früh, für meine Verhältnisse, aber ich konnte nicht mehr schlafen. Die Idee kam mir noch im Bett, auch der Name „New Food City“ ist mir direkt eingefallen.“ In aller Frühe prüfte Derk direkt, ob die Domain noch frei sei, vergewisserte sich, dass es bisher nichts ähnliches gab, und tüftelte am Design der Seite.

Derk begeistert sich für die Vielfalt an Restaurants und Imbissen. „In New York kann man sich problemlos einmal um die ganze Welt essen“, sagt er. „Obendrauf kochen hier einige der faszinierendsten Köche der Welt wie zum Beispiel Daniel Humm, und auch bei Themen wie Urban Farming ist New York Vorreiter.“

Als Fernblogger mit einem solchen Thema muss er bei Besuchen ordentlich vorlegen – beziehungsweise zulangen. Meist hat er nach einer solchen „Recherchereise“ ein paar Pfund zusätzlich auf den Rippen.

Aufkleber von New Food City

Am Ort gewesen: Aufkleber von New Food City

Wie kommt man darauf, von Köln aus über Film, Fernsehen und New York zu bloggen?

Bloggen ist für Torsten Kleinz von Willkommen in Gotham ein alter Hut. Seit gut zehn Jahren schreibt er im Netz (und auch außerhalb) vorwiegend über Netzkultur, -politik und Medien. „Diese Themen werden von der breiten Masse eher als Parallelwelten wahrgenommen. Jeder ist im Internet, aber wer lebt schon da?“, sagt Torsten. „Das gleiche gilt für New York: Fast jeder auf der Welt kennt New-York- Geschichten, aber nur gut acht Millionen Menschen leben dort.“

Diese Parallele war der Auslöser dafür, dass Torsten zum Fernblogger wurde. Seine Grundidee: Ich schreibe über New York, ohne jemals dort gewesen zu sein. Als Journalist ist ihm bewusst, dass er zwar die Aufgabe hat, Realität abzubilden – aber auch, dass diese Realität immer nur ein Abbild bleibt.

„Ich hab mich gefragt: Kann man diesen Prozess umkehren?“, sagt Torsten. Seither versucht er, aus den Unmengen von Fiktionen und Berichten aus und über New York den Alltag herauszudestillieren. „Und da ich jetzt doch mal in New York gewesen bin, kann ich sagen: Das funktioniert gar nicht mal schlecht.“

Als studierter Volkswirt interessiert es ihn außerdem, wie das menschliche Zusammenleben organisiert ist. „New York ist ein Schnellkochtopf menschlichen Zusammenlebens“, befindet Torsten. „Hier wurden viele Dinge ausprobiert, die in anderen Städten erst wesentlich später in Angriff genommen wurden.“

Wo finden Fernblogger Material und Ideen für Beiträge über New York?

Bei Derk von New Food City gibt das Thema die Rechercheart vor: Er geht bei jedem New York-Besuch essen, essen, essen. Wenn er in München ist, schickt er schon mal seinen in Greenwich Village wohnenden guten Freund Helge los, um sich den Bauch vollzuschlagen. Außerdem spricht er immer wieder mit Köchen in Deutschland und stellt fest, dass fast jeder von ihnen New York-Tipps parat hat.

Für Torsten von Willkommen in Gotham stehen natürlich TV-Serien im Vordergrund. Von Klassikern wie „Friends“, das in Los Angeles produziert wurde, über das wenig mit dem realen New York verbundene „Sex and The City“ bis zu „Broad City“ und „High Maintenance“, die, wie Torsten sagt, „in jeder Zeile, in jedem Szenenbild New York leben“.

Außerdem verfolgt Torsten wie seine Kollegen die Presse, vor allem die New York Times und den Lokalradiosender WNYC. Sein Tipp: der Podcast der Bowery Boys, in dem zwei geschichtsbegeisterte New Yorker die Historie der Stadt nacherzählen.

Dirk vom New York Infoblog schaut neben der Lokalpresse gern in anderen Blogs vorbei – nicht nur bei englischsprachigen wie Curbed oder Gothamist, sondern auch bei deutschsprachigen Blogs, die er auf einer Extraseite mit Links vorstellt. Zudem findet er auch bei Youtube und Vimeo Material für neue Beiträge – und historische Details schlägt er gerne mal in – haltet euch fest! – Büchern nach.

Bei Schaedel von New York – History – Geschichte kommen zu den herkömmlichen Quellen noch die öffentlich zugänglichen (und inzwischen großräumig digitalisierten) Bildarchive hinzu, allem voran die Archive der New York Public Library und des Museums der Stadt New York. Als Inspiration für neue Themen dienen ihm sogar Hinweise aus Deutschland: Leserbriefe und -fragen sind immer willkommen.

Nun habt ihr ja erst mal jede Menge zu lesen (vergesst mich darüber nicht, ihr Lieben! ;-)). Im zweiten Teil über diese vier New York-Fernblogger, so viel sei verraten, werdet ihr ein paar tolle Zitate über New York finden.

 

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