Glaubt mal ja nicht, seit ich in New York lebe, könnte mich nichts mehr überraschen. Das ist zwar schwieriger geworden, aber als ich gleich vier Menschen entdeckte, die von Deutschland aus über New York bloggen … hab ich mir glatt das Wort „Fernblogger“ ausgedacht.

Im ersten Teil meiner, ähm, Enthüllungsgeschichte?, habe ich sie euch vorgestellt: In „Fernblogger 1: Warum diese 4 von Deutschland aus über New York bloggen“ lernt ihr Schaedel, Dirk, Derk und Torsten kennen. Ehe ich sie jetzt erzählen lassen, wie sie New York sehen, hier noch mal schnell die Links zu ihren Blogs:

Schaedel bloggt auf New York – History – Geschichte über Historisches aus New York,

Derk kümmert sich auf New Food City um Kulinarisches,

Torsten hat bei Willkommen in Gotham Film und Fernsehen im Visier

und Dirk schaut mit dem New York Infoblog auf Nachrichten aus der Stadt.

Hat es eigentlich Vorteile, New York aus der Ferne zu betrachten?

Schaedel beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja. Schließlich befasst er sich auf New York – History – Geschichte mit Orten – die er aber gleich in doppelter Hinsicht nicht besuchen kann: „Lost Buildings“ haben ihren Platz weit weg sowohl in der Geschichte als auch in der Geografie.

„Die 6.000 km zwischen Haldern und New York haben Einfluss darauf gehabt, wie ich seit einigen Jahren viele Beiträge visualisiere“, sagt Schaedel. Mit Google Street View versucht er den genauen Standort des Gebäudes zu finden, über das er gerade schreibt. Auch die Umgebung nimmt er unter die Lupe. „Das untersuche ich so ausführlich, wie es jemand, der sich in New York aufhält, vermutlich nie machen würde, weil er weiß, wo das ist und jederzeit dort hingehen kann.“

Als Autor weiß Schaedel, dass auch seine ebenfalls weit von New York entfernten Leser gern den Ort besuchen oder zumindest sehen möchten, über den er da schreibt. Seiner Ansicht nach provoziert die Entfernung geradezu eine besondere Form der Visualisierung.

Die New York-Leidenschaft wächst mit der Entfernung

Der New York Infoblog jagt Nachrichten aus New York hinterher, und dabei mag Fernblogger Dirk die Entfernung nicht direkt als Vorteil bezeichnen. Allerdings gibt er zu, dass seine Recherchen und sein Konsum von News über seine Traumstadt schon recht obsessiv sind – und das hat durchaus mit der Entfernung zu tun.

„Du zum Beispiel gehst vor die Tür und bist in New York“, sagt Dirk mir im Interview. „Ich muss mich dagegen mittels Bildern, Videos und Nachrichten dort ‚hinträumen‘. Insofern hilft die Besessenheit vielleicht bei Recherchen.“

In sicherer Entfernung von den New Yorker Hypes

Für Derk und New Food City ist die Entfernung in erster Linie ein Nachteil. Schließlich lässt sich das New Yorker Essen schlecht in München probieren. „Vor Ort ist immer besser“, sagt er.

Allerdings findet er es gut, dass ihm die Entfernung automatisch den Blick von außen bewahrt. „Bei all den verrückten Hypes, die in New York rund ums Thema Essen entstehen, ist es interessant, von hier aus zu beobachten und zu beurteilen, was sinnvoll ist, sich durchsetzt und wirklich ein Trend wird.“

Die ikonische Kraft von New York

Torsten hat sich bei Willkommen in Gotham ja quasi die Entfernung zum Thema erkoren. Er braucht den Abstand, um zu sehen, was das New York in Film und Fernsehen mit dem „richtigen“ New York zu tun hat – aber eben auch mit dem Rest der Welt.

„Die ikonische Kraft von New York ist enorm“, sagt er. „Wo findet sich Charlton Heston auf dem Planet der Affen wieder? Nicht in Ohio, nicht in Paris, sondern in den Ruinen von New York. Wo nahm die Finanzkrise ihren Ausgang? New York. Wo lebte The Godfather? Staten Island.“

Torsten sieht aber noch einen anderen Vorteil darin, von Deutschland aus über New York zu bloggen. Und der hat nichts mit Recherche, sondern mit Pragmatismus zu tun. „Die Sommer sind in Köln doch bedeutend angenehmer als in New York, auch bezahlen wir hier keine 2000 Dollar monatlich für eine Eineinhalb-Zimmer- Wohnung.“

Ich bin geneigt, an dieser Stelle begeistert zu schreiben, dass 2000 Dollar doch ein guter Kurs sind. Das, liebe Leserinnen und Leser, zeigt wohl ganz gut, warum es einen Sinn hat, auch mal Blogs zu lesen, die New York aus der Ferne betrachten. Und jetzt … kommen die Zitate:

Fernblogger: Fernblick auf New York

Was bedeutet New York für euch?

„New York ist für mich … eine Symbiose aus Fiktion und Realität. New York ist ein Schnellkochtopf menschlichen Zusammenlebens. Hier wurden viele Dinge ausprobiert, die in anderen Städten erst wesentlich später in Angriff genommen wurden.  Mal funktionierten die erstaunlich gut, wie man an der Skyline sieht. Oft auch gingen sie enorm daneben, wie man zum Beispiel an der Bronx sieht.“
Torsten Kleinz, Willkommen in Gotham

„New York ist für mich … meine Traumstadt. Sie war es schon immer. Ich bin durch meine Reisen schon in vielen schönen und großen Städten gewesen und die meisten davon haben mir auch gefallen. Aber keine Stadt löst in mir so eine Sehnsucht aus wie der Big Apple.“
Dirk, New York Info Blog

„New York ist für mich … nach wie vor ein unwirklicher, weil unfassbarer Ort. Ich bin auch im vergangenen Jahr bei meinem fünften Besuch noch wieder fassungslos durch bestimmte Straßen gelaufen, angesichts der unüberschaubaren Anzahl an Hochhäusern. Mit zunehmendem Alter (im Augenblick 45) muss ich aber feststellen, dass mir das echte New York in mancherlei Hinsicht auch auf die Nerven geht, zum Beispiel, was die vollen Straßen und Bürgersteige, die ewige Huperei und die Hyperaktivität der Bewohner angeht. Deshalb reichen mir ein paar Tage Aufenthalt aus, danach bin ich froh, wieder in mein kleines Dorf zurückzukehren und vom nächsten Besuch in New York zu träumen.“
Schaedel, New York – History – Geschichte

„New York ist für mich … vorbildlich. Wegen der kulturellen Vielfalt, die in dieser Stadt fast wie selbstverständlich gelebt wird. Die Einwanderergeschichte macht es möglich. Das Miteinander der Nationen wird dort als Bereicherung gesehen und davon könnten wir uns hier in Deutschland oder anderswo auf der Welt gerne eine Scheibe abschneiden. Zur Zeit mehr denn je.“
Derk Hoberg, New Food City

 

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