Blickfang der Woche

In Williamsburg (Brooklyn) verheddern sich Geld und Sinnsuche, Werbung und Kunst. Da kann man den ganzen Tag herumlaufen und sich fragen, was echt ist und was falsch, was neu ist und was alt, und ob die Botschaft an der Wand aus einem Herzen kommt oder eine Schatulle füllen soll. Und über allem wabert die Denkwolke: Geht eigentlich auch beides gleichzeitig?

Ich glaube schon.

Spread Love it's the Brooklyn Way Streetart

Da steht es doch glatt an der Wand. „Spread love, it’s the Brooklyn way.“ Man soll lauter Liebe verbreiten, weil das in Brooklyn so Usus ist. Kein Maler hat sich das ausgedacht, sondern ein Musiker.

Die Botschaft ist eine (zumindest in Brooklyn) berühmte Zeile aus „Juicy“ (1994), dem ersten großen Hit von Notorious B.I.G., der drei Jahre später ermordet wurde. In dem Song geht es um Erfolg wider Erwarten (der anderen), er vergleicht die miesen Verhältnisse, in denen Biggie früher lebte, mit den Extravaganzen des Musikstars, unterstreicht den Glauben dran, es aus dem Scheiß herausschaffen zu können, und diese spezielle Zeile kann man so oder so verstehen (lest einfach mal das drumherum).

Aber wie das so ist: Fans kann sich kaum jemand aussuchen, und der Satz mit der Liebesverbreitung à la Brooklyn ist da keine Ausnahme. Um die Ecke von diesem Wandbild gibt es ein Restaurant, das auf chicken and waffle spezialisiert ist und diese Art soulfood für pure Liebe hält oder so. Jedenfalls hat es sich „spread love, it’s the Brooklyn way“ als Werbespruch geschnappt.

Ich stelle mir vor, wie da mal jemand hineintapert, bei dem die Kohle so knapp ist wie früher bei Notorious B.I.G. und fragt, ob er wohl Hähnchen und Waffel haben kann. So weit die Liebe reicht.

 

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