Was ist denn jetzt los in New York? Unfälle und Gewalt rauschen durch den Blätterwald. Nur nicht unbedingt so, wie ihr jetzt glaubt. Unter anderem macht ein Bühnenmord Schlagzeilen, und im Knast gehen auch seltsame Dinge vor sich, die nicht ins Klischee vom gefährlichen New York passen.

Ein Höllensommer im Waggon

Nicht New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio hat das Sagen über Budget und Planung für unsere U-Bahn und die Pendlerzüge, sondern Andrew Cuomo. Der auf eine Präsidentschaftskandidatur schielende Gouverneur des Bundesstaates New York tritt in die Fußstapfen französischer Aristokraten: „Sollen sie doch mit dem Auto fahren!“, ruft Cuomo den Berufspendlern zu, von deren täglicher Misere in Metallkästen unter der Erde er keinen Schimmer hat. Wer in New York autofährt, kommt nicht voran. Und der öffentliche Nahverkehr tendiert auch immer mehr in Richtung der Frage: Sollen wir laufen oder haben wir Zeit für die U-Bahn? Fröhlich kündigt Cuomo nun einen „summer of hell“ für die Metropolitan Transit Authority (MTA) an. Denn abgesehen davon, dass viele U-Bahn-Reparaturen ihrem Zeitplan hinterherhinken, ist es nach mehreren Unfällen nicht mehr vermeidbar, dass der Bahnhof Penn Station noch in diesem Sommer Notreparaturen bekommt – und rund 10.000 Pendler für mindestens acht Wochen Transportalternativen brauchen.

(Ausführlichen Bericht über New Yorker Verkehrsprobleme bei der Village Voice nachlesen; kleinen Bericht mit Video über Alltagsprobleme wie Wasser in der U-Bahn beim Gothamist; und hier ein Beispiel für Cuomos Tweets)

Trump-Doppelgänger kostet Shakespeare in the Park mehrere Sponsoren (und freut die rechtsextreme Presse)

Jeden Sommer stehen die Menschen Schlange, um eine der beiden Shakespeare in the Park-Produktionen im Central Park zu sehen – kostenlos und oft mit Starbesetzung. Dieses Jahr steht unter anderem „Julius Caesar“ auf dem Programm. Die Hauptrolle ähnelt Donald Trump gar sehr, und das ärgert dessen Anhänger. Sie rufen nach Boykott, und ein Sponsor des Public Theaters, das die Veranstaltung produziert, zieht sich zurück, dann der nächste. Das Stück gesehen haben sie offenbar nicht. Ebensowenig wie Trumps Sohn Donald Jr., der wenige Tage später das Theaterstück für Schüsse auf Republikaner beim Baseballtraining des US-Kongress verantwortlich macht. Die rechtsextreme Presse griff diese Idee blitzschnell auf. Wer eigentlich Brutus oder Marc Anton sein soll, erwähnt niemand. (Über das Stück und die Sponsoren nachlesen bei Vox; über die seltsame Entwicklung in Verbindung mit dem Angriff in Washington nachlesen beim Gothamist)

Pinkelpause beendet?

Ich erinnere mich gut daran, dass ich in Deutschland mitten auf der Straße an pinkelnden Männern vorbeikam und es für normal hielt, dass Tunnel nach Urin stinken. In New York hörte das schlagartig auf; Tunnel riechen anders, wenn auch nicht unbedingt besser. Liegt es daran, dass die Menschen in New York sich besser zu benehmen wissen? Oder daran, dass Wand-, Straßen- und Eckenpisser mit einem unangenehmen juristischen Nachspiel rechnen müssen? Bis vor kurzem konnte man für solcherlei Taten (ebenso wie für Müllfallenlassen, Rotzen, Trinken in der Öffentlichkeit oder das Abspielen lauter Musik im Park) im Strafregister oder sogar im Knast landen. Die Regenbogenpresse nimmt die nun in Kraft tretende Änderungen bei den New Yorker Vorschriften zum Anlass, den Beginn wahrer Pinkelströme auszurufen. (Nachlesen bei der New York Post)

Wenn ein toter Radfahrer Schlagzeilen macht

Als in New York vor vielen Jahren ein großangelegtes Fahradverleihsystem eingeführt wurde, hieß es sofort: Das wird eine Todesfalle, die Leute können doch oft gar nicht radfahren, schon gar nicht im Verkehr von Manhattan. Nach einem Monat führte das zu einer Schlagzeile: Immer noch war niemand auf einem Citi Bike gestorben! Fünf Monate später gab es abermals einen Artikel dazu. Anderthalb Jahre und 23 Millionen Fahrradfahrten später überlebten immer noch alle Leihradfahrerinnen. Noch ein Jahr später: dasselbe. Aber nun ist es passiert – vier Jahre nach der Einführung taucht „First Citi Bike Death“ in der New Yorker Presse auf. (Nachlesen bei DNA Info)

New York ist gar nicht so gefährlich

Ich habe es gar nicht gemerkt, und das ist ein gutes Zeichen: Der Mai war der sicherste Mai in der Geschichte der New Yorker Kriminalitätsstatistik. Mord, Raub, Vergewaltigung, Schießerei, Einbruch, Autodiebstahl: All diese Verbrechen haben sich im Vergleich zum Vorjahr verringert, und ihr Niveau ist ohnehin nicht sonderlich hoch. Die New Yorker Polizei feiert die Zahlen zusammen mit dem Bürgermeister, der sich bald wiederwählen lassen möchte. (Nachlesen in der Pressemitteilung der NYPD)

Wenn alle New Yorker das gleiche Buch lesen

Lesen ist ja eigentlich keine Massenveranstaltung, vor allem, wenn niemand laut vorliest. Aber New York nutzt Bücher, um seine Bewohner zusammenzubringen: Wir lesen alle das gleich Buch zur gleichen Zeit! Am Beginn der Kampagne „One Book, One New York“ stand eine Wahl, welches Buch mit New York-Bezug denn gelesen werden sollte. Dabei gewann „Americanah“ von Chimamanda Ngozi Adichi – und schon startete ein riesiger, informeller Buchclub mit dem Schmökern. Inzwischen hat er sich nicht nur in Manhattan ausgebreitet, sondern auch auf einer berühmt-berüchtigten kleineren Insel. (Video anschauen bei NY1)

 

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