Im Grand Central Terminal, dem berühmten Bahnhof mitten in Manhattan, ist fast immer etwas los. Nur ein Drittel der Menschen in den erhabenen Hallen ist auf dem Weg zum oder vom Zug.

Schließlich ist das Bahnhofsgebäude eine Sehenswürdigkeit für sich (ich schrieb zum Beispiel mal über Geheimnisse der Decke von Grand Central), und ein Haufen Lädchen plus mehrere Restaurants plus ein Food Court im Keller und ein weiterer im Erdgeschoss plus eine Veranstaltungsfläche sorgen für genug Anziehungskraft, dass ungefähr 750.000 Menschen jeden Tag durch Grand Central wuseln.

Im Getümmel entdecke ich immer wieder Frauen und Männer in Uniform, und da ich wie die meisten New Yorker die Uhr im Grand Central Terminal schon oft als Treffpunkt mit Ortsunkundigen gewählt habe, haben mich auch schon oft Leute gefragt, wieso denn bitte Soldaten dort herumlaufen.

Ich hatte Gelegenheit, mir die Sache mit der Sicherheit in Grand Central von Angestellten der MTA  erklären zu lassen, deren Job es ist, eben jene im Auge zu behalten. Dazu gehören Unfallverhütung und Noteinsätze im Falle von Unfällen ebenso wie absichtlich herbeigeführte Katastrophen. Das Wort „Terror“ fällt im Gespräch allerdings nie.

Zwar erzählen diese Experten, dass sie zusammen mit vielen anderen Einheiten der Stadt und auch der Bundesbehörden koordinierte Übungen im Bahnhof abhalten, bei denen sie zum Beispiel einen Fall mit einem active shooter, mit freigesetzten Chemikalien oder Strahlung oder einen Brand simulieren. Was da im Detail passiert, bleibt mir verborgen.

Manche Dauer-Sicherheitsvorkehrungen sieht dagegen jede von uns. Die großen Waffen und Soldatenuniformen trägt eine Extraeinheit der National Guard. An ihren großen Hüten erkennt man Mitglieder der New York State Police, außerdem ist auch Bahnpolizei zu sehen. Die New Yorker Polizei NYPD ist derweil unterirdisch aktiv: Sie ist für den U-Bahn-Bereich unter dem Bahnhof zuständig.

Grand Central Terminal Sicherheit National Guard

Nach der Devise „Je mehr Waffen in der Gegend, desto weniger sehen die Leute jene als mögliches Ziel“ sollen die Uniformierten Präsenz zeigen. Man könnte es auch einfach Abschreckung nennen. Auf Englisch heißt das dann show of force. Ob das wirkt? Ich rang schon bei der Osterparade damit, ob Schwerstbewaffnete wohl Sicherheit vermitteln können.

Drei andere Maßnahmen, die den Bahnhof sicherer machen sollen, sind direkt vor meiner Linse und doch übersehe ich sie. An Kameras bin ich schlicht schon gewöhnt, weil ich in New York ohnehin den ganzen Tag gefilmt werde (und ich höre, in deutschen Großstädten ist das auch nicht anders).

Dagegen sind mir die Poller erst präsent, seit es neulich einen tödlichen Zwischenfall in der Nähe des Times Square gab (der Mann, der mit dem Auto in eine Menschenmenge fuhr, konnte das nicht direkt am Times Square tun, weil eben jene Poller sein Vorhaben vereitelten).

Grand Central Terminal

Auch vor dem Bahnhof stehen Poller herum, dienen Menschen in der Taxiwarteschlange schon mal als Stütze. Bis ich mit den Sicherheitsexperten sprach, hatte ich ihre Funktion nie bedacht. Sollte ein Auto versehentlich oder absichtlich in eben jene Schlange oder ins Gebäude preschen, es käme nicht dran. Die Poller sind stärker, als sie aussehen.

Und dann sind da noch die Mülleimer. Überall im Bahnhof kann man Müll wegwerfen (im Gegensatz etwa zur World Trade Center Site, wo es überhaupt keine Mülleimer mehr gibt, sondern Mitarbeiter Müll in Empfang nehmen).

Doch die Mülleimer in Grand Central sind bomb-resistant, erfahre ich nun. Eine dicke Betonschicht isoliert alles, was drinnen ist, und würde die Kraft einer Explosion Richtung Decke leiten, weg von den Menschen. Diese Art von Sicherheit ruht unter dem Deckel. Man sieht sie, und man sieht sie nicht.

Grand Central Terminal Mülleimer

 

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