Ende Januar ploppen plötzlich überall Blumen auf, Mode sorgt für Verwirrung, die Stadt wird zum Kläger und Kneipengänger werden zu Aktivisten: die News aus New York.

Sportlich?! Die Grammy-Verleihung in New York

Nach 14 Jahren in Los Angeles wurden die Grammys erstmals wieder in New York vergeben – und das bedeutet Extra-Aufwand. Im Madison Square Garden finden zwar Konzerte statt (Billy Joel hat dort sogar eine residency), aber die Halle ist eigentlich ein Sportstadion. Sie ist nicht für eine Veranstaltung mit unzähligen Promis, deren Entourage und Techniktross ausgelegt, die sowohl auf der Bühne als auch im Fernsehen gut aussehen muss. Aber in New York machen wir es schon irgendwie passend. Es wird halt nur etwas teurer als sonst.

Die Musikindustrie hat derweil offenbar darüber nachgedacht, wie sich #MeToo in ihren Reihen bändigen lässt. Das wird heikel: Sängerin Kesha führt einen Song auf, der mit ihrem Rechtsstreit mit Musikproduzent Dr. Luke in Verbindung gebracht wird. Na, aber bloß nicht wieder in Schwarz gewandete Damen! Als Alternativ-Deko haben sich die Branchenchefinnen ausgerechnet eine weiße Rose ausgesucht. (Rosen-Statements und das Herumgeeier um Keshas Auftritt bei NBC News nachlesen, über Geldfragen informiert kurz und knapp NY 1, und bei am New York könnt ihr nachlesen, wie die Grammy-Veranstalter dafür sorgen, dass alles wie am Schnürchen läuft)

New York verklagt Opioid-Firmen

Auf Englisch ist es ein und dasselbe Wort: drug. Es bedeutet Medikament und Droge, ganz egal, ob der Doktor es verschrieb oder es illegal den Besitzer wechselt. Dass dieser Unterschied verschwommen ist, gilt als ein Grund für unsere aktuelle Drogenkrise: Stark abhängig machende Schmerzmittel haben Leute nach einer Verletzung oder Operation in die Sucht nach Opioiden getrieben, deren Dosis zudem extrem schwierig zu bemessen ist. Der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio sagt, 2017 seien in der Stadt mehr Menschen an einer Überdosis gestorben als an Autounfällen und Morden zusammen. Nun klagt er gegen mehrere Hersteller und Vertriebe dieser Mittel – sie sollen u.a. bei Ärzten irreführende Werbung betrieben haben. (Nachlesen in der New York Times)

Schwarze Mayonnaise bleibt noch ein bisschen

Der Gowanus-Kanal in Brooklyn ist ein Quell irrsinniger Geschichten. Die Umweltverschmutzung dort ist so stark, dass an seinem Grund eine dicke, giftige Schicht black mayonnaise lauert, die Anwohner schreckt und Wissenschaftler fasziniert. Eine halbe Millarde Dollar steht inzwischen bereit, um die Ablagerungen zu entfernen. Jetzt geht’s los, hieß es, nur noch eben das Ufer neu befestigen. Doch kurz nach Beginn verzögern sich die Arbeiten auf unbestimmte Zeit. Beim Einrammen von Pollern entstanden Schäden an umliegenden Gebäuden: zu viel Wumms! (Nachlesen im Brooklyn Paper)

Was macht eigentlich die Miet-Mama?

Vor gut zwei Jahren machte „Need a Mom“ Schlagzeilen: Eine Mutter erwachsener Kinder mit beruflicher Erfahrung in Beratung, Theater und Methadonklinik bot ihre Dienste als mütterliches Ohr an – speziell, aber nicht ausschließlich für junge Leute in Bushwick (Brooklyn). Mit dem darauffolgenden Medieninteresse und den Reality Show-Angeboten hatte Nina Keneally nicht gerechnet – aber ihre Antworten fallen so aus, dass man sie sich tatsächlich als Mama wünscht. (Nachlesen bei Bushwick Daily)

Neue Frage für die Modewoche

„Was soll ich bloß anziehen?“ ist out. „Was ist denn jetzt mit der New York Fashion Week?“ ist in. Seit jene nicht mehr im Bryant Park stattfindet, ist der Wurm drin. Designer zeigen an allen möglichen Orten, das Fachpublikum und auch die Internet-Sternchen finden es nicht schick, durch den New Yorker Verkehr gondeln zu müssen. Große New Yorker Modenamen wie Tommy Hilfiger, Rodarte und Proenza Schuler zeigen ihre Kollektionen lieber anderswo. Jetzt hat auch noch Alexander Wang angekündigt, er bleibe zwar in New York, zeige aber im Juni und Dezember (statt Februar und September). (Nachlesen bei Page Six)

Lesen = Hoffnung x Wandel

Dieses Motto hat sich Jacqueline Woodson für ihren neuesten Job ausgesucht: Die Autorin aus Brooklyn wurde von der Library of Congress zum National Ambassador for Young People’s Literature (Botschafterin für Jugendliteratur) ernannt. Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit wird sie das Lesen und seine möglichen Folgen an Orte tragen, die selten Besuch von Schriftstellerinnen oder Botschafterinnen bekommen – zum Beispiel Jugendknäste und Schulen in Alabama und Mississippi. (Nachlesen bei Publishers Weekly, ein Interview mit Woodson und ihrem Vorgänger Gene Luen Yang anhören bei NPR)

Stammkundschaft rettet Bar

Wenn New Yorker über Gentrifizierung sprechen, geht es oft um Menschen, die mit Mieterhöhungen aus ihrem Viertel getrieben werden. Noch öfter aber geht es um Geschäfte, die komplett aufgeben. Eine Mieterhöhung von 40.000 Dollar mehr pro Monat brachte die Betreiber der Bar Coogan’s in Washington Heights – weit im Norden Manhattans – dazu, das Ende ihrer Ära einzuläuten. Doch die Bar hat loyale – und zum Teil bestens vernetzte – Stammgäste, die legten sich kräftig ins Zeug, und kurz darauf wurde Coogan’s zum Anlass für den Artikel „Eine Gentrifizierungsgeschichte mit Happy End“. (Nachlesen im New Yorker)

Lebendige Werbung

Man muss sich schon etwas einfallen lassen, um in New York aufzufallen. Ein Blumenladen greift  dabei zu einer Methode, die in der Stadt vor allem durch Handarbeitskunst bekannt ist: schöne Gebilde in der Öffentlichkeit absetzen. Doch statt yarn bombing nennen wir das hier jetzt flower bombing und vorfreuen uns auf den Frühling – ob es wohl auch Kundschaft bringt? (Die neueste flower bomb anschauen bei West Side Rag)

 

Extra: 2 von vielen (Aktionen mit politischem Engagement in NYC)

Der Lautsprecherhersteller Sonos schließt seinen Laden am heutigen Sonntag, um New Yorker dazu zu ermuntern, sich für Netzneutralität einzusetzen. (Nachlesen bei Adweek)

The People’s State of the Union will am Montag ein Gegengewicht zur Rede des US-Präsidenten setzen. Dort reden Vertreter von vielen sozialen Organisationen wie Planned Parenthood und United We Dream sowie Promis von Whoopi Goldberg über Cynthia Nixon bis Michael Moore. (Liste anschauen bei Facebook)

 

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