Einen Jahresrückblick habe ich noch nie für den Blog geschrieben, und das will ich auch weiterhin so halten. Moment: New York guckt nämlich viel lieber nach vorne! Ach so, ähm, meine gelegentlichen Geschichten von altem Kram sind mentales Flohmarktgestöber, also etwas ganz anderes, ihr versteht schon … dass Ausnahmen gute Gründe haben. Genauso wie ein Beitrag fürs Fopanet (Fotoparadennetzwerk) des Reisebloggers Michael von Erkunde die Welt. Seit ich diese illustre Runde kenne, nehme ich mir tatsächlich die jüngste Vergangenheit vor – und räume dabei meine Fotos auf (glaubt ihr nicht? Dann guckt mal, was ich beim letzten Mal gefunden habe).

Denn bei der halbjährlichen Fotoparade dürfen nur Vorzeigebilder aus den vergangenen sechs Monaten aufmarschieren, diesmal also von Juli bis Dezember 2017. Bis zum 23. Januar könnt ihr auch bei der Fotoparade 2/2017 mitmachen, hier findet ihr den kompletten Aufruf.

Wichtig ist:  Michael gibt jedes Mal Kategorien vor. Das Coole daran ist, dass man vorher nie weiß, was er aussuchen wird – und deshalb nur wenig Chancen hat, extra etwas dafür zu fotografieren (es sei denn, man will das vergangene Halbjahr auf wenige Tage reduzieren, was eine verdammt schnelle Weltreise bedeuten könnte).

Landschaft – Licht – Schwarz-Weiß – Tiere – Natur heißen diese Kategorien diesmal, plus das obligatorische schönste Foto des letzten Halbjahrs. Als freiwillige Zusatzkategorien wirft Michael diesmal Nahaufnahme, Stadtbild, Farbkontrast, Essen und Aussicht dazu. Och, so einfach? Nee, das sieht nur so aus.

Erst dachte ich, au weia, Tiere, Natur und Landschaft, das wird aus New Yorker Perspektive aber schwierig. Aber obwohl ich ja prinzipiell ausschließlich mit dem Telefon fotografiere und entsprechend keine Raubvogelnester auf Hochhausdächern heranlinsen kann, hatte die Kategorie „Tiere“ bei meiner Vorauswahl die meisten Anwärter. Einer davon war um die Ecke gedacht und zwar lustig, aber fotografisch nicht so interessant (wenn ihr schmunzeln wollt: bitteschön). Nun aber dalli: meine Fotos für die Fotoparade 2/2017!

Licht

Tugboat auf dem Hudson River im Regen

Das sieht nur so aus wie Nebel. Wenn ihr genau hinschaut, entdeckt ihr den schrägen Bindfadenregen, der euch verrät: Das hat keinen Spaß gemacht, da zu stehen und auf den Line Tossing-Wettbewerb beim North River Tugboat Race auf dem Hudson in New York zu warten. Umso erstaunlicher war der plötzliche Lichtschein durch die Wolken. Für einen Moment sah es so aus, als würde sich das Wetter wenden – dann schlossen sich die dunklen Wolken wieder. Seeleuten macht das nichts. (Das Leinenwerfen habe ich also trotzdem noch fotografiert.)

Tiere

Halloween Dog Parade New York

In den USA ist Karneval nur in einigen Regionen ein Ding, aber zu Halloween verkleiden sich alle – sogar die Hunde. Selbstredend trifft man dabei jedes Jahr viele Witzboldhunde im Hot Dog-Kostüm. Doch dieser zerknautschte Fiffi und sein Kollege sind Touristen – komplett mit Selfie-Stick! In ihrem roten Stadtrundfahrtbus haben sie wenige Momente zuvor eine strenge Jury überzeugt: Sie gewannen „Best in Show“ bei der Halloween Dog Parade in New York.

Landschaft

Hütte im Schnee auf Long Island

Noch im Dezember hat es geschneit! Da war ich gerade auf der North Fork von Long Island (das ist dieselbe Insel, auf der auch Brooklyn und Queens liegen), ungefähr 100 Meilen (160 km) von New York entfernt. An dieser Stelle in East Marion ist der Ausläufer der langen Insel ganz schmal, da sieht man Salzwasser auf beiden Seiten – es ist sogar welches im Bild. Aber in Schnee und Eis sind Land, Wasser und Himmel schwer zu unterscheiden.

Natur

Herbstlaub 2017 Fall Foliage New York

Ich könnte mir jetzt irgendeinen spektakulären Ort ausdenken, an dem ich mein Lieblingsfoto aus der Kategorie „Natur“ gemacht habe. Im Nationalpark natürlich. Nicht. Dieses Bild stammt aus dem Central Park, und weil es dort nach Herbststartschwierigkeiten (so heiß!) dann im November doch noch ganz schön bunt wurde, habe ich im Blog ein Blattfarbenratespiel gemacht – und die Fotos zuerst in schwarz-weiß und dann in Farbe gezeigt.

Schwarz-Weiß

Brooklyn Bridge

Hierzulande nennen wir es people pleaser: Auf Instagram merke ich immer wieder, dass die abgenudeltsten bekanntesten Sehenswürdigkeiten die meiste Aufmerksamkeit bekommen. Eine Zeitlang habe ich mich trotzig auf die tollen New York-Erlebnisse jenseits ausgetretener Pfade konzentriert. Wie albern das war! Nur weil Millionen Menschen dasselbe Motiv fotografieren, wird Selbiges doch nicht hässlich oder langweilig. Bei diesem Foto der Brooklyn Bridge und der Skyline von Downtown Manhattan war ich ganz vergnügt, einen neuen (weil neu gebauten) Blickwinkel gefunden zu haben.

Schönstes Foto?!

Carnegie Hill Schnee

Diese Kategorie finde ich am schwierigsten. Diesmal könnte ich sie glatt in „Schönster Schein“ umbenennen. Denn so schön das hier aussieht, so usselig fühlte es sich an. Weil ich eigentlich nur schnell etwas besorgen wollte, war ich nicht für einen Spaziergang im Schneegestöber angezogen – vom Schnee allerdings schon. Nach einem viel zu langen Ausflug wollte ich mich mit Torte und Tee belohnen und eilte auf matschglatten Gehsteigplatten dahin. Nass, kalt und mit einer Brille, die eher für Sehstörungen als für Durchblick sorgte, fiel mir trotzdem auf, dass vor diesem umrankten Haus in Carnegie Hill die Winterromantik wohnt.

Nun kommen die Zugaben!

Farbkontrast

Herzen Streetart Hektad

Sonnengelb im doppelten Sinne! Ich konnte mich gar nicht daran sattsehen, wie Spätsommersonne und Schatten das Farbspiel auf diesem leichtherzigen Stück Streetart verändern! Der New Yorker Künstler Hektad hat bereits in den 80er Jahren diverse U-Bahnen verziert, zog sich dann zurück – und hatte 2013 sein Comeback. Seine Serien mit allerlei Herzen findet sich in vielen Teilen der Stadt (diese hier sind in Chelsea), und ich überlege, mal eine Geschichte darüber zu machen.

Aussicht

Harlem Meer

Ich mag die Aussicht übers Wasser – praktisch, dass ich auf einer Insel wohne. Das hier ist allerdings nur ein großer Teich namens Harlem Meer. Selten habe ich dessen Wasser so still erlebt – aber wäre Ton dabei, würdet ihr merken: Ganz so meditativ war es nun nicht. Hinter mir hatte wie jeden Herbst schon die Eislaufbahn eröffnet, Musik plärrte herüber. Und am anderen Ufer auf der 110th Street brauste eine Kolonne Polizeiwagen vorbei. Aber die Aussicht!

Stadtbild

Taxi

Ist euch schon einmal aufgefallen, in wie vielen Fotos von New York Taxis vorkommen? Ich habe in den letzten Monaten einige Versuche mit und ohne gemacht, und – ihr seht es ja selbst. Stellt euch das Bild einfach mal ohne vor. In New York haben Fahrservices wie Uber kürzlich in punkto Anzahl der Fahrten die gelben und grünen Taxis überholt. Vielleicht ist dies also bald schon ein historisches Bild.

Abstraktion (statt Essen)

Wasser

Ich hätte euch eigentlich das sehr hübsch drapierte vegetarische Sushi zeigen können, das ich vor ein paar Monaten probierte. Aber wenn ihr nicht seefest seid, würde euch dann ja nur schlecht. Anders beschnitten sieht es aus wie eines dieser allgegenwärtigen Drohnenbilder die aus den Küsten dieser Welt abstrakte Formen machen. Hier kommt ein Stück Cross Sound Ferry vor dem US-Bundesstaat Connecticut dazu.

Wie, ihr wollt noch mehr schöne Fotos sehen? Dann schaut unbedingt die Beiträge der anderen an! Mich haben zum Beispiel diese hier inspiriert:

  • Bei Salty Toes habe ich die irren Felsen von Zhangjiajie bewundert und gelernt, dass Österreich seinen eigenen Grand Canyon hat.
  • Bei Smiles from Abroad habe ich über ein finster dreinblickendes Murmeltier geschmunzelt und den Eindruck bekommen, dass das Grün aus dem nostalgischen Dolomiti-Eis aus einem See in eben jenden Bergen stammt.
  • Bei Fernwesen ist mir von den Klippenhäusern in Tropea ein bisschen schwindlig geworden.
  • Bei Fräulein K. unterwegs habe ich über einen halb gefrorenen Wasserfall gestaunt – und meine Kinnlade fiel noch tiefer, als ich einen Wal beim Essen sah!
  • Das schönste Foto von Travel World Online hat mich dazu gebracht, Tatarstan auf meine Landkarte zu setzen.
  • Und bei Hikelust sehe ich rot. Arizona-Rot!

 



 

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