Es geht ein Rauschen durch den Blätterwald, und diesmal bringt es den Tod.

„Hast du Spider Murphy gesehen?“, wispert Sneaky Snaky, als die schöne Tilly nach dem wöchentlichen Besuch im Spa vorbeikutschiert.

„Ja. Er sieht nicht gut aus, und ich bin froh, dass ich vorher umgezogen bin.“

„Du bist nicht umgezogen, die haben dich einfach abgeholt.“

Giftig, dieser Sneaky Snaky. Kein Wunder, dass noch nie eine an ihm knabbern wollte. Die schöne Tilly versucht, ihre Frisur in der Fensterscheibe zu betrachten. Eigentlich hatte sie sich nach dem Spa gesehnt, die trockene Winterluft war nichts für ihre Haut, schon gar nicht in ihrem Alter.

Aber sie wünschte, sie hätte auf dem Hin- und Rückweg nicht hingeguckt. Rüber zu Spider Murphys Stammplatz am Fenster. Sie hatte sich mit ihm nie viel zu sagen gehabt, er war nur ein Nachbar. Aber was jetzt mit ihm geschehen war, gruselt sie. Spider ist tot, da ist sie sicher. Und sie fragt sich, wer als nächstes dran ist.

Manchmal klatscht Schnee vor die Scheibe, sonst macht sich der Winter nur durch die verdammte Trockenheit bemerkbar. Und diese Hitze! Die Grauen zischen, und dann regen sie sich innerlich auf. Alle Nachbarn wissen, dass man ihnen nicht das kleinste Fitzelchen entgegenstrecken darf. Da verbrennt man sich glatt die Fingerspitzen! Unschön, aber neuerdings muss man ja auch sagen: nicht lebensgefährlich.

Um die Hitze auszugleichen, muss ständig jemand die Fenster öffnen. Auf, zu, auf zu … Bislang atmeten alle erleichtert auf, wenn sie offen waren. Die Grauen lassen sich einfach nicht beruhigen; es ist ja nicht so, dass man solche wie die einfach abschalten könnte. Die folgen nur ihrem eigenen Willen, und sie kennen nur ganz oder gar nicht. Am liebsten ganz. Ganz heiß und ganz trocken.

Und dann muss eben ganz viel frische Luft dazu. Jahrelang hat das prima geklappt. Aber dann war Tilly mit Familie auf einem Wellness-Wochenende, wenig Licht, leider, aber sonst herrlich. Als sie zurückkehrten, ließ Spider Murphy ein paar Blätter hängen. Seltsam sahen sie aus, irgendwie. Dann wurden es immer mehr. Als klar wurde, dass er starb, waren die Fenster längst wieder geschlossen.

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Nur kurz, aber energisch war der Wind zwischen den Häusern durch gekommen, ganz genau auf das Fenster zu, das drei Finger breit offen war, ganz oben. Und von ganz oben war der Wind heruntergesaust mit einem blinden Passagier: dem im ganzen Land gesuchten Mörderfrost.

Selbst wenn in diesem Moment Ermittler auf der Fensterbank herumgeschnüffelt hätten, sie hätten keine verräterischen Eisblumen gefunden und wären weitergezogen. Mörderfrost ist ein Profi, der hinterlässt keine Spuren. So ahnte niemand, dass direkt vor dem zischenden grauen Heizdrachen die Fensterbank fror.

Doch das tote Chlorophytum (in Amerika als spider plant bekannt) hatte mit seinem Tod noch rechtzeitig für Aufmerksamkeit gesorgt: Alarm! Hier stimmt was nicht! Die Tillandsie und ihre Familie zogen um, und kurz darauf auch die Sanseviera (snake plant) und all ihre Nachbarn.

Und so kennt nun auch ihr unser Wintergeheimnis: Erst wenn es Frühjahr wird in New York, sieht man auf den Fensterbänken wieder die Grünpflanzen sprießen. Bis dahin wachsen dort nur Eisblumen – kleine Schnittblumen mit einem Stiel in der Frostzone.

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