Weihnachtsbaum obdachlos New York

 

Auch so kann Weihnachten in New York aussehen. Herumliegender Müll macht die wunderschöne Queensboro Bridge von unten gesehen eher zum Gruseltunnel. Tunnel laden aus irgendeinem Grunde dazu ein, Kippen, Kaffeebecher und Konsorten einfach fallen zu lassen. Ist das ein globales Großstadtphänomen?

Hinter diesem Weihnachtsbäumchen steckt jedenfalls eines, aber anders, als ihr vielleicht meint.

 

Das andere New Yorker Weihnachten: Obdachlosenlager

 

Obdachlose haben hier ihre Lager aufgeschlagen. Hinter mir liegen zwei weitere Häufchen aus Tüte, Decke, ein bisschen Essen. Die Besitzer dieser Habseligkeiten sind verschwunden. Um die Ecke steht ein Polizeiwagen.

Während ich mich hinhocke, um den besteckgeschmückten Tannenzweigbaum zu fotografieren, laufen mehrere Leute an mir vorbei. Keiner schaut, was ich da eigentlich ins Visier genommen habe.

Aber das Moralin habe ich auch nicht mit Löffeln gegessen. Ein paar Stunden später stecke ich meine Kopfhörer ins Ohr, als ich in der U-Bahn höre: „Excuse me, ladies and gentleman …“. Auch wenn ich die Lebensgeschichten anderer Leute grundsätzlich interessant finde, will ich sie nicht ständig hören. Und ich will auch nicht darüber nachdenken, ob die Geschichte nun echt oder falsch sein mag, ein gut gemachter Pitch oder aggressives Gedrängel.

Ich will aber, dass alle New Yorker ein Dach über dem Kopf haben, und zwar ein akzeptables (knapp 60.000 New Yorker wohnen im Obdachlosenasyl). Dafür setzt sich zum Beispiel die Coalition for the Homeless ein. Die nimmt sehr gern Spenden. Ebenso wie City Harvest, die den Hunger in New York bekämpfen.

Manchmal verbinde ich den Drang, etwas Gutes tun zu müssen, mit einem Einkauf: Alle Einkünfte aus den Secondhandläden von Housing Works gehen an Menschen mit Aids und ohne Zuhause. Das passt famos zu meiner Vorstellung, dass es Altruismus gar nicht gibt; wir tun Gutes, weil wir selbst uns dadurch besser fühlen.

Wenn mal bloß dieses schlechte Gewissen nicht wäre.

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