Aftershave

Mitten auf dem schicken Markt steht ein Mann und rasiert. Seine Klinge schabt an einem Eisblock entlang. Das Ergebnis nennt er folgerichtig „Shave Ice“. Es sieht so aus wie die in New York beliebten Snow Cones – wie der Name schon sagt: Kugeln aus Schnee, der wiederum entsteht, wenn man Eis sehr fein zerkleinert, üblicherweise mit einem Eiscrusher. In beiden Fällen kommt der Geschmack aus der Sirupflasche und wird einfach oben drüber gegossen. Beim Eis am Stiel bekommt man hier etwas mehr Geschmack aus echten Früchten (und weniger Süße). Die Schlange bei der Kollegin des…

Eine Menge Holz

Dieses Bild ist echt. Wer vor hier aus über den halben Central Park nach Süden blickt, dem hängen ein paar Holzstangen in der Perspektive. Bambusstangen, um genau zu sein. Und es werden immer mehr. In einer versteckten Ecke des Metropolitan Museums, die nicht öffentlich zugänglich ist, schneiden zwei Helfer weitere Teile der Riesengräser zurecht. Zwei Kolleginnen hocken derweil angeseilt im Dickicht und legen die Wasserwaage an. Sie ziehen gerade eine neue Stufe ein. Überall kann man sehen, dass die Stangen mit Seilen zusammengezurrt sind, wie sie Kletterer verwenden. Und Kletterer sind es auch, die hier…

Fußballfans mit Hintergedanken

Ken war mir am Freitag schon aufgefallen. Er trägt ein Trikot der US-Mannschaft, steht am Tresen und feuert in amerikanischer Lautstärke die deutsche Mannschaft an. Nach dem Tor nutze ich die Gelegenheit, schnell aufs Klo zu verschwinden. Als ich auf dem Rückweg an Ken vorbeikomme, ruft er mir hinterher: „Ey, are you German?“ Erwischt. Ich hatte mich mit zwei Touristen in meiner Muttersprache unterhalten. Ich sage Ken, dass ich mich beim letzten Mal schon gewundert habe und jetzt gerne wissen möchte: Warum hält er immer so vehement zu den Deutschen? „Weil wir nicht gegen euch…

Fast verlobt

Ein Mann wirft mir einen gequälten Blick zu. Seine Tochter nimmt gerade ein T-Shirt in Empfang und zieht trotzdem ein Regenwettergesicht. Hier sind viele Eltern mit ihren Kindern. Und viele Leute, die so aussehen, als würden sie ihr halbes Leben vor dem Fernseher verbringen (schon schaltet sich der Rohrspatz in meinem Hirn ein: Klischeealarm!). Ich bin im Nokia Theatre am Times Square. Die Bühne ist längst umgebaut, eine Showtreppe wartet auf den Star, aber Adam Lambert lässt sich Zeit. Vor mir zickt aufgedonnerter Jüngling mit T-Shirt über Netzhemd seinen Begleiter an, der kurz darauf mit…

Schlag ins Wasser

Dies ist eine Bildergeschichte. Auf dem See mit dem schlichten Namen „The Lake“ im Central Park (wo es auch noch weitere Gewässer gibt) sieht man im Sommer viele Ruderboote. Dieses hier fängt den Blick vieler Spaziergänger ein, die eigentlich nur zum berühmten Bethesda-Brunnen wollten. Jetzt haben wir also zwei miteinander vertäute Ruderboote, auf denen eine Platte liegt mit Schlagwerk drauf. Ein Stück weiter des Wegs liegt etwas auf dem Boden. Es verrät, warum ich hier bin. Ich möchte eine Aufführung von „Persephassa“ sehen, einer Komposition von Iannis Xenakis für sechs Perkussionisten. Die Uraufführung fand in…

Nur ein Spiel

Okay, es ist gar nicht zwölf Uhr mittags. Es ist halb acht. Morgens. Jetzt spielt Deutschland gegen Serbien. Und das will ich sehen. Die meisten Bars hier lassen sich etwas einfallen, um fürs Fußballgucken zu werben. Weil man das offizielle Logo ja nicht so ohne weiteres verwenden darf, hängen sie beispielsweise Fahnen aus aller Herren Länder nach draußen. Oder lassen Fußbälle in Netzen von ihrem Schild baumeln. Aber sie alle versprechen dasselbe: „Watch every soccer game here!“ Und ich habe das geglaubt. Aber jetzt stehe ich da. Erst mache ich mir keine Gedanken, weil auf…