New York Dust

Mein Experiment ist gelungen. Aber mein Wissensdurst ist nicht gestillt. Seit langer Zeit habe ich den Eindruck, der Hausstaub in New York sei anders beschaffen als der, den ich aus Bochum gewohnt war. Dabei geht es nicht um die Menge. Sondern um die Farbe. Ich dachte immer, Staub sei von Natur aus grau. Um zu prüfen, ob der New Yorker Staub eine andere Farbe hat, habe ich zu einem ziemlich albernen Trick gegriffen: Wochenlang trug ich beim Bürofegen Stoffschlappen mit kleinen Gummistoppern als Sohle. Da fängt sich Staub. Und wenn man die Sohlen später gegeneinander…

Vergängliche Schönheit

Man kommt ja zu nichts. Leute treffen, Schönheitspflege, Cocktails – alles muss sich dem New Yorker Tempo unterordnen. Und zurückstehen. Oder man verabredet sich halt in der Beauty Bar. In dem ehemaligen Schönheitssalon hängen immer noch Trockenhauben an der Wand (an denen man sich ganz schön stoßen kann). Aber das ist nicht alles. Hier bekommt man tatsächlich eine Maniküre. Für 10 Dollar inklusive Drink. Ich bestelle mir einen Platinum Blonde (was sich allerdings partout nicht auf meine Haarfarbe auswirkt). Und dann hat Stacy, die hauseigene Maniküre, Zeit. Meine Begleiterin sucht sich einen Nagellack aus, ich…

Keine Kunst

Ich weiß nicht, was passiert ist. Eigentlich sollte es schon im Juni fertig sein. Aber als ich jetzt nach Red Hook fahre, um mir das Ergebnis anzuschauen, hängt an dem leerstehenden Bau schwarzes Netz neben bröckelnder Verzierung. Oder habe ich die Häuser verwechselt? Als in Red Hook noch das Hafengeschäft florierte, war die New York Dock Company in riesigen Zwillingsgebäuden untergebracht. Ihr gehörte ein großer Teil der Gebäude am Hafen in Brooklyn. Jetzt will das Auktionshaus Christie’s hier Kunstwerke lagern – und obwohl es als Speicher konstruiert ist, braucht das Haus Klimakontrolle und moderne Sicherheitstechnik…

Kackfrei

New York ist nicht Berlin. Saftige Strafen und eine gewisse Kultur sorgen dafür, dass Hundebesitzer mit Tüten Gassi gehen, in die sie die Hinterlassenschaften ihrer Hecheltiere packen, bevor sie sie in den nächsten Müll werfen. Zumindest in den wohlhabenderen Stadtteilen trifft man Leute, die einen solchen Beutel vor sich hertragen. Und man tritt nicht in überlriechenden Matsch. Bequem erscheint es auf den ersten Blick, den Hund einfach an den nächsten Baum zu führen, damit er sein Geschäft erledigen kann. Aber: Das würde die kleinen Flächen um die Straßenbäume herum verschandeln. Und das Grünzeug in die…

Zeichensprache

Unterwegs in El Barrio (Spanish Harlem, im Nordosten von Manhattan) komme ich an einem Juweliergeschäft vorbei. Das erinnert mich daran, dass ich seit gestern meine Armbanduhr in der Tasche trage. Die Verbindung von Armband und Uhr hatte sich gelöst. Kurzentschlossen betrete ich das Geschäft. Hinter dem Tresen steht eine Frau, die gerade etwas abtrocknet, das nach einer Lunchbox aussieht, vor mir steckt ein Mann sein Wechselgeld ein und wechselt mit der Frau spanische Worte, während hinter ihr ein Mann an einem kleinen Werktisch in sein Handy bölkt. Dann nimmt die Frau mich wahr und fragt…

Moment mal: Klingelbeutel?

Viele religiöse Gruppen sammeln Geld von ihren Mitgliedern und geben es dann an andere Menschen weiter. An Bedürftige. Oder an Sektenführer. Die Journey Church aber winkt mit einem Geschenk, wenn man zum Gottesdienst am 19. September kommt. „DEPT-FREE GIVAWAY“ heißt es in deren Zeitungsannonce, und auf der Website ist von tausend Dollar die Rede; aber nicht, ob diese Summe jeder kriegt, der vorbeischaut (um das herauszufinden, muss man eben hingehen). Zwei Wochen zuvor beginnt die dazu passende Unterrichtsreihe: „Smart Money: Managing my money God’s way“. Und ich dachte, wenn man ein Gott ist, braucht man…

Achtung, Kino

Der Typ guckt mich an. Die Buchstaben springen mir entgegen, als die U-Bahn zum Halten kommt. Zwischen der Werbung für Spielfilme und TV-Serien, die allesamt so böse wie möglich aussehen möchten, hängt dieses Plakat, das „Social Network“, den Film über die Entstehung von Facebook ankündigt. Ich sehe nicht so recht ein, warum Mark Zuckerberg ein Punk sein soll (aber vielleicht möchte der Film mir das gern beibringen). Immerhin waren die Filmemacher eigenständig genug, um dem Objekt ihres Schaffens keinerlei Mitspracherecht zu geben. Der junge Mann selbst wiederum betont, der Film sei ein Fantasiewerk und der…