Woher der Humor kommt

Hier sind sie aufgewachsen. Es hängt kein Schild an der Seite, wie zum Beispiel an dem Townhouse weiter südlich, das Andy Warhol sich kaufte, als er cool genug war, um in eine schicke Gegend zu ziehen. Sie waren nicht cool, sondern Kinder, und arm obendrein. Mutter aus Ostfriesland, Vater aus dem Elsass, was soll da aus den Jungs werden im Amerika der Jahrhundertwende? Die Marx Brothers. Ganz in der Nähe hat der olle Carnegie sich ein Herrenhaus gebaut. Darin ist heute ein Design Museum (das Cooper-Hewitt) untergebracht. Bei den Marx-Brüdern dagegen kann man immer noch…

Studentenfutter

Zweimal in der Woche stehen sie vor der altehrwürdigen Columbia Universität. Sie sind Bauern, Kleinbauern, Öko-Idealisten und Weckglas-Künstler, und sie verkaufen frische (oder eben frisch eingekochte) Lebensmittel: Grüne Spargelbündel, dunkelrote Äpfel, gelben Honig, weiße Zwiebeln mit Grün dran, dunkel bekrustetes Brot, meistens gibt es irgendwo auch Fisch, Fleisch und Käse. Oh, und immer auch Pflanzen, Kräuter im Topf, zartrosa Geranien und, selbstverständlich: quietschgelbe Studentenblumen. Diese Bauernmärkte mit lokaler Ausrichtung heißen Greenmarket. „Grow NYC“ organisiert sie überall in der Stadt. Und hier oben am Broadway kommen halt Studenten und Lehrkräfte durchs Tor. Heute allerdings ist es…

Moment mal:

First come, first serve. Nach dem Motto „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ bekommt man in New York Theaterplätze, Werbegeschenke oder Essen – und wer zuletzt kommt, den beißt der Neid. Auch im Berufsleben. Aber dort dreht man perfide an der Formel: Last hired, first fired.

Pendeln mit Pedalen

Auf den ersten Blick erscheint es merkwürdig, dass dieses Plakat ausgerechnet in der U-Bahn-Station hängt. Auf den zweiten Blick ist es das nicht. Ich stehe an einer Haltestelle, die zum G-Train gehört. Die Linie hat es geschafft, dass Leute aus gewissen Teilen Brooklyns anfangen zu stöhnen, wenn man bloß einen Buchstaben sagt. G ist beinahe Synonym für Verspätung, Zugausfall, Warten auf den Shuttle-Bus. Deshalb habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich den Anblick dessen, was das Problem verursacht, wunderschön finde.

Warentausch

Auf die Kleider muss man aufpassen. Die sind sofort weg. Zur Saisoneröffnung im Brooklyn Yard veranstalten die Damen von Mean Red Productions „Score! The Pop-Up Swap“. „Swap“ heißt „tauschen“. Bei der gleichnamigen Veranstaltung bringt man also Dinge mit, die man loswerden möchte, und nimmt sich dafür andererleuts Aussortiertes. Die Veranstalter haben eine Horde Helfer engagiert, die am Drop-Off die Frühjahrsputzopfer annehmen und vorsortieren. Dann bringen sie sie zu den Stationen, zum Beispiel Bücher und Medien (CDs, DVDs und so was). Und da nimmt man sich dann, was man haben möchte. Es ist wie Einkaufen ohne…

All Ages

Ich habe schon so einige Schlachtrufe gehört. Nicht in einer Schlacht, zum Glück. Aber auf Konzerten. Neulich erst habe ich bei der Gelegenheit gelernt, was „Ausziehen, ausziehen!“ auf Englisch heißt. Das war recht ungewöhnlich (zuerst rief es ein Mann dem Sänger zu, dann stimmte ein hysterischer Frauenpulk ein, und schon gab es Sprechchöre, bis der europäische Musiker behauptete, in Amerika sei es illegal, wenn er jetzt sein T-Shirt fallen ließe). Aber das, was ich jetzt höre, finde ich einmalig. „Grandma, Grandma, Grandma!“ schallt es über den ausverkauften Rumsey Playfield im Central Park. Ein paar Sekunden…

Wein in Bewegung

Vielleicht bin ich dadurch bloß besonders aufmerksam geworden, und es ist alles nur eine Frage der Wahrnehmung. Ich habe letztes Jahr Freunde damit unterhalten, dass es hier Wein mit dem folgenden Etikett  gibt (auch in Rot erhältlich): Aber ich sehe immer mehr Rezessionswein. Buchstäblich, so stand es als Werbung an einem Regal. Oder „10 under 10“, also zehn vom Laden empfohlene Weinsorten unter zehn Dollar, hübsch präsentiert und mit gewitzten Slogans und Beschreibungen versehen. Im nächsten Geschäft laden die Sonderangebote dazu ein, größere Flaschen zu kaufen (und werben mit europäischen Litern). Hinter mir betritt eine…