Die machen einen ordentlichen Schnitt. Nicht ihren eigenen; sie arbeiten für andere. Im Garment District ist das zunächst gar nicht zu sehen; nicht weit vom Times Square kommt man an vielen Läden vorbei, die Stoffe, Kurzwaren und Kleider für den Großhandel verkaufen. Die meisten Geschäfte spielen sich derweil unbemerkt in den oberen Stockwerken ab.

Ramdat Harihar zum Beispiel erfüllt allerlei Sonderwünsche von Designern. Für die gewünschten Musterstücke kann er Stoffe auf die wunderlichsten Arten plissieren, besticken, paspeln, mit Bändern und komplizierten Stichen verzieren. Die Spezialmaschinen, über die sich seine Mitarbeiter beugen, sind gerne mal 70, 80 Jahre alt.

Auf der einen Werkbank bekommen Parkas Metallsterne und eine Spitzenblende, an einem anderen Tisch ringelt sich ein Seidenband auf das Oberteil eines Hochzeitskleids. Und in der Ecke hocken die Näherinnen wie in einem Zelt.

Dort arbeiten sie gerade mit einem Pulver, das im Dunkeln leuchtet. Irgendein Designer steht vielleicht auf Schwarzlichteffekte. Für solche Sonderwünsche kommt man dann in dieses Werkstattmekka mitten in Manhattan. Design Assistent nennt sich Ramdat Harihar. In der Statistik des Garment Districts taucht er aber nicht als Designer auf, sondern als Manufacturer.

Genau wie Tina Schwenk. Die Einwanderin aus Ostdeutschland ist Schnittdirectrice, hat für Helmut Lang und Karl Lagerfeld gearbeitet und dabei oft Schwierigkeiten gehabt, gute Minifirmen zu finden, die ihr die Arbeit mit den Mustern abnehmen können. Vor zwei Jahren wechselte sie selbst in die Marktlücke. Und ich kann mir nicht helfen: Ihr Atelier sieht ganz schön deutsch aus. Es heißt Werkstatt.

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