Mode ohne Einladungskarte

Einkäufer, Chefredakteurinnen und Blogger kloppen sich jetzt um die besten Plätze in London. Die New York Fashion Week ist vorbei, der Modezirkus ist weitergezogen. Quatsch! Beim Williamsburg Fashion Weekend geht es heute und morgen zur Sache. Die Mode aus dem Hipsterstadtteil in Brooklyn taugt nicht unbedingt; aber die Präsentation macht Spaß. Kein ungeschriebenes Protokoll macht daraus eine blasierte Angelegenheit, wer früh genug kommt und acht Dollar bezahlt, darf zuschauen, und es dürfen sogar Designer außerhalb der Stadtteilgrenzen mitmachten. Die Bemerkung “Wir sind aus Williamsburg, Virginia” zieht viele Lacher nach sich. Aber zum Schluss ist da…

Moment mal: Ist schon Halbzeit?

Morgen sind Wahlen. Aber nicht für jeden. Die Parteimitglieder wählen Kandidaten für die “midterm elections”, also die Wahlen, die mitten in der Amtszeit eines Präsidenten stattfinden (sozusagen die Halbzeitwahlen). Das ganze heißt dann “Primaries” (von primary elections, also Vorwahlen), und es geht um Governor, Senator und Representative. Es wählen aber nicht beide Parteien einen Kandidaten für jeden dieser Posten. Manchmal gibt es von vornherein nur einen. Außerdem wählt man in den USA auch ein Amt, das in Deutschland nicht zur Wahl steht. Morgen entscheiden sich die New Yorker Demokraten (hier: wirklich nur deren Parteigänger) auch…

Vergängliche Schönheit

Man kommt ja zu nichts. Leute treffen, Schönheitspflege, Cocktails – alles muss sich dem New Yorker Tempo unterordnen. Und zurückstehen. Oder man verabredet sich halt in der Beauty Bar. In dem ehemaligen Schönheitssalon hängen immer noch Trockenhauben an der Wand (an denen man sich ganz schön stoßen kann). Aber das ist nicht alles. Hier bekommt man tatsächlich eine Maniküre. Für 10 Dollar inklusive Drink. Ich bestelle mir einen Platinum Blonde (was sich allerdings partout nicht auf meine Haarfarbe auswirkt). Und dann hat Stacy, die hauseigene Maniküre, Zeit. Meine Begleiterin sucht sich einen Nagellack aus, ich…

Moment mal: Klingelbeutel?

Viele religiöse Gruppen sammeln Geld von ihren Mitgliedern und geben es dann an andere Menschen weiter. An Bedürftige. Oder an Sektenführer. Die Journey Church aber winkt mit einem Geschenk, wenn man zum Gottesdienst am 19. September kommt. “DEPT-FREE GIVAWAY” heißt es in deren Zeitungsannonce, und auf der Website ist von tausend Dollar die Rede; aber nicht, ob diese Summe jeder kriegt, der vorbeischaut (um das herauszufinden, muss man eben hingehen). Zwei Wochen zuvor beginnt die dazu passende Unterrichtsreihe: “Smart Money: Managing my money God’s way”. Und ich dachte, wenn man ein Gott ist, braucht man…

Von wegen Schmelztiegel

Ein Taxifahrer ist das große Gesprächsthema fürs Wochenende. Der Einwanderer aus Bangladesh hatte in Midtown einen 21-Jährigen aus einer Kleinstadt im Staat New York gefahren. Der hatte den Taxifahrer während des Smalltalks gefragt, ob er Moslem sei, daraufhin Witze über den Ramadan gemacht und ein Messer gezogen, mit dem er den Taxifahrer am Arm, im Gesicht und am Hals verletzte. Wenige Stunden später war er gefasst. Der Taxifahrer hat das Ganze überlebt. Der Angreifer ging hinter Gitter, eine Kaution wurde nicht ausgeschrieben, die Anklage lautet auf versuchten Mord und das, was man hier Hate Crime…

Moment mal: Kein Pardon

Viele Leute erzählen mir staunend, wie sehr es für die Chinesen  auf die Sprachdetails ankommt: Eine Silbe Mandarin, in verschiedenen Betonungen, Tonhöhen oder -längen gesagt, könne völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. Das erfährt man in New York auch jenseits von Chinatown. Zum Beispiel mit “excuse me”. In Englischbüchern steht, das bedeute “Verzeihung” oder “Entschuldigung”. Vielleicht noch so etwas wie “darf ich mal bitte?”. Aber je nach Betonung kann es auch etwas ganz anderes heißen. Einen ähnlichen Klang wie “excuse me” (aber lauter) nutzen New Yorker, um sich den Weg freizuhupen. So gibt etwa ein Bauarbeiter, der…