Vergängliche Schönheit

Man kommt ja zu nichts. Leute treffen, Schönheitspflege, Cocktails – alles muss sich dem New Yorker Tempo unterordnen. Und zurückstehen. Oder man verabredet sich halt in der Beauty Bar. In dem ehemaligen Schönheitssalon hängen immer noch Trockenhauben an der Wand (an denen man sich ganz schön stoßen kann). Aber das ist nicht alles. Hier bekommt man tatsächlich eine Maniküre. Für 10 Dollar inklusive Drink. Ich bestelle mir einen Platinum Blonde (was sich allerdings partout nicht auf meine Haarfarbe auswirkt). Und dann hat Stacy, die hauseigene Maniküre, Zeit. Meine Begleiterin sucht sich einen Nagellack aus, ich…

Moment mal: Klingelbeutel?

Viele religiöse Gruppen sammeln Geld von ihren Mitgliedern und geben es dann an andere Menschen weiter. An Bedürftige. Oder an Sektenführer. Die Journey Church aber winkt mit einem Geschenk, wenn man zum Gottesdienst am 19. September kommt. “DEPT-FREE GIVAWAY” heißt es in deren Zeitungsannonce, und auf der Website ist von tausend Dollar die Rede; aber nicht, ob diese Summe jeder kriegt, der vorbeischaut (um das herauszufinden, muss man eben hingehen). Zwei Wochen zuvor beginnt die dazu passende Unterrichtsreihe: “Smart Money: Managing my money God’s way”. Und ich dachte, wenn man ein Gott ist, braucht man…

Von wegen Schmelztiegel

Ein Taxifahrer ist das große Gesprächsthema fürs Wochenende. Der Einwanderer aus Bangladesh hatte in Midtown einen 21-Jährigen aus einer Kleinstadt im Staat New York gefahren. Der hatte den Taxifahrer während des Smalltalks gefragt, ob er Moslem sei, daraufhin Witze über den Ramadan gemacht und ein Messer gezogen, mit dem er den Taxifahrer am Arm, im Gesicht und am Hals verletzte. Wenige Stunden später war er gefasst. Der Taxifahrer hat das Ganze überlebt. Der Angreifer ging hinter Gitter, eine Kaution wurde nicht ausgeschrieben, die Anklage lautet auf versuchten Mord und das, was man hier Hate Crime…

Moment mal: Kein Pardon

Viele Leute erzählen mir staunend, wie sehr es für die Chinesen  auf die Sprachdetails ankommt: Eine Silbe Mandarin, in verschiedenen Betonungen, Tonhöhen oder -längen gesagt, könne völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. Das erfährt man in New York auch jenseits von Chinatown. Zum Beispiel mit “excuse me”. In Englischbüchern steht, das bedeute “Verzeihung” oder “Entschuldigung”. Vielleicht noch so etwas wie “darf ich mal bitte?”. Aber je nach Betonung kann es auch etwas ganz anderes heißen. Einen ähnlichen Klang wie “excuse me” (aber lauter) nutzen New Yorker, um sich den Weg freizuhupen. So gibt etwa ein Bauarbeiter, der…

Love Parade von hier aus

Letzte Woche haben mich diverse Leute gefragt, ob hier über “Stilleben A40” berichtet wurde. Ein Kollege hatte sogar eine Umfrage gestartet, was Journalisten im Ausland von der Kulturhauptstadt Ruhrgebiet mitbekommen. Er wollte wissen, ob solche Großveranstaltungen als PR-Maßnahme funktionieren. Jetzt lese ich Fragen, welche Wirkung das Unglück auf der Love Parade auf eben jenes Unterfangen hat. Ich erinnere mich, wie mir Dieter Gorny vor fast drei Jahren im Interview sagte, die Love Parade – und nicht etwa ein lokales Festival wie Juicy Beats oder Bochum Total – solle deswegen ins Ruhrgebiet kommen, weil sie “internationale…