Sie berufen sich auf eine Tradition, die angeblich von den Römern stammt: Bevor das neue Jahr kommt, wird man schnell noch alles los, was im alten Jahr scheiße war. In New York ist “Good Riddance Day” (im Ruhrgebiet würde man streiten, ob das nun “Und Tschüss-Tag” oder “Ab dafür-Tag” heißen soll) inzwischen eine große Sache geworden. Das mag am Winterloch liegen. Jedenfalls reihen sich Kameramänner, Außenreporterinnen und Fotografen diesmal so, dass ich kaum das Ende der Warteschlange ausmachen kann.

Ich schaffe es ohne Interview bis nach vorne, ich habe schließlich keinen der offiziellen Zettel ausgefüllt, auf die man schreibt, was man loswerden will, und dann hofft, am originellsten zu sein und etwas zu gewinnen. Oder das Wohlwollen der tiefgebräunten ABC-Frau zu gewinnen und ins Fernsehen zu kommen.

Ich habe meinen eigenen Zettel für den Schredder mitgebracht. Vor allem aber zwei Sachen, die unter den Hammer sollen. Dem Empfangsmann sage ich, dass ich mit der Moderatorin nicht sprechen möchte. Er arrangiert, dass sie mich nicht nach meinem Namen fragt, aber sie findet mich ganz furchtbar mysteriös, und das sagt sie natürlich, woraufhin sich Trilliarden Kameras auf mich richten und ich Anweisungen zugerufen bekommen, wie ich mich hinstellen soll. Das haben die sich so gedacht. Ich drehe ihnen den Rücken zu und tue, wozu ich hergekommen bin. Ich bin furchtbar enttäuscht von dem Gerät, das man mir in die Hand drückt. Ich dachte, ich kann das hier in eine gigantische Presse stecken oder unter einen Schmiedehammer legen.

Die Moderatorin zählt die drei Sachen auf, was ich mitgebracht habe und zertrümmere. “Das ist etwas mysteriös, aber das tut ihr total gut”, sagt sie. Und dann fragt sie mich, wie ich mich jetzt fühle.

Zwei Blocks später fällt mir die passende Antwort ein.