Diese Ausgabe der Apfelpresse wird sommerlich! Schließlich stehen wir vor dem langen Wochenende, das offiziell den Sommer einläutet: Am Memorial Day Weekend beziehen die Rettungsschwimmer an den Stränden Position. Aber nicht nur die Aussicht auf Sonne und Meer mitten in New York sorgt für Gesprächsstoff. Wir haben ja schließlich noch andere Probleme. 😉

So eine Art Kniefall für eine gerechte Gesellschaft

Im August 2016 machte der 49ers-Quarterback Colin Kaepernick Schlagzeilen, als er beim üblichen Nationalhymnensingen vor dem Spiel nicht mit der Hand auf dem Herzen Haltung annahm, sondern in die Knie ging. Nach dem Spiel sagt er, er werde keinen Stolz auf die Flagge eines Landes demonstrieren, das Schwarze unterdrückt und in dem Leichen auf der Straße liegen, deren Mörder man davonkommen lässt. Sein Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus machte Kaepernicks Trikot im Nu zum meistverkauften der Saison, andere Spieler schlossen sich an, doch Kaepernick wurde zum Ende der Saison arbeitslos. Viele Fans boykottierten daraufhin die Footballspiele, die Einschaltquoten gingen in den Keller. Der Präsident machte derweil unverhohlen rassistische Stimmung gegen die Knienden.

Am Mittwoch verkündete der Football-Verband NFL, er verbiete das Knien bei der Hymne und werde Verstöße mit Bußgeldern belegen, die die Vereine direkt an die Spieler weiterreichen können. Ein New Yorker stemmte sich dagegen. Der Besitzer der New York Jets, Christopher Johnson, kündigte an, etwaige Bußgelder selbst zu zahlen. “Ich werde auf keinen Fall die Meinungs- und Redefreiheit meiner Spieler einschränken”, sagte er in einem Interview mit “Newsday”. “Ist es mir lieber, wenn sie während der Hymne stehen? Klar! Aber ich kann verstehen, wenn jemand es nötig findet, zu protestieren. Es gibt große, komplizierte Probleme, die uns alle betreffen, und unsere Spieler stehen an vorderster Front.” Gut gebrüllt, Löwe. In der vergangenen Saison ist kein einziger Jets-Spieler in die Knie gegangen. Im Gegenteil: Johnson hat sich bei der Hymne zu Team und Trainern gesellt, um mit ineinander verschränkten Armen … zu stehen. (Nachlesen bei Newsday)

Baustellen überall? Nicht genug für New York!

Es ist keine Erwähnung wert, dass New York-Besucherinnen über die vielen Baustellen staunen. Erwähnenswert ist, dass Einheimische ihnen inzwischen heimlich zustimmen. Überall in der Stadt entstehen neue Häuser! In den letzten 18 Jahren kam dadurch eine Viertelmillion neue Wohnungen hinzu. Aber das reicht nicht. Einem Bericht des Furman Center an der New York University zufolge ist die Zahl der New Yorker Wohnungen zwar um acht Prozent gestiegen. Aber im selben Zeitraum stieg die Zahl erwachsener Einwohner um elf Prozent. Dieser Umstand lindert nun nicht gerade das Problem steigender Mieten und überfüllter WGs. (Nachlesen: Beim Furman Center gibt es eine Zusammenfassung und auch den detaillierten Bericht)

Verkehrsmittel für Gutsituierte

Der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio liebt seine Fähren. Kein Wunder: Über sie hat er das Sagen, im Gegensatz zur U-Bahn, bei der er um jedes Fitzelchen mit dem Bundesstaat New York streiten muss. So baut er die NYC Ferry weiter aus und hat diesen Monat erst angekündigt, für die nächsten fünf Jahre weitere 300 Millionen Dollar bereitzustellen, um größere Schiffe zu kaufen, Anlegestege aufzumöbeln und den Takt zu erhöhen. Damit sind wir nun bei 600 Millionen für das Projekt plus 30 Millionen laufende Kosten, die die Stadt jedes Jahr beischießt. Also genaugenommen alle New Yorker Einwohner mit ihren Steuern. Nun hat ja nicht immer jede direkt etwas von dem, was Steuergelder bezahlen. Kinderlose finanzieren zum Beispiel Schulen mit. Aber in punkto Fähren verrät weder die Stadt New York noch der Betreiber Ferry NYC, wer eigentlich etwas von dem schwer subventionierten Service hat, der nicht ansatzweise das Volumen der U-Bahn auffangen oder auch nur lindern kann. Deshalb hat die Village Voice auf den Fähren Umfragen gemacht – und kommt zu dem Ergebnis: Der Großteil sind gutsituierte New Yorker, die die Fähren nicht etwa nehmen, weil sie schneller sind als die U-Bahn, sondern angenehmer. Da gibt es Platz. Und Alkohol. (Nachlesen bei der Village Voice)

Geht’s beim Riesenrad wieder rund?

Ach, was haben sie getönt über das New York Wheel! Für kurze Zeit sollte es das größte Riesenrad der Welt werden (überholt vom Ain Dubai), das mit der besten Aussicht – auf Manhattan nämlich – sowieso, und fantastisch für den “vergessenen” Stadtbezirk Staten Island. Anfang 2017 sollte es an dessen Ufer stehen. Doch dann kamen die Probleme. Es kommt zu Verspätungen, ein paar Details an Bauteilen gehen nicht auf Anhieb durch die Inspektion, und dann verabschiedet sich die beauftragte Baufirma – und umgehend verhakt sich das Projekt hoffnungslos in einem Rechtsstreit. Nun gibt es offenbar einen Deal, der möglicherweise die Bahn freimacht für die Wiederaufnahme des Baus. Die Stelzen, an denen das Rad aufgehängt werden soll, warten seit mehr als einem Jahr in einem Lager in Brooklyn. (Nachlesen bei Staten Island Live)

Strandnachrichten 1: Sandschwund

Vor 3 Jahren jagte ich mit meiner Kamera der Frage nach: What if the sand went away? Und nu ist’s passiert. Am längsten Stadtstrand der USA, in Rockaway (Queens) ist nach den letzten Winterstürmen ein Gutteil vom Sand verschwunden, den Ingenieure nach dem Hurrikan Sandy mühselig wieder aufgeschüttet hatten. Aber erst ein paar Tage vor dem Beginn unserer Strandsaison am Memorial Day (28.5.) verkündet die Stadt, dass sie darauf mit einem drastischen Maßnahme reagieren wird: Ein höchst beliebter Abschnitt des Rockaway Beach wird gesperrt. Platz zum Schwimmen und Surfen gibt es immer noch gleich nebenan. Einige Anwohner planen dennoch für Freitag eine Strandbeerdigung – sie wollen in schwarz gehüllt protestieren.  (Bei amNY gibt es eine Meldung über die Sperrung und auch über die geplante “Beerdigung”)

Strandnachrichten 2: Boardwalk Empire

Von Sturmschäden können auch die Leute in Coney Island ein Liedchen singen. Deren Strandpromenade hat auch schon gelitten, und wenn die erst einmal weg wäre, könnte man dort ja vielleicht bauen, ein Hotel oder ein Casino zum Beispiel oder … nee. Nach langem Ringen hat ein Lokalpolitiker namens Mark Treyger es geschafft, den Coney Island Boardwalk unter Denkmalschutz zu stellen. Und nicht nur die Holzplanken (teils ersetzt durch Beton beziehungsweise Holzimitat) müssen erhalten bleiben und im Falle von Schäden wiederaufgebaut werden, sondern auch die Geländer und Laternen, der beliebte Steeplechase Pier, gleichermaßen beliebt bei Anglern und kamerabehängten Spaziergängern – und der Sand. (Nachlesen bei 6 sqft)