Natürlich hält Joshua Foer seine Lesung auswändig. Darüber habe ich vorher gar nicht nachgedacht, aber klar: Wer ein Buch darüber schreibt, wie die Meister ihres Fachs ihr Gehirn dazu bringen, sich alle möglichen Dinge rasend schnell und zuverlässig zu merken, der muss ja nun auch zeigen, dass das wirklich funktioniert. Joshua Foer ist Journalist, er hat eigentlich nur über die Meisterschaften berichten wollen, aber dann war es um ihn geschehen. Ein Jahr später trat er in New York mit an – und gewann. Darüber (und über zahlreiche Gespräche mit den schillerndsten Gedächtniskünstlern und den ernsthaftesten Wissenschaftlern) hat er ein Buch geschrieben. Und daraus soll er jetzt lesen. Oder rezitieren.

Aber nach sechs Wochen Buchtour mag der Autor nicht mehr. Mit der Methode des „memory palace“ kommt er zwar stets ans Ziel. Aber selbst die Lacher an den richtigen Stellen nerven irgendwann, sagt er. Deshalb hat er sich vor der Lesung hingesetzt und aufgeschrieben, welche Fragen am häufigsten von Publikum gestellt wurden. Und die beantwortet er jetzt.

Dazu gehört auch, ob es uns alle dumm macht, wenn wir all das, was wir uns merken müssten, auslagern (aufs Smartphone). Sich stattdessen mit Hilfe einer smarten Technik wichtige Dinge zu merken, findet Foer schon richtig und wichtig. Aber er sagt auch: Zeter und Mordio über die neue Technologie zu schreien sei nicht neu. Schon Sokrates habe den Untergang der Kultur gesehen, wenn die Menschen ihre Ideen nicht mehr alle im Kopf haben. Da wurde es gerade modern, Sachen aufzuschrieben. „Zum Glück“, sagt Foer über Sokrates‘ Missbilligung, „hat das jemand aufgeschrieben.“

Wenn das nicht mal doch ein Teil dessen war, was Foer bisher so schön auswändig aus dem Buch erzählt hat.