Angestellte

„Stehen Sie hier an?“, fragt sie. Schräg vor mir ist ein gebeugter Herr ausgeschert und greift sich Broschüren aus einem Wandhalter. Ich stehe eindeutig in der Schlange. Trotzdem bin ich gemeint. „Ja“, sage ich also. Eine Angestellte bellt uns an, wir sollen uns alle an die Wand stellen. Das klingt brutaler, als es ist. Die Wand ist glaube ich aus Marmor. Eben biegt eine Frau, die zu meiner Alterklasse gehören könnte, um die letzte Ecke vor unserem Ziel. Ein Mann, ein bisschen jünger als ich und leger gekleidet, steuert schon auf den Ausgang zu. Ansonsten…

Voran, meine Damen!

Bevor Gloria Feldt ihr neues Buch signiert, erzählt sie, worum es darin geht. Auf den Stühlen im Veranstaltungsraum der Buchhandlung liegen Zettel in Lesezeichenformat, die die neun wichtigsten Punkte aufzählen. Das braucht Gloria Feldt also nicht mehr zu tun. Sie veranstaltet ein Zahlenratespiel, das zeigt, wie wenig Frauen in entscheidenden Positionen sitzen. Doch jammern, Händeringen und sich der Ungerechtigkeiten der Welt versichern ist nicht ihr Ding. Schließlich heißt ihr Buch „No Excuses“. Gloria Feldt findet, die strukturellen Probleme, die Frauen bislang daran hinderten, Macht zu erlangen, seien größtenteils beseitigt. Und sie ist überrascht davon, wie…

Moment mal: Gesundheit!

Kaum sagt der Kalender, es sei Herbst, tauchen sie auf: Plakate und Fernsehspots, die einen an Saisonkrankheiten erinnern. Selten arbeiten sie mit der Aussicht auf Linderung. Sie wirken eher, als müsste man sich bewaffnen. Eine Drogeriekette spannt etwa die ganze Familie ein bei den Herbstvorbereitungen – man soll alles (an Medikamenten) beisammen haben, bevor es einen erwischt. Eine andere will Grippeimpfungen verkaufen und erinnert daran, dass die Grippe überall lauert. Mein aktueller Hirnverbieger:  „Your roommate is dating the flu“ (Dein Mitbewohner hat ein Krösken mit der Grippe). Ich kann mir nicht vorstellen, wie krank man…

Rund, eckig, gezackt

Ich bin in Versuchung, eins von den roten, gezackten Dingern zu kaufen und auszuprobieren, was man damit machen kann. Aber dann fällt mir auf, dass sie immer beim Obst liegen. Und ich dachte eher an Gemüseexperimente. Chinatown lädt zu so etwas ein, weil auf den Preisschildern zwar steht, wie das heißt, was da liegt. Aber eben nur in chinesischen Schriftzeichen, keine Chance, später nach Rezepten zu suchen, die ich eventuell verstehe. Aber jetzt werde ich abgelenkt. Von Zeichen, die ich sehr wohl verstehe. Das mag auf den ersten Blick überhaupt nicht nach Chinatown passen. Von…

Meerjungfrauen

Vertreiben drei Minuten von der schönsten Parade New Yorks etwaige beginnende Herbstdepressionen bei meinen Lesern? Die Mermaid Parade in Coney Island (Brooklyn) war dieses Jahr zwar schon im Juni. Aber wie meine natürlichen Feinde, die Eichhörnchen, habe ich vorgesorgt – mit einem Experiment, das soeben fertig geworden ist. Raul Mandru und ich haben einander in Coney Island ungefähr einmal pro Stunde daran erinnert, nur ja genug Wasser zu trinken, ausprobiert, wie wir zusammenarbeiten, sozusagen ein Brainstorming on the Go und am Ende einen Film gemacht, und für den Soundtrack haben wir den Musiker Volker Wendland…

Noch mehr Wind

Heidi Cullen hat mal beim Weather Channel gearbeitet – als Klimaexpertin. Inzwischen arbeitet sie bei Climate Central. Die Organisation will in Sachen Klima eine Brücke zwischen Wissenschaftlern und Öffentlichkeit schlagen. Dazu passt Heidi Cullens Buch: „The Weather of the Future“ entwickelt Szenarien, wie das Wetter in, sagen wir mal: 50 Jahren wird. Die Zeitperspektive bei den Vorhersagen sei der große Unterschied zwischen Meteorologen und Klimatologen, sagt sie in ihrem Vortrag an der Columbia University. Leider bleibt der Vortrag recht unkonkret. Vielleicht liegt das daran, dass an der Eliteuni eine Menge Experten im Publikum sitzen. Schließlich…

Windige Verkaufsargumente

Sammy behagt mir nicht. Dabei sind die anderen alle so nett. Aber Sammy finde ich aufdringlicher als einen Hausierer. Ich wollte bloß wissen, wo die Windräder stehen, deren Energie man in New York kaufen kann. Aber Sammy will meine Unterschrift – wenn ich seinen Zettel unterschriebe, hätte ich ja den Windstrom noch nicht bestellt, da würde man in einem Monat auf mich zukommen, ich könnte es mir also noch mal überlegen. Ich habe den Verdacht, dass diese Wind-Ökos hier mit denselben Methoden arbeiten, wie ich es von Drückerkolonnen aus Deutschland kenne. Ich wende mich zum…