Des Teufels rechte Hand

Sie ist gar nicht wirklich die rechte Hand des Teufels. Aber weil sie als Assistentin der Vogue-Chefredakteurin  gearbeitet hat, denken viele New Yorker, „Der Teufel trägt Prada“ sei Lauren Weisbergers persönliche Abrechnung mit Anna Wintour gewesen. Diejenigen, die in anderen Städten im Mediengeschäft arbeiten, teilen diese Ansicht nicht unbedingt. Auf die Frage, ob sie manchmal Ärger mit Freunden, Kollegen oder Bekannten bekomme, die sich in einer Figur wiederzuerkennen glauben, sagt Lauren Weisberger: Sie habe 50 verschiedene Personen genannt bekommen, die offenbar genau auf die Hauptfigur in ihrem Debütroman passen. Aber jetzt geht es gar nicht…

Alles Lüge

So ziemlich jede Fläche, die mehr oder weniger frei zugänglich und womöglich mit einem Baum, Busch oder einer Bank bestückt ist, heißt in Manhattan „Park“. Manche dieser Parks würde man in Deutschland eher „Platz“ nennen. Am Union Square treffen sich diese Bezeichnungen: Auch New Yorker nennen ihn nur selten Union Square Park (es ist aber natürlich ein Park; außerdem wurde der Platz von unseren alten Bekannten Olmsted und Vaux gestaltet). Im Sommer gesellt sich in manchem Park neue Kunst zu den Monumenten. Am Union Square zum Beispiel einige Skulpturen von Miranda July, die auch in…

Geschichtsspektakel

Nein, das ist kein Theater- oder Filmensemble bei einer Pressepräsentation. Es hat auch nicht gerade ein Kriegsschiff angelegt und Leichtmatrosen auf den Times Square gespuckt. Diese Menschen sind zusammengekommen, um ein historisches Foto von Afred Eisenstaedt nachzustellen: „The Kiss„, aufgenommen am 14. August 1945 auf dem Times Square. Deutsche feiern das Ende des II. Weltkriegs zwar am 8. Mai. Aber für die USA war der Krieg da noch nicht beendet, da mussten erst noch ein paar Atombomben ran. Am 15. August 1945 erklärte dann der japanische Kaiser seine Kapitulation – durch die Zeitverschiebung war das…

Wellenbrecher

Ich frage mich, ob Architekten in ihren Modellen immer nur den eigenen Bau im Blick haben. In Manhattan wäre das nämlich keine gute Idee; hier setzt man einen neuen Wolkenkratzer oben auf ein altes Gebäude oder in eine Lücke, für die ein altes Gebäude weichen musste. Auf jeden Fall muss man mit Häusern drumherum rechnen. Nun ist ja The Beekman fast fertig, und dessen Architekt Frank O. Gehry hat genug Erfahrung. Deshalb nehme ich an, es ist Absicht. Irgendetwas, für dessen tieferes Verständnis mir die Einsicht fehlt. Aber während ich jetzt ohne klugen Architekturwelterklärer daran…

Schwer umworben

Ich denke sofort an Kalorien. „Wenn sie geboren werden“, staunt meine charmante Begleiterin, „sind die ja schon schwerer als ich.“ Trifft auf mich genauso zu. Und so nah wie im American Museum of Natural History kommt man sonst wohl kaum an ein Walross. An ähnliche Kaliber menschlicher Art allerdings schon. Deshalb gibt es Einrichtungen wie das Rudd Center for Food Policy and Obesity an der Yale Universität. Dort haben Forscher unter anderem herausgefunden, dass man mehr isst, wenn man Fernsehwerbung für Essen sieht, und dass die Werbung beeinflussen kann, welche Art Essen man bevorzugt.

Glückskekse

Es ist zu heiß für Heißgetränke. Aber warmer grüner Tee tut gut. Damit er die richtige Temperatur bekommt, brühe ich ihn eine ganze Weile zu früh auf. Und ertappe mich dabei, dass ich die Abkühlzeit gerne mal nutze, um Kekse kaufen zu gehen. In einem der kleinen Läden in der Nähe steht eine Plastikbox mit drei Fächern auf dem Tresen, darin liegen verschiedene, knapp handtellergroße Kekse. Einer kostet 45 Cents, drei bekommt man für 1,25 Dollar (was weniger ein Schnäppchen als vielmehr ein bequem zu zahlender Betrag ist, weil es 25-Cent-Stücke gibt). Ich nehme immer…

Moment mal: Kein Pardon

Viele Leute erzählen mir staunend, wie sehr es für die Chinesen  auf die Sprachdetails ankommt: Eine Silbe Mandarin, in verschiedenen Betonungen, Tonhöhen oder -längen gesagt, könne völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. Das erfährt man in New York auch jenseits von Chinatown. Zum Beispiel mit „excuse me“. In Englischbüchern steht, das bedeute „Verzeihung“ oder „Entschuldigung“. Vielleicht noch so etwas wie „darf ich mal bitte?“. Aber je nach Betonung kann es auch etwas ganz anderes heißen. Einen ähnlichen Klang wie „excuse me“ (aber lauter) nutzen New Yorker, um sich den Weg freizuhupen. So gibt etwa ein Bauarbeiter, der…