Kommen und Gehen

Es ist Harlem Week, und eigentlich will ich mir eine Modenschau anschauen. Aber der Wetterbericht warnt vor einem schweren Gewitter, und ich höre lieber drauf, weil ich Freitag Abend schon die Tornadowarnung (!) verpasst habe und nur Glück mit meiner Ortswahl hatte. Und schon schüttet es. Als der schlimmste Wind und Regen aufhören, ist es zu spät für die Modenschau. Also fahre ich nach Spanish Harlem, immerhin (es bestehen große Unterschiede zwischen Harlem und Spanish Harlem), und schaue mir den neuen Target an. Die Supermarktkette kreist New York schon länger ein, und während Wal-Mart vor…

Im Rampenlicht

Dieses Schild hat mehrere Bedeutungen. Erstens versucht da offenbar jemand beinahe verzweifelt, die Trockenblumenarrangements zu schützen. Vielleicht will die ja einer kaufen. Zweitens kann man die Botschaft aber auch auf das Gebäude beziehen. Es war einmal eine Kirche. Ab 1983 war es eine Disco (damals hieß das noch so). Als ich zum ersten Mal in New York war, war sie schon ein heißbegehrter Club, aber bei der New Yorker Altersbeschränkung brauchte ich gar nicht erst zu versuchen, hineinzukommen. Lange Jahre war The Limelight eine Institution – bald auch als Drogenumschlagsplatz, was der Film “Party Monster”…

Das Ende der Angelschnur

Natürlich kann man in New York auch angeln. An den Flüssen stehen viele geduldige Menschen herum. Und für Kinder unter 15 Jahren gibt es jeden Sommer sogar einen Angelwettbewerb – seit 1947 findet er im Prospect Park in Brooklyn statt. Dort ist für alles gesorgt: Die Schneise in die Entengrütze und die Seerosen hat übrigens ein Elektroboot geschnitten. Ja, der Prospect Park schafft es auf jeden Fall als heißer Tipp in “Grünes New York”. Kein Wunder: Er wurde Mitte des 18. Jahrhunderts von Frederick Law Olmsted und Calvert Vaux entworfen – zuvor hatten die beiden…

Made in Midtown

Die machen einen ordentlichen Schnitt. Nicht ihren eigenen; sie arbeiten für andere. Im Garment District ist das zunächst gar nicht zu sehen; nicht weit vom Times Square kommt man an vielen Läden vorbei, die Stoffe, Kurzwaren und Kleider für den Großhandel verkaufen. Die meisten Geschäfte spielen sich derweil unbemerkt in den oberen Stockwerken ab. Ramdat Harihar zum Beispiel erfüllt allerlei Sonderwünsche von Designern. Für die gewünschten Musterstücke kann er Stoffe auf die wunderlichsten Arten plissieren, besticken, paspeln, mit Bändern und komplizierten Stichen verzieren. Die Spezialmaschinen, über die sich seine Mitarbeiter beugen, sind gerne mal 70,…

Hufe oder Rollen

Es ist gerade fünf durch, das National Museum of the American Indian hat geschlossen, und ich sitze hier unten auf der Bank. “I’ll take you somewhere you can sit”, hat der Wächter gesagt und mich mit einem Nicken durch eine Tür geschoben. Seine Kollegen haben geguckt und gefragt, was ich angestellt habe. Ich habe mich mit eben jenem Wächter verabredet. Er ist einer dieser New Yorker, über die ich Geschichten schreibe. Seine beginnt in einer Familie mit elf Kindern in einer Railroad-Unterkunft in Brooklyn. Aber die habe ich in diesem Moment ja noch nicht geschrieben….

Barbäuchig im Park

Diese Leute rennen nicht vor den Park Rangers davon. Sie können nicht anders. Sie müssen halbnackt antreten: Bevor der New York City Triathlon beginnt, laufen eine Menge Leute den Jamaica Underwear Run. Der heißt so, weil man da erstens eben nicht in High-Tech-Sportsachen antrabt, sondern in Unterwäsche. Damit hat die Veranstaltung bereits letztes Jahr den Weltrekord geholt für die größte Ansammlung von Menschen in Unterwäsche.  Und zweitens, weil der Spaß vom jamaikanischen Tourismusbüro veranstaltet wird – das Sonderpreise für den schönsten Jamaica-Aufzug vergibt. Schon klar, dass der notorische Naked Cowboy sich bei der Gelegenheit in…