All Ages

Ich habe schon so einige Schlachtrufe gehört. Nicht in einer Schlacht, zum Glück. Aber auf Konzerten. Neulich erst habe ich bei der Gelegenheit gelernt, was “Ausziehen, ausziehen!” auf Englisch heißt. Das war recht ungewöhnlich (zuerst rief es ein Mann dem Sänger zu, dann stimmte ein hysterischer Frauenpulk ein, und schon gab es Sprechchöre, bis der europäische Musiker behauptete, in Amerika sei es illegal, wenn er jetzt sein T-Shirt fallen ließe). Aber das, was ich jetzt höre, finde ich einmalig. “Grandma, Grandma, Grandma!” schallt es über den ausverkauften Rumsey Playfield im Central Park. Ein paar Sekunden…

Wein in Bewegung

Vielleicht bin ich dadurch bloß besonders aufmerksam geworden, und es ist alles nur eine Frage der Wahrnehmung. Ich habe letztes Jahr Freunde damit unterhalten, dass es hier Wein mit dem folgenden Etikett  gibt (auch in Rot erhältlich): Aber ich sehe immer mehr Rezessionswein. Buchstäblich, so stand es als Werbung an einem Regal. Oder “10 under 10”, also zehn vom Laden empfohlene Weinsorten unter zehn Dollar, hübsch präsentiert und mit gewitzten Slogans und Beschreibungen versehen. Im nächsten Geschäft laden die Sonderangebote dazu ein, größere Flaschen zu kaufen (und werben mit europäischen Litern). Hinter mir betritt eine…

Achtung, selbstgemacht!

Ich hatte mir Piroggen immer viel krümeliger vorgestellt. Aber erstens schmecken sie trotzdem super, und zweitens garnieren sie das Bild vom Melting Pot so fein. Ich bin im Polnischen Heimatverein – oder wie auch immer so etwas in Deutschland heißen würde. Den gibt es seit gut hundert Jahren, und, Gentrifizierung sei dank, koexistiert er seit ein paar Jahren friedlich mit der Rock’n’Roll-Jugend, die den Stadtteil überschwemmt hat (was Probleme mit sich bringt; hier in der Nähe sprach mir und einigen Begleitern neulich eine Ureinwohnerin, die spätabends noch mal ihren Hund rausließ, ihr begeistertes Wohlwollen aus,…

Wunderland

Ich bin in keinen Brunnen gefallen und muss durch keinen Tunnel kriechen. Aber ich finde mich in Situationen wieder, die mir niemand als sonderlich wahrscheinlich vorausgesagt hätte. Und sie alle haben mit Begegnungen zu tun. Und mit Alice im Wunderland. Der Reigen beginnt bei Alice’s Tea Cup, einem Café im Alice in Wonderland-Stil. Mit märchenhaften Kleidchen an der Wand und durchscheinenden Schmetterlingen unter der Decke. Und mit anständigem Tee. Dort treffe ich Mone. Ich kenne sie nicht, sie kennt mich nicht, und den Kontakt zwischen uns hat jemand hergestellt, den weder Mone noch ich je…

Katzenwäsche?

Gerade bin ich über die Brücke über den East River gelaufen, um auf Wards Island einen Lunch-Spaziergang zu machen. Auf der Insel steht das Manhattan Psychiatric Center, umgeben von einem hohen Zaun, einen Großteil vom Rest der Insel hat man seit Anfang der 90er zu einer öffentlichen Grünflache gemacht. Ich richte mich nach Nordwesten, auf der anderen Seite des Wassers ragen die rötlichen Wahrzeichen-Wolkenkratzer von El Barrio, der Verkehr vom FDR rauscht da drüben unbekümmert dahin, hier klingt es wie leichter Wind. Es ist es fast friedlich. Fast. Denn auf Wards Island sind heute fleißige…

Kaputt

Es ist eine der Parallelen zwischen New York und dem Ruhrgebiet (in dem meine Wurzeln liegen): Manche Leute, gar ganze Institutionen, engagieren sich dafür, aus verrottenden ehemaligen Industrieflächen etwas Schönes zu machen. Fresh Kills war eine der größten Müllkippen der USA. 2001 wurde sie geschlossen, nur kurz noch einmal geöffnet, um den Schutt vom World Trade Center zu verschlingen. Und jetzt versuchen sie, aus dem Gelände einen Park zu machen, der größer werden soll als der Central Park.  Die New Yorker Parkverwaltung denkt sich ohnehin viele Sachen aus, die man machen kann. Für Fresh Kills…

Dancing in the Streets

Dafür sperren sie die Straßen: Street Fairs sind eine beliebte Sache in New York. Einige finden regelmäßig jeden Samstag und Sonntag statt, und sobald das Wetter auch nur ansatzweise gut ausschaut, sind sie voll. Obwohl es da im Grunde immer dieselben Sachen gibt: Paschmina-Schals, Billigschmuck, Fressbuden, Schnickschnack. Wer etwas besonders sucht, muss sich eben auskennen. Und zum Beispiel zur rechten Zeit auf der Ninth Avenue eintrudeln, wenn es heißt: internationale Küche ausprobieren. Da gibt es äthiopischen Linseneintopf (und am selben Stand Spinatquiche, was mir nicht ganz so landestypisch vorkommt, aber ich war ja auch noch…