Die Ausgänge der U-Bahn-Haltestelle Nassau Avenue liegen einen Häuserblock entfernt voneinander, aber in beiden Fällen fällt dasselbe auf: die Schilder mancher Läden drumherum. Man spricht Polnisch in diesem Teil New Yorks, und zwar immer noch.

In dieses Viertel, nämlich nach Greenpoint in Brooklyn, sind zwar eine ganze Menge Künstler und die üblicherweise nachfolgenden Leute mit Geld geschwappt, aber dort wohnen noch genug Menschen polnischer Abstammung, um das Geschäft mit Spezialwünschen zu erhalten – von der polnischsprachigen Apotheke bis zur Wursttheke.

 

Little Poland Greenpoint

So entdeckt ihr um dieses Stück Nassau Avenue herum einige oberhippe Treffpunkte, aber auch noch viele Einrichtungen, die schon ganz andere Zeiten erlebt haben – und zuweilen sogar eine Mischung aus beidem. Rund um die Nassau Avenue gibt’s vegane Pizza, Warschau-Punk, Fischplatten, wie ihr sie noch nie gesehen habt, ein quasi wiederausgegrabenes Freibad und ein Museum für Foodies.

Diesmal zäume ich euch das Pferd von hinten auf … und beginne abends. Dazu geht es von der Haltestelle aus erst mal die Manhattan Avenue herunter bis zur Driggs Avenue und dann links.

Punk und Pieroggen: Warsaw

Ab nach Warschau! Dazu schicke ich euch nicht ins Reisebüro, sondern in eine Konzerthalle. Dass sie wie ein Gemeindesaal aussieht, hat seinen Grund: Sie ist einer. Warsaw liegt nämlich mitten im Gebäude eines polnischen Kulturzentrums.

Warsaw Greenpoint

Als Snack in der Umbaupause könnt ihr dort sehr günstige (und feiste) Pieroggen verdrücken, meist gibt es auch Krakauer (hierzulande kielbasa). Die Musik hingegen hat mit Polen wenig zu tun: Auf der Bühne stehen zum Beispiel die Melvins, Patti Smith oder Primal Scream.

Warsaw, 261 Driggs Avenue, Programm auf der Website.

Schlangestehen vor dem Schwimmbad: McCarren Park Pool

An der Ecke Manhattan Avenue und Driggs Avenue kann man es nicht mehr übersehen: An diesem Grenzstück zwischen Greenpoint und Williamsburg gibt es einen großen Park. Im McCarren Park flezen Hipster und verstecken ihre Weinpullen mehr oder weniger geschickt, ertüchtigen sich Teams auf mehreren Sportplätzen und kreischen Kinder. Vor allem im Freibad mit seinem schönen alten Eingang.

McCarren Park Pool

Der McCarren Park Pool hat eine wellenartige Geschichte hinter sich: 1936 gehörte er zu den Neubauten, die helfen sollten, die New Yorker gesünder zu machen – und von den Sorgen der Großen Depression abzulenken. 40 Jahre später wäre eine Renovierung vonnöten gewesen, stattdessen wurde der Pool geschlossen. 2005 erfüllten die sanft abfallenden Beckenböden einen neuen Zweck: Open Air-Konzerte mit bester Sicht auf die Bands. Daraufhin wurde tatsächlich renoviert, und seit 2012 ist wieder Wasser in den Becken (lest nach, was ihr vor einem Freibadbesuch in New York wissen müsst). Im Winter gibt es dort zuweilen eine Eislaufbahn.

McCarren Park Pool, 776 Lorimer Street, Freibad von Ende Juni bis Anfang September geöffnet, Eintritt gratis, Details auf der Website.

Leckerer lernen: Museum of Food and Drink

Museum of Food and Drink

Probieren geht über Studieren, sagen sie in diesem südlich des McCarren Parks gelegenen Museum, und dann rühren sie beides fröhlich zusammen. Schließlich ist es selbst ein Experiment, deshalb steht auch groß was von lab (Labor) neben dem Eingang. Doch die Planungszeit für ein “richtiges” Museum of Food and Drink füllt es schon mal mit Ausstellungen zu jeweils einem Thema, das man nicht nur mit Augen und Ohren, sondern auch mit Nase und Zunge erfassen kann. Obendrein gibt es einen Veranstaltungskalender, der einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Über den Beginn des Museums habe ich vor einer Weile ein Interview mit Emma Boast gemacht; derzeit gibt es dort eine Ausstellung über Chinarestaurants und die Entwicklung der chinesisch-amerikanischen Küche – inklusive Glückskeks.

MOFAD (Museum of Food and Drink), 62 Bayard Street, Details auf der Website.

Mandelparmesan und Seitanfleisch: Vegane Pizza bei Screamer’s

Ich habe den Eindruck, Greenpoint ist derzeit ein Labor für vegane Pizza. Mehrere Restaurants in der Nähe haben einige dieser Pizzen auf der Karte stehen, und zurück ganz nah an unserer Ausgangshaltestelle hat sich ein winziger 3-Tischchen-plus-Spiegel-Laden komplett der tierproduktfreien Fastfood verschrieben: Screamer’s Pizzeria.

Vegan Pizza

Ich bestelle mir natürlich ein Stück namens Screamer und bin gespannt, wie Ersatzkäse schmeckt. Die Konsistenz stimmt, aber dass ich nicht drauf komme, woran mich ein Beigeschmack des Pseudoparmesan erinnert, macht mich irre. Na, Parmesan gehört eh nicht auf Pizza, oder?

Screamer’s Pizzeria, 620 Manhattan Avenue, Website.

P.S.: Wenn ihr nicht gerade vegane Pizza probieren möchtet, findet ihr auf der Manhattan Avenue zig Alternativen von Poké bis Polnisch – und zwar nicht nur Hausmacher Art, sondern auch in gehobener Form bei Krolewskie Jadlo (übersetzt: Königsmahl), bewacht von den Rittern vor der Tür.

Haltestellenpuzzle Nassau Ave

Alte Schätzchen angeln: Trödel, Vinyl und Angelhaken bei Reel Vintage

Greenpoint ist unter anderem für erlesene Vintage-Läden bekannt. Wenn ihr zum Beispiel in die Norman Avenue Richtung Westen (Lorimer St) einbiegt, kommt ihr an der Dobbins Street Vintage Coop vorbei und um die Ecke zum angesagten Feng Sway. Da gibt es Secondhand-Mode, Kleinkram und Pflanzen, wunderschön anzusehen und absolut durchgestylt.

Fay Sway Greenpoint

Feng Sway

Aber direkt auf der Manhattan Avenue versteckt sich ein Laden, in dem man noch selber entdecken darf, was demnächst in der Bude stehen wird. Reel Vintage sieht von außen aus, als erwarte einen drinnen ein staubiges Durcheinander. Da liegt eine Katze herum, und das Durcheinander fügt sich schön zu einem Mid-Century-Cluster zusammen …

Reel Vintage

… bis der Blick auf eine ganze Wand voller Angelhaken, Blinker und Schwimmer fällt. Wer sich durch diesen engen Teil des Ladens hindurchschlängelt, entdeckt kistenweise Schallplatten aus alten Tagen.

Reel Vintage Greenpoint

Beim Plattenfischen braucht man nicht leise zu sein!

Reel Vintage und Dream Fishing Tackle, 673 Manhattan Ave, keine Website (aber Instagram).

 

Jetzt möchtest du dich auch an anderen Haltestellen umschauen? Beim Haltestellenpuzzle gibt es vier weitere Folgen aus Manhattan, Brooklyn, Queens und Staten Island.

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