Wunderland

Ich bin in keinen Brunnen gefallen und muss durch keinen Tunnel kriechen. Aber ich finde mich in Situationen wieder, die mir niemand als sonderlich wahrscheinlich vorausgesagt hätte. Und sie alle haben mit Begegnungen zu tun. Und mit Alice im Wunderland. Der Reigen beginnt bei Alice’s Tea Cup, einem Café im Alice in Wonderland-Stil. Mit märchenhaften Kleidchen an der Wand und durchscheinenden Schmetterlingen unter der Decke. Und mit anständigem Tee. Dort treffe ich Mone. Ich kenne sie nicht, sie kennt mich nicht, und den Kontakt zwischen uns hat jemand hergestellt, den weder Mone noch ich je…

Dancing in the Streets

Dafür sperren sie die Straßen: Street Fairs sind eine beliebte Sache in New York. Einige finden regelmäßig jeden Samstag und Sonntag statt, und sobald das Wetter auch nur ansatzweise gut ausschaut, sind sie voll. Obwohl es da im Grunde immer dieselben Sachen gibt: Paschmina-Schals, Billigschmuck, Fressbuden, Schnickschnack. Wer etwas besonders sucht, muss sich eben auskennen. Und zum Beispiel zur rechten Zeit auf der Ninth Avenue eintrudeln, wenn es heißt: internationale Küche ausprobieren. Da gibt es äthiopischen Linseneintopf (und am selben Stand Spinatquiche, was mir nicht ganz so landestypisch vorkommt, aber ich war ja auch noch…

Mitten in den Nachrichten

Genau wie die anderen denke ich, das sei ja albern. Oder ein Scherz. Mitten im Konzert der Buzzcocks liest Sänger Pete von einem Zettel ab, dass der Fahrer eines Wagens gesucht wird. Mitten im Song, um genau zu sein. Kurz danach flimmert die Nachricht auch über die Monitore, nach dem Konzert steht sie auf einer Leinwand direkt vor der Bühne. Als Schlagzeuger Danny mich wie besprochen in den Backstagebereich abholt, sagt er: Ich glaube nicht, dass wir hier lange bleiben können. Die sprengen da draußen. Auch das halte ich für einen Scherz. Daraufhin zerrt er…

Der Wald wird gefegt

Privat untergebrachte Besucher wundern sich zuweilen, wenn nach einem langen Abend die Gastgeber in aller Frühe an der Couch vorbeihuschen. “Just moving the car”, sagen selbige dann verschlafen. Als ob Autos wie seinerzeit Pferde ab und zu einmal Bewegung brauchten. In Wirklichkeit kennen sie die Feinheiten der New Yorker Parkverbote. Die sind selten generell. Zu bestimmten Zeiten darf man, zu anderen darf man nicht parken. Und wenn die Parkerlaubnis morgens um sieben erlischt, muss man eben das Auto woandershin fahren. Und warum? Weil sonst kein Platz ist. Sehr viele Straßen sind Einbahnstraßen, in denen man…

Bitte lächeln!

Natürlich kann man sich auch ein graviertes Messingschild neben die Tür schrauben lassen. Ärzte sind auch in New York recht angesehen. Aber ihre Techniken, um Patienten auf sich aufmerksam zu machen, haben eine andere Bandbreite als in Deutschland. Wie man zum Beispiel in Spanish Harlem sehen kann: Hier kann man sich eine Zahnspange verpassen lassen. Ganz in der Nähe ist eine Schule.

Ach du Schande!

Im Supermarkt hängen drei Fotos an der Scheibe, so dass man sie direkt sieht, wenn man den Laden betritt.  Die Bilder zeigen Ladendiebe in Aktion, mal in diesem, mal in jenem Gang dieses Supermarkts. Sie stammen aus Sicherheitskameras, sind entsprechend etwas unscharf, aber ich denke, man kann die Diebe durchaus wiedererkennen. Und über jedem einzelnen steht: “Shame on you!” Es gibt keine Privatsphäre für Leute, die auch nur im Verdacht stehen, etwas Illegales getan zu haben. Die New York Post (wichtigste Boulevardzeitung hier) unterhält eine Rubrik namens “NYPD Daily Blotter”. Darin ist nach Stadtteilen aufgelistet,…