Als ich noch nicht lesen konnte, habe ich stundenlang in Fotoalben geblättert, die ich der Sage nach Billabuch nannte. Heute habe ich Dateien, die mit Bytezahlen protzen und auch voller Fotos stecken, die ich mir gerne anschaue. Leider sortiere ich sie nicht so schön ordentlich, wie meine Ahnen das mit Fotoecken in Alben voller spinnwebdünner Trennblätter taten. Doch dann stieß ich auf das Fopanet.

Zum fünften Mal schon ruft Michael von Erkunde die Welt unter dem Kurztitel Fopanet (Fotoparadennetzwerk) die Bloggerszene beisammen: „Zeigt mir eure schönsten Fotos!“, schreibt er dann, und immer geht es um die Bilder aus den vergangenen sechs Monaten, und er sammelt die Beiträge. Hier geht es zum Aufruf zum Fopanet 1/2017, der noch bis zum 18.7. läuft.

Diesmal, so habe ich mir geschworen, diesmal mache ich mit, weil ich dann nämlich endlich mal meine Fotos ordentlich durchsortiere, benenne, möglicherweise sogar mit Tags versehe. Das wird ein Spaß!

Mit eiferroten Wangen schob ich Dateien in einen Ordner, alles ab Januar, ist ja einfach, und dann mal gucken, was da drin ist. Bald schon hatte ich eine ganze Woche voller New York-Bilder durchgeschaut – was mir da so alles wieder einfiel! Zum Beispiel … was ich sonst noch so alles erledigen wollte. Als ich bei den Bildern von Mitte Februar angelangt war, kam ich endgültig ins Stocken.

Aber, lieber Michael: Du hast es geschafft, mich zum Durchhalten zu motivieren, allein schon weil ich die Beiträge im Fopanet so gerne anschaue (was allerdings kontraproduktiv ist, wenn man Bilder sortieren soll!). Zwar sind meine Fotos immer noch nicht ordentlich so benannt, dass ich sie direkt wiederfinde, aber … hier kommt jetzt tatsächlich mein Fopanet-Beitrag mit den besten Fotos aus dem ersten Halbjahr 2017.

Ach nee, doch nicht.

Das geht doch gar nicht, mal eben die Besten rausfischen! Zum Glück gibt Michael jedes Mal inspirierende Kategorien vor. Diesmal sind es Adjektive:

Ungewöhnlich, entspannt, fern, beleuchtet, alt und, ähm, verflixt: schönstes Foto.

Als ich fertig war mit dem Suchen, fiel mir prompt auf, dass ich „alt“ vergessen habe (möglicherweise eine Alterserscheinung?), und obwohl beim Fopanet das Regelnbrechen erlaubt ist, habe ich … weitergesucht. Dafür gibt es jetzt noch ein paar Bonus-Kategorien. Nun aber!

Alt

Flatiron Building New York

Das Flatiron Building gehört zu den großen Touristenattraktionen, es ist ja nun auch echt fotogen. Aus Spaß habe ich mal ausprobiert, wie das eigentlich ist, so zu fotografieren, wie ich es auf Instagram und Co. den ganzen Tag sehe. Beim Bearbeiten hatte ich im Sinn, das gute alte Bügeleisenhaus so aussehen zu lassen wie auf Fotos, als es noch neu war. Zack, wirken die gelben Taxis wie aus der Zeit gefallen.

Fern

New Yorks erster Schnee 2017

Das ist die Skyline von Manhattan. Sehr ihr nicht? Im ersten Schnee des Jahres 2017 konnte ich sie auch nicht mehr so gut erkennen. Ich finde es irre, wie sehr das Wetter den Eindruck von Entfernungen verändert. Manchmal kratzen die Hochhäuser New Yorks tatsächlich an den Wolken – und verschwinden drin. Mal scheint die eine Insel von der anderen nur ein paar Schwimmzüge entfernt, dann wieder unerreichbar. So wie auf diesem Foto. Mit der U-Bahn bin ich aber trotzdem dort hingekommen.

Entspannt

Hund auf Sofa Liz Glynn Installation New York

Warm war es nicht an diesem Tag, wie ihr vielleicht an der Kleidung der Leute erkennt. Und bequem eigentlich auch nicht. Aber diese Frau und ihr gigantischer Hund haben sich ganz entspannt aufs Sofa gesetzt. Das Sofa ist aus Beton. Und es ist Kunst (von Liz Glynn).

Beleuchtet

Muir Woods Kalifornien Fopanet 1-2017

Es ist, was es ist. Dieses Bild habe ich absichtlich nicht bearbeitet, und es ist auch nicht mit Heidentechnik, sondern mit dem Telefon aufgenommen (was ich übrigens grundsätzlich so halte, aber das ist eine andere Geschichte). Denn unperfekt ist Leben, finde ich. Auch dieser vermeintlich magische Moment war unperfekt.

Um mich herum waren viele Menschen, und einige von denen hatten trotz Trillionen Warnschilder und Bitten der Ranger nix Besseres zu tun, als die Botanik zu zerstapfen, auf Absperrungen zu klettern (Selfie-Time!!) und in einem Schweigeteil des Waldes herumzukrakeelen. Aber trotzdem war ich ganz verzaubert.

Mitten in diesem Wald aus riesigen Redwoods, dem Naturschutzgebiet Muir Woods in Kalifornien, trifft auf einmal die Sonne den Boden. Damit mein Auge und Hirn auch einmal etwas anderes zu verdauen bekommen als New York, versuche ich, regelmäßig einen anderen Bundesstaat zu erkunden. Wo ich dieses Jahr schon war, wisst ihr ja nun.

Ungewöhnlich

Adrian Villar Rojas

Sitzt da doch einer auf der langen Tafel des Banketts, hält sinnend einen Nilpferdkopf in den Händen, und Geisterarme lenken ihm den Blick! Jau, noch ein Foto mit Kunst, aber diesmal sitzt die Kunst selbst drauf, auf sich. Die Ausstellungen auf dem Dachgarten des Metropolitan Museum of Art sind sehr oft Kandidaten für eine Hitliste. Diesmal ist der Kontrast zwischen Wolkenkratzern, Baumwipfelmeer und Installation besonders schön anzusehen, finde ich. Der diesjährige Künstler heißt Adrian Villar Rojas, und wenn ihr mehr darüber wissen möchtet, habe ich hier etwas aufgeschrieben (mit noch mehr Fotos, versteht sich).

Schönstes Foto

Robbins Reef Lighthouse, New York Harbor

Manchmal sieht New York aus wie gemalt. Vor allem vom Wasser aus, glaube ich, aber da mag ich irren. Ganz sicher bin ich, dass der Leuchtturm da links mich in seinen Bann geschlagen hat, seiner Geschichte wegen. Die Frau eines Leuchtturmwärters, die zunächst entsetzt über das neue Zuhause war, arbeitete nach dessen Tod jahrzehntelang als Leuchtturmwärterin – und ruderte ihre Kinder von dort zur Schule. Vielleicht sieht man auf diesem Bild, wie einsam New York sein kann, manchmal, trotz der gut acht einhalb Millionen Menschen.

Und jetzt die Zugaben:

Lebendig

Tiger New York U-Bahn

Der kleine Junge ist nicht der Einzige, der zweimal hinschaut: Er ist lebendig, die Goldfische in der Tüte sind es nicht. Sie sind aus Stein. Aus Mosaikstein, um genau zu sein. Bei der Eröffnung von vier neuen U-Bahn-Haltestellen durften New Yorker auch die Kunst anschauen, die die Verkehrsbetriebe seit vielen Jahren für die Haltestellen in Auftrag geben. Hier standen quicklebendige, tatsächlich existierende Fahrgäste Modell. Wenn ihr mehr sehen möchtet, könnt ihr hier alles über den neuen Q train nachschauen.

Bunt

Chihuly New York Botanical Garden Glaskunst

Das ist der Beweis: Ich bin bis in den Juni vorgedrungen in meinem Fotoarchiv! Der botanische Garten New Yorks ist zu dieser Jahreszeit ohnehin schon bunt. Was da alles blüht! Diesen Sommer kamen besonders exotische Blüten hinzu. Sie sind aus Glas. Wenn ihr mehr davon sehen wollt: Ich hab mich gar nicht mehr eingekriegt!

Schriftlich

Door Staten Island Heroin

Seit dem Frühjahr gehe ich immer wieder zu diesem Bild zurück (Unordnung hin, Unordnung her) und setze an, darüber zu bloggen. Aber dann lasse ich es. Inzwischen glaube ich, dass das Bild selbst die Geschichte am besten erzählt. Aber weil wir hier ja in der Zugabenabteilung sind, gibt’s noch ein paar Infohäppchen.

Was da steht, ist nicht ironisch gemeint. Eine Kommune (ja, so was gibt’s noch!) aus netten Leuten hat in der Nähe eins ihrer Häuser. In dem sehr kurzen Häuserblock auf Staten Island kann man Tee trinken, Bücher kaufen, es gibt auch einen Friseur. Und einen Schrein. Er erinnert an Eric Garner, der genau dort von Polizisten ermordet wurde (vielleicht habt ihr damals den Satz „I can’t breathe“ mitbekommen).

Berühmt

Paparazzi Dogs von Gillie and Marc

Ja, nu, schon wieder Kunst, aber darum geht’s nur am Rande. Ein Selfie mit Paparazzi-Hunden ist ganz schön meta, oder? Ich bin übrigens total schlecht darin, Promis zu erkennen. In New York gilt es ohnehin als Fauxpas, ein Gewese um Selbige zu machen. Aber weil die (unter anderem genau deshalb) in der Stadt frei herumlaufen, fragen mich immer mal Leute, wen ich schon alles gesehen habe. Ach, jetzt fällt es mir ein: Diese beiden mit dem Selfie-Stick!

Besessen

Schnee 2017 New York

Über diese Szene vor einer Stadtteilfiliale der New Yorker Bücherei rätsle ich immer noch. Wahrscheinlich wollte jemand besonders ulkig sein. Oder hat da wer geschubst? Vielleicht hat es sich auch jemand mit einem Buch gemütlich gemacht. In New York ist alles möglich.

 

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