Die Tapfersten und ihre Gefallenen

Zwei Leute erzählen mir, wie sie im Fahrstuhl stecken geblieben sind. Ich möchte das gar nicht hören. Aber sie sagen, es sei doch lustig. Während ihm nämlich mulmig zumute war, fing sie an, sich so richtig zu freuen, nachdem er den Alarm ausgelöst hatte und es per Gegensprechanlage hieß: Da muss die Feuerwehr ran. Feuerwehrmänner gelten unter New Yorkerinnen als sexy. Meine Gesprächspartnerin konnte es nicht nur kaum erwarten, von einem gerettet zu werden. Sondern sie verfluchte den Fahrstuhl dafür, dass es darin keinen Handyempfang gab – sie wollte bei ihren Freundinnen damit angeben. Die…

Ganz unten

So, nach diesem Wochenende steht “Inception” also auch in den deutschen Kinocharts ganz oben. Oder unten, wie man’s nimmt. Ein entfernt Bekannter liegt mir mit einem Wort dazu in den Ohren: “Deep”*, sagt er mehrmals. ” So deep.” Er hat den Film schon dreimal gesehen und ist immer noch ganz geplättet. Er wolle den Film noch dreimal sehen, fragt aber nicht, ob ich denn wohl mitkäme. Vielleicht hält er mich für zu blöde. Dann höre ich jemand anderen sagen: “Oh, ich war übrigens in ‘Inception’. Ich weiß echt nicht, was die Leute alle haben, von…

Prost, Finanzkrise!

Neun Jahre lang hat Brad Estabrooke Wertpapiere verkauft und davon geträumt, damit so reich zu werden, dass er sich ein Weingut kaufen kann. Daraus ist nichts geworden. Und der Job im Finanzwesen ist seit Ende 2008 auch Geschichte. Jetzt schuftet Brad in einer Halle weit draußen in Brooklyn, die Rückenschmerzen kommen nicht vom Sitzen, sondern vom Wuchten. Und hinterher gibt es Schnaps. Schließlich soll der genau so schmecken, wie Brad es sich vorstellt. Er brennt hier – ganz legal – seinen eigenen Gin. Eins der Dinge, die ihm daran am besten gefallen: Nach einigen Tagen…

Für Postkarten bitte umdrehen

Les Claypool hat schon so einiges gesehen. Schließlich ist er als Sänger und Bassist der Band Primus weit herumgekommen. Aber das hier veranlasst ihn zunächst zu einem Kompliment für den Veranstaltungsort (Williamsburg Waterfront in Brooklyn), und er bekundet sein Bedauern, dass das Publikum nur den beeinträchtigten Ausblick bekommt, während er ein Postkartenbild sehen kann. Na, wenn es langweilig würde, könnten wir uns ja umdrehen. Es wird aber nicht langweilig. Eine Weile später ruft er in einen Song hinein: “Schaut euch das an! Das ist fantastisch! So etwas kriegen wir in Kalifornien nicht zu sehen.” Tatsächlich…

Einmanntheater

Auf dem Rückweg vom Klo fällt der Typ mir auf. Er hat den Oberkörper blank gezogen, zeigt seine Tätowierungen, der Schädel ist kurzrasiert, der Körper athletisch. Auf einer Hardcore-Punk-Show hätte er viele Freunde. Aber das hier ist keine Hardcore-Punk-Show. Eben habe ich The Whigs und den grandiosen Lee Fields gesehen, jetzt nutze ich die Pinkelpause, bevor The Black Keys auf die Bühne kommen. Ich weiche dem Typen großräumig aus, denn er verhält sich merkwürdig. Er reibt sich den Schädel, reißt den Mund auf, breitet die Arme aus – ich möchte nicht wissen, unter wessen Einfluss…

Love Parade von hier aus

Letzte Woche haben mich diverse Leute gefragt, ob hier über “Stilleben A40” berichtet wurde. Ein Kollege hatte sogar eine Umfrage gestartet, was Journalisten im Ausland von der Kulturhauptstadt Ruhrgebiet mitbekommen. Er wollte wissen, ob solche Großveranstaltungen als PR-Maßnahme funktionieren. Jetzt lese ich Fragen, welche Wirkung das Unglück auf der Love Parade auf eben jenes Unterfangen hat. Ich erinnere mich, wie mir Dieter Gorny vor fast drei Jahren im Interview sagte, die Love Parade – und nicht etwa ein lokales Festival wie Juicy Beats oder Bochum Total – solle deswegen ins Ruhrgebiet kommen, weil sie “internationale…