Dreck, Loch und Perspektive hätte dieser Artikel heißen können. Im berühmten New Yorker Bahnhof Grand Central hat die Geschichte so einige seltsame Dinge unter die Decke gehen lassen. Buchstäblich. Wer’s weiß, kann vor Besuchern damit herrlich angeben.

1. Mein Lieblinsmythos: Der verkehrte Sternenhimmel

 

Sternbilder in Grand Central

 

Sternbilder pinselten Whitney Warren und Paul César Helleu unter die gewölbte Decke von Grand Central. Doch kaum war der Bahnhof eröffnet, fiel jemandem auf: Die Sterne sind durcheinander! Seitenverkehrt zeigen sich Krebs, Löwe, Fische und Astro-Kollegen im Prachtbau. Peinlich für die Vanderbilt-Familie, die den Spaß bezahlt hatte.

Der Legende nach kamen die Vanderbilts aber rasch mit einem cleveren Konter um die Ecke: Das sei Absicht. Der Himmel über Grand Central sei aus Gottes Perspektive gemalt.

2. Schwarze Erinnerung an Raucherlungen

So schön grün-golden schimmerte die Decke nicht immer in Grand Central. Schließlich war das Rauchen auch nach Dampflokzeiten noch lange erlaubt, und das färbt auf die Umgebung ab. Die Sterne waren im Dreck irgendwann erloschen. Und ein Stückchen vom schwarzen Himmel ist noch da, knapp unter dem Ende der Linie, die durch den Krebs läuft.

 

Dreck-Rechteck im ehemals schwarzen Himmel von Grand Central

 

Der Grund: Als der Bahnhof in den 90er Jahren im großen Stil renoviert wurde, kam der Sternenhimmel wieder zum Vorschein. Und auch der Stolz auf den großen Unterschied. Deshalb durfte ein kleines Rechteck vom Dreck bleiben – als Mahnmal dessen, wie es vorher aussah. Mancher mag dabei auch mal an seine Lungen denken.


3. Ein Raketenloch im Himmel

Da hat sich wohl einer verrechnet! Die Rakete sollte doch ganz genau hier hineinpassen. Stattdessen mussten die Arbeiter sie beim Aufstellen in die Decke rammen. Die Raketenspitze steckte ganz in der Nähe der Fische – und das sieht man heute noch.

 

Loch von einer Raketenspitze in Grand Central

 

Was überhaupt eine Rakete im Bahnhof zu suchen hat? Nun, das war reine Show. Damals, Ende der 50er Jahre, lieferten sich Amerikaner und Russen ein Wettrennen darum, wer zuerst ins Weltall düst, und die Russen hatten soeben eine Rakete in den Orbit geschossen. Da hieß die Devise: Zeichen setzen. Nur offenbar keine Rechenzeichen.


4. Extra-Uhrzeit für Eilige

 

Abfahrttafel in Grand Central

 

“Abfahrt um drei Uhr zweiundzwanzig! Nun aber hurtig!” Das sehen die Verantwortlichen in Grand Central offenbar als Gefahrenquelle an. Deshalb unterscheidet sich die Abfahrttafel in Grand Central eklatant von dem, was ich aus Deutschland gewohnt bin: Pünktlichkeit (in der Zeitanzeige, meine ich).

Sämtliche Abfahrzeiten im New Yorker Bahnhof sind falsch. Sie werden absichtlich um eine Minute zurückgestellt. Der Grund: Notorische Auf-den-letzten-Drücker-Kommer haben so noch eine Chance, ihren Zug zu erwischen. Der fährt nämlich in Wirklichkeit erst um drei Uhr dreiundzwanzig.

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