Lebendig ohne Lebensretter

Oh, wie ich diese Jahreszeit in New York mag. Der offizielle Sommer fängt am Memorial Day an. Vorher wird es auch schon warm, aber das zählt nicht für die Massen. Es ist Vorsaison. Und da mache ich besonders gern etwas, das Touristen überhaupt nicht mit New York verbinden: Ich fahre an den Strand. Offenbar sind die Wolkenkratzer so mächtig, dass man leicht vergisst: New York liegt am Meer. Manhattan ist eine Insel, zwar nur in einem Fluss. Aber es gibt ja noch andere Stadtteile. Und viele schöne Strände, und wir reden jetzt nicht von den…

Ausgesuchte Lärmbelästigung

Sie wollen gar nicht vor einem sitzenden Publikum spielen. Aber da müssen sie jetzt durch. Heute ist mal wieder das große Vorspielen für “Music Under New York”. Die Verkehrsbetriebe lassen Musiker antanzen, die gerne unter der Stadt spielen möchten – in den Verbindungsgängen der U-Bahn, auf den Bahnsteigen, unter der Treppe. Im Fünf-Minuten-Takt treten die Talente auf einem Balkon in der Grand Central Station an, um eine Jury aus Musikern, Vertretern der Musikindustrie und aus Kultureinrichtungen, aber auch von der MTA zu überzeugen. Viel Wert legt der Veranstalter auf Bandbreite – schließlich fahren in New…

NRW von hier aus

So selten sind die Meldungen aus dem Ausland hier gar nicht. Selbst das Gratisblättchen “AM New York” bringt eine kleine AP-Meldung über die Wahl in NRW: “Voters in Germany’s most populous state dealt Chancellor Angela Merkel a painful setback yesterday”, das Ergebnis habe die Mehrheit der Regierung im Bundesrat ausgelöscht. Den nennen sie “the upper house of parliament”. In meinen Ohren klingt das britisch.

Alles Schlampen außer Mutti

Es ist erst morgen soweit. Aber man muss ja gut vorbereitet sein. Heute Abend wird der Gehsteig vor dem Waschsalon bei mir um die Ecke in einem Blumenmeer versinken. Der Mann, der sonst gerne bei der Waschsalonaufseherin herumlungert, wird dort sitzen,  Sträuße für 15 Dollar feilbieten und sich ausnahmsweise feingemacht haben. Erst einmal aber treffe ich meine alte Nachbarin, als ich nach der Post sehe. Sie kann nur schwer die Treppen steigen, sie kann kaum Englisch, und immer, wenn ich sie frage, ob ich ihre Einkäufe tragen darf oder ihr Hilfe anbiete oder auch nur…

Der Wald wird gefegt

Privat untergebrachte Besucher wundern sich zuweilen, wenn nach einem langen Abend die Gastgeber in aller Frühe an der Couch vorbeihuschen. “Just moving the car”, sagen selbige dann verschlafen. Als ob Autos wie seinerzeit Pferde ab und zu einmal Bewegung brauchten. In Wirklichkeit kennen sie die Feinheiten der New Yorker Parkverbote. Die sind selten generell. Zu bestimmten Zeiten darf man, zu anderen darf man nicht parken. Und wenn die Parkerlaubnis morgens um sieben erlischt, muss man eben das Auto woandershin fahren. Und warum? Weil sonst kein Platz ist. Sehr viele Straßen sind Einbahnstraßen, in denen man…

Referenzen, dahingeklatscht

Ich verbringe einen Gutteil des Nachmittags damit, über Arbeitsweisen zu sprechen. Darüber, wie man mit Ideen umgeht. Und darüber, wie man Aufmerksamkeit auf die eigene Leistung lenkt. Zum Beispiel über die Strategie, Social Media so lange intensiv mit Kontaktanfragen zu überziehen, bis man auffällt – ganz egal, ob man auch etwas vorzuweisen hat (abgesehen davon, dass man stundenlang nette Kommentare und Anfragen schreiben kann). Mein Stil wäre das nicht. Ich überzeuge lieber mit meiner Arbeitsweise und deren Ergebnissen. Aber ich frage mich immer mal, wie ich der Welt noch besser, prägnanter und kürzer mitteilen kann,…