Hier ein Tipp, falls ihr mal in die Situation kommen solltet, dass ihr mich davon überzeugen wollt, etwas gehe mit rechten Dingen zu: Sagt mir nicht immer und immer wieder, ihr hättet keine Geheimnisse. Das wissen die Freimaurer in der Masonic Hall nicht.

Secrets, secrets, secrets, höre ich bei einer Tour durch die Grand Lodge of New York, immer mit einer Verneinung davor. „Unser Geheimnis ist, dass wir keine Geheimnisse haben.“ Höhöhö. Zack, zuckt meine Augenbraue nach oben.

Oben ist es richtig schön in den riesigen Räumen, die ich dort zu sehen bekomme. Die Masonic Hall ist berühmt für ihre detailverliebte Innenarchitektur, und unterwegs bleibt mein Blick immer wieder an der Decke kleben.

Masonic Hall New York

Marmor, Gold und Edelstein! So was möchte man fast rufen. Aber eben nur fast. Das Geheimnis (ha!) dieser Freimaurerloge liegt in der Kunst der Täuschung. Den Freimaurern wird unterstellt, sie hätten die Mondlandung inszeniert, würden mit einem geheimen Netzwerk die Welt beherrschen oder das zumindest anstreben. Hahaha, nein, hier geht es darum, ein besserer Mensch zu werden, sagen sie, wenn man sie besucht. Und dann kriegen sie sich gar nicht mehr ein vor Stolz über einen dicken, fetten Fake.

Das da oben, das ist kein Marmor. Das ist gemalt. Und zwar so gut, dass es auch aus der Nähe – anderswo stehen Säulen – wie das teure Original aussieht. Und die feinziselierten Reliefs, Rosetten und sonstigen Verzierungen sind nicht etwa aus Edelholz geschnitzt, sondern aus Gips.

Masonic Hall New York

Fast niemand könne so etwas heutzutage noch – aber die Peruaner, die seien wahre Meister, plaudern sie bei der Führung aus. Die Räume, in denen sich die Logen der New Yorker Freimaurer treffen, wurden zwischen 1986 und 1996 unter der Führung von Restaurator Felix Chavez aufgerüscht. Und in jedem Saal steht eine passend dekorierte Orgel.

Masonic Hall New York Freimaurer

Die Musik, die bei den Freemasons eine Rolle spielt (welche genau, erfahre ich leider nicht), kommt allerdings nicht unbedingt aus den Orgelpfeifen. Deren Instandhaltung ist sauteuer, und wenn man eh schon einen Hang zum so-tun-als-ob hat … müssen sie einfach mal die Luft anhalten und toll aussehen.

Im Renaissance Room deutet der Tourguide begeistert auf die Reliefs entlang der Wände und der Decke. Alles in akribischer Kleinstarbeit gefertigt und angepinselt! Die Frauen auf den Deckengemälden kommen mir allerdings einsam vor.

Masonic Hall New York

Ooooch, sagt der Tourguide. Jetzt fange ich auch schon das Fälschen an, der kann doch gar nicht „ch“ machen! Aber auf die Frage nach weiblichen Freimaurern euphorisiert er sich beinahe dabei, dass die ja ihre eigene Organisation haben. Als sei das was Tolles.

Der Zutritt zu den Logen der feinen Herren bleibt Frauen auch im Jahr 2018 noch verwehrt – es sei denn, sie kommen während einer offiziellen Führung her. Oder zu einer externen Veranstaltung – die Masonic Hall vermietet ihre Säle fleißig. Irgendwo muss der Zaster ja herkommen, mit dem das Haus erhalten und allerlei Wohltätigkeit finanziert wird.

Masonic Hall Grand Lodge New York

Um Freimaurer zu werden, müsse man drei Bedingungen erfüllen: ein Mann sein (genauer gesagt: über 21 und mit dem passenden Geschlecht), einen guten Ruf haben (den ein Freimaurer und drei weitere Personen bezeugen), und an ein höheres Wesen glauben. Nach der Aufnahme gehe es dann darum, ein besserer Mensch zu werden.

Wie das genau ablaufen soll, erschließt sich mir bei meinem Besuch nicht. Die einzelnen Logen, so lerne ich, können alle möglichen Gründungsziele haben, sogar ein gemeinsames Hobby. Männerspaß, Mythologie und jede Menge Rituale … die Masonic Hall kommt mir vor wie ein reichverziertes, mit Symbolen vollgepacktes frat house, ein Studentenverbindungsheim.

Die Räume würde ich mir aber glatt noch einmal anschauen. Diesmal durfte ich nämlich nur einen Teil von ihnen sehen – und in diesen etwa nur im Vorbeigehen hineinlinsen.

Grand Lodge New York

 

Masonic Hall , 71 West 23rd St (Chelsea), Gratis-Führungen mo-sa 10.30 bis 14.15 Uhr, Details auf der Website.