Schön im sechsstelligen Bereich treibe ich mich herum, reich an Worten, nicht Moneten. So ist das also, wenn ich ein Buch über New York schreibe: Zeichen und Leerzeichen verbünden sich zu Sätzen, Absätzen, Kapiteln. Und mein Verlag hat auch noch Fragen.

Zum Glück fragt da niemand, beim wievielten Kapitel ich denn sei (die Antwort verrate ich euch ganz zum Schluss*, wir sind hier ja unter uns). Stattdessen trudeln mir da Interviewfragen in den Briefkasten. Das ist mir jetzt auch nicht völlig neu, aber meistens mache ich es ja andersherum und interviewe Leute aus New York.

Huch! Erwischt! Ich bin ja auch ein Leut aus New York!

Und jetzt eben auch noch eine, die ein Reisebuch schreibt. Und deshalb natürlich auch entsprechende Fragen aus der Lameng beantworten kann. Kann ich aber gar nicht. Jedenfalls diese hier nicht:

Welcher ist für Sie der schönste Platz der Welt?

Ich könnte diese Frage jetzt natürlich mit zwei Worten abkanzeln. Eins davon ist „York“. Aber erstens ist New York für mich zwar die irrste Stadt der Welt, aber das heißt doch nicht automatisch, dass es auch die schönste ist.

Zweitens klingt das doch arg weit gefasst. Ich meine, seit mehr als sechs Jahren finde ich in New York ständig neue Sachen, die ich unbedingt der ganzen Welt euch feinem Kreis aus Interessierten zeigen will, so viele und so verschiedene Orte, manche davon so schön, dass es wehtut, manche so seltsam, dass es schon wieder schön ist.

Genau dieser Gedanke hat mich auf die Antwort gebracht:

Das weiß ich nicht – ich habe doch noch gar nicht die ganze Welt gesehen!

(Das gesamte Interview könnt ihr übrigens hier nachlesen)

Ist doch schön, noch eine Menge Entdeckungen vor sich zu haben. Ein klitzekleines bisschen drückt mich das schlechte Gewissen, weil ich einfach nicht sagen kann, wo ich es denn nun am schönsten finde. Und ich bin auch neugierig, wie sich das wohl anfühlt, einen Ort zu haben, der ganz alleine der schönste auf der Welt ist.

Vielleicht könnt ihr mir das ja mal erklären. Also was für euch der schönste Platz der Welt ist und wie sich das anfühlt, so was zu haben. Sucht man sich den besser in der Nähe, damit man da immer hin kann? Oder ist die Sehnsucht das schönste daran? Absence makes the heart grow fonder?

Schreibt ihr mir mal, wie ihr das seht. Und wo ich mal nach dem schönsten Ort der Welt schauen sollte. Ich schreibe derweil weiter an meinem Buch.

 

* Weil ich total cool bin (oder doch eher mit dem Klammersack gepudert), schreibe ich gar nicht in der richtigen Reihenfolge. Also von Kapitel 1 zu 2 zu 3 zu … 35, wie ich es im Inhaltsverzeichnis geschrieben habe. Damit ich nicht durcheinanderkomme, habe ich einen Zettel mit allen Kapitelnummern und -themen, und da kann ich abhaken, wo schon die Buchstaben am richtigen Platz stehen. Und inzwischen fülle ich da immer kleiner werdende Lücken. Und wenn ich mir ein neues Thema vornehme, komme ich mir fast wie eine Lottofee vor. Nummer 35 war übrigens noch nicht dabei.

 

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