Im Juni beginnt die Sommersaison in New York, und da scheint nicht nur die Natur übermütig, sondern auch das Veranstaltungsangebot. „Habe ich das eben geträumt?“, könnt ihr euch quasi an jeder Ecke fragen. Wer mag, mischt sich unter Meerjungfrauen oder sieht die U-Bahn durch die Augen einer Ratte. Unterdessen marschiert die Politik fröhlich (!) durch die Straßen und ins Museum.

Figment: Dream Bigger 2017

Mit dem Wort „Figment“ fängt die englische Sprache etwas ein, das man sich im Oberstübchen eingebildet hat. Und so bringt das Figment Project seit zehn Jahren jede Menge Fantasie auf die autofreie Insel Governors Island – und lädt Groß und Klein zum Mitmischen ein. Dieses Jahr zum Beispiel darf man für eine Art IRL Videospiel in die Haut einer U-Bahn-Ratte schlüpfen, mit freundlichen Fremden tanzen und Orte rund um die Welt erriechen. Zwei Installationen bleiben auch für den Rest des Sommers auf der Insel: Der durchgeknallte Gratis-Minigolfplatz (bis 24. August) und der City of Dreams Pavilion, dieses Jahr wird das eine Skulptur aus 300.000 Alu-Dosen – so vielen, wie in New York binnen einer Stunde weggeworfen werden.

3. + 4. Juni, 10-18 Uhr, Governors Island (Fähre von Manhattan links neben dem großen Staten Island Ferry Terminal; außerdem erreichbar mit der NYC Ferry), GRATIS, Details auf der Website.

Musical Chairs (Die Reise nach Jerusalem)

Wer hier als Letzte auf den Beinen ist, hat verloren: Das Spiel um eine Reihe von Stühlen, auf denen alle Platz zu nehmen versuchen, sobald die Musik aufhört (und natürlich steht genau ein Stuhl zu wenig herum) nimmt an diesem Abend ein enormes Ausmaß an. Rund 700 Menschen kämpfen auf dem Rasen des Bryant Parks in mehreren Stuhlkreisen und Runden darum, ihr Gesäß auf den letzten Stuhl niederzulassen.

5. Juni, 19.30 bis 21.30 Uhr, Bryant Park (zwischen 5th und 6th Avenue und 42nd und 44th St), GRATIS, aber mit Anmeldung, Details auf der Website.

Mermaid Parade

Als es im am Strand gelegenen Vergnügungsviertel Coney Island (Brooklyn) bergab ging, kamen kreative Geister auf die Idee, die Lage am Meer als Ausgangspunkt für ein fröhliches Fest der Hoffnung und des Übermuts zu nutzen. Seither verkleiden sich immer mehr New Yorker als Meerjungfrauen, Wassermänner, Quallen und sonstige Meeresbewohner, und inzwischen kommen Hunderttausende zum Zuschauen, ebenfalls zumindest ein bisschen kostümiert. Doch das gestiegene Interesse führt auch zu höheren Kosten für behördliche Genehmigungen und Ähnliches, und so bekommt die schönste Parade New Yorks zu ihrem 35. Geburtstag ein ganz doofes Geschenk: Geldsorgen. Die Veranstalter versuchen, mit der „Feed The Mermaid“-Kampagne gegenzusteuern. Wenn alles gutgeht, werden dieses Jahr Meerjungfrauenkönigin Debbie Harry und Neptun Chris Stein (beide bekannt als Köpfe von Blondie) ihr Volk zum Meer führen.

17. Juni, 13 Uhr, Surf Avenue, Coney Island (Brooklyn), GRATIS, Route und Details auf der Website.

Egg Roll Egg Cream Empanada

Steht eine Synagoge in Chinatown … das ist nicht der Beginn eines rassistischen „Witzes“, sondern typisch New York. Das Museum at Eldridge Street lässt jedes Jahr die Kulturen der Straße im südlichen Manhattan aufeinandertreffen. Weil in New York nicht nur die Liebe, sondern auch die Völkerverständigung durch den Magen geht, war sie zunächst nach traditionellen Leckereien aus der chinesischen (Egg Roll) und jüdischen (Egg Cream) Küche benannt. Inzwischen haben sich auch die puertoricanischen Bewohner der Gegend mit Empanadas einen Platz in der Küche gesichert. Bei dem Fest folgen Pekingoper und Klezmer aufeinander und man lernen kann, puertoricanische Spitze zu klöppeln, Mahjong zu spielen oder eine Yarmulke zu basteln.

18. Juni, 12-16 Uhr, Eldridge Street (zwischen Canal und Division St), Chinatown, GRATIS (abgesehen vom Essen), Details auf der Website.

Swedish Midsummer Festival and Dance

Die schlechte Nachricht: Die Tage werden wieder kürzer. Die gute: Auch das ist ein Grund zum Feiern! Mit dem Mitsommerfest will das schwedische Generalkonsulat Kultur buchstäblich begreifbar machen – auch wenn es in New York abends richtig dunkel wird. Deshalb kann man dort die Mitsommerstange dekorieren, Blumenkränze fürs Haar binden, schwedische Mitsommertänze lernen – und natürlich passende Leckereien probieren.

23. Juni, 17 bis 20 Uhr, Wagner Park (rechts neben dem Battery Park), GRATIS (Essen kann man kaufen, Alkohol gibt es nur auf einem kleinen Teil des Geländes), Details auf der Website.

Theater of the Resist

Widerstand ist in New York nicht nur bunt und draußen, sondern auch intellektuell und museumsreif. Neun Wochen lang beherbergt das Met Breuer – die neueste Filiale des Metropolitan Museum of Art, die in den früheren Räumen des Whitney Museums beheimatet ist – ausgesprochen politische Aufführungen und Filmvorführungen. Den Anfang macht der ägyptische Herzchirurg und Politsatiriker Bassem Youssef.

23. Juni bis 12. August, jeweils freitags und samstags um 18 Uhr, Met Breuer, Eintritt ca. 25 Dollar (wenn ihr tatsächlich keine Kohle fürs Museum habt, dürft ihr auch weniger zahlen; die Veranstaltungen selbst kosten nichts extra), Details und Programm auf der Website.

NYC Pride

In Deutschland ist es eher als Christopher Street Day bekannt: Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle und ihre vielen Freunde ziehen bei der größten Veranstaltung dieser Art am 25. Juni über die Fifth Avenue. Ein Tag reicht für diese Feier der Toleranz und Vielfalt schon lange nicht mehr, weswegen die Parade in New York nur noch als „The March“ bekannt ist; die ganze Woche davor finden bereits zahlreiche Veranstaltungen statt, angefangen mit einer Kundgebung am 16. Juni. Der Marsch selbst fand 1970 zum ersten Mal statt und wird dieses Jahr zum ersten Mal im Fernsehen übertragen.

16. bis 25. Juni, diverse Orte; Details und Programm auf der Website.
25. Juni: die berühmte NYC Pride Parade startet um 12 Uhr, ab 36th geht es die Fifh Avenue herunter, dann Richtung Christopher Street, GRATIS, Link zur Route hier.

 

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