Wer ganz genau hinfühlt, spürt im August in New York ein bisschen Ruhe einkehren. Traditionell verlassen New Yorker, die es sich leisten können, in diesem Monat die Stadt. Allerdings haben auch anderswo Leute grad Urlaub und strömen in die irrste Stadt der Welt – vielleicht ja sogar ihr? Wenn ja, hätte ich ein paar Termintipps für euch.

Summer Streets

An drei Samstagen im August beendet New York den Dauerstau: Bis mittags ist die Park Avenue für Autos gesperrt, und Fußgänger und Radfahrer üben friedliche Koexistenz – vom Central Park bis zur Brooklyn Bridge. Die Strecke von rund 11 Kilometern säumen viele Spiel- und Unterhaltungsangebote, von Konzertbühnen und Öko-Infoständen über Wasserrutschen und Seilrutsche bis hin zum Seedball-Rollen, Zeichenkurs und Abenteuer-Parcours.

5., 12, + 19. August, jeweils 7 bis 13 Uhr, Park Avenue vom Central Park bis zur Brooklyn Bridge, GRATIS, Details auf der Website.

„Selma“ mit Live-Filmmusik

Diesen Film habe ich unter den vielen Umsonst-und-draußen-Kinoveranstaltungen in New York im August ausgesucht, weil er noch etwas drauflegt: Musik. Das Geschichtsdrama „Selma“ ist nach der Stadt benannt, in die Martin Luther King reiste, nachdem er den Friedensnobelpreis bekam. Dort setzte er sich weiter für das Wahlrecht der Schwarzen ein, was auf gewaltsamen Widerstand stieß – aber schließlich in einen Marsch nach Washington mündete. Der Film wurde sowohl bei den Golden Globes als auch bei den Oscars als bester Film nominiert, gewann aber in der Kategorie „Bester Song“. Die Musik von John Legend und Common spielen an diesem Abend der gefeierte Jazzpianist Jason Moran und das Wordless Music Orchestra live zum Film. Vorher bringt euch die Brooklyn United Marching Band in Stimmung, selbst nach Washington zu marschieren.

10. August, 19.30 Uhr (Einlass: 18.30 Uhr), Prospect Park Bandshell, nächster Eingang 9th Street Ecke Prospect Park West in Park Slope (Brooklyn), um eine Spende von 5 Dollar wird gebeten, Details auf der Website.

The Total Gowanus Immersion

Okay, den Witz an diesem Termintipp muss ich erklären: Gowanus ist ein nach dem gleichnamigen Kanal benanntes Viertel in Brooklyn, und jener Kanal ist eine solche Umweltkatastrophe, dass seine Sanierung zwar beschlossen ist, aber nicht so ganz klar, wie man das giftige Zeug auf seinem Grund und im Wasser da vernünftigt wegkriegen soll. Mit „Eintauchen“ ist die Veranstaltung also etwas ungücklich formuliert. Gemeint ist eigentlich ein feuchtfröhliches Erkunden. In Gowanus gibt es eine Brauerei und ganz coole Kneipen, außerdem Eis und einen schrägen Souvenirladen – und mit einem Ticket kann man einen Zug durch die Gemeinde machen. Achtung: Teilnehmer müssen mindestens 21 Jahre alt sein!

12. August, 12 bis 18 Uhr, Gowanus (Brooklyn), ab ca. 15 Dollar, Details und Tickets auf der Website.

Hong Kong Dragon Boat Festival

Dieses Rennen beruht auf einer uralten chinesischen Sage: Demnach warf sich ein missverstandener Patriot im Exil in die Fluten, Fischer rasten los, ihn zu retten, schafften es aber nicht. Damit sein Körper nicht den Fischen zum Opfer fiel, warfen sie Essen ins Wasser. Die daraus entstandene Tradition hält der New Yorker Ableger nun schon seit 26 Jahren aufrecht: Nachdem ein buddhistischer Mönch die als Drachen dekorierten Boote gesegnet hat, rudern rund 180 Teams in zahlreichen Rennen, als ginge es um Leben und Tod. Zum Festival gehört auch jede Menge Essen, das allerdings nicht ins Wasser geworfen, sondern gegessen wird. Auch Musik, Tanz und Martial Arts-Vorführungen der Shaolin-Mönche gehören zum Programm.

12. + 13. August, jeweils 10.30 bis 16 Uhr, Flushing Meadows Corona Park (Queens), GRATIS, Details und Wegbeschreibung auf der Website.

(Teilweise) Sonnenfinsternis

New Yorker kennen mit Manhattanhenge ein zweimal jährlich wiederkehrendes Sonnenspektakel, aber jetzt kriegt das Universum noch einen Schwall mehr Stoßgebete für wolkenfreien Himmel: Eine Sonnenfinsternis wirft – höhö – ihren Schatten voraus. Um eine komplette Finsternis zu erleben, muss man von NYC aus ungefähr 10 Stunden mit dem Auto fahren (plus unzählige Stunden im Stau stehen). In New York selbst soll der Mond die Sonne zu etwa drei Vierteln verdecken. Unbedingt beachten: Wer in die Sonne starrt, muss die Augen mit einer Spezialbrille vor bleibenden Schäden schützen (eine Sonnenbrille reicht nicht)!

21. August,

  • 14:44 Uhr, Ort nach Wahl (empfohen werden Parks mit viel Freifläche – aber nicht ohne Spezialbrille), GRATIS
  • 12 bis 15 Uhr, Teleskop-Übertragung im Hayden Planetarium, American Museum of Natural History, Details auf der Website.

Jazz Age Lawn Party

Viele New Yorker haben großen Spaß daran, sich schickzumachen oder zu verkleiden. Bei dieser Veranstaltung läuft es auf dasselbe heraus: Im feinsten 20er Jahre-Zwirn taucht man hier auf, um zu picknicken, Croquet zu spielen, Rosé zu schlürfen, den Bands zu lauschen und dazu einen Charleston oder Peabody aufs Parkett zu legen – dafür liegt extra Holz auf dem Rasen.

26. + 27. August, jeweils 11 bis 17 Uhr, Governors Island (Fähre fährt an der Südspitze Manhattans für 2 Dollar), Eintritt ab 45 Dollar, Details auf der Website.

Afropunk

Dasselbe Wochenende, andere Musik: Die New York Times nennt es „das multikulturellste Festival der USA“, und diesen Ruf verteidigen in diesem Jahr unter anderem Macy Gray, Thundercat, Dizzee Rascal und Willow Smith. Entstanden ist Afropunk in Brooklyn, um denjenigen, die in der Konzertszene nicht dazugehörten, ihr eigenes Forum zu schaffen – und heute kann man sehen, wie weit sie gekommen sind.

26. + 27. August, Commodore Barry Park, Flushing Avenue Ecke North Eliot Place, Fort Greene (Brooklyn), Eintritt ab 55 Dollar (Tagesticket), Details auf der Website.

 

 

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