Schießbudenfiguren

Einer dieser Fische gehört mir. Ich habe tatsächlich einen Tischtennisball in eins der Gläser geworfen, und nun bekomme ich einen Goldfisch. Oder ein Stofftier. Ich überlege kurz, ob ich auf diese Weise wenigstens eins der Tiere erlösen soll, aber draußen ist es verdammt kalt, und ich bezweifle, dass so ein Fisch im Glas das Geschwappe auf dem Weg zur U-Bahn überlebt. Also nehme ich ein Stoff-Seepferdchen (mit Ohren!). Natürlich sieht es nur so aus, als würde man da Fischen einen Ball auf den Kopf ploppen lassen. Nur die Gläser in der ersten Reihe sind gefüllt,…

Moment mal: Schuh ohne Kuh

Erica and Sara Kubersky waren es leid. Sie mochten Tiere, aber Tierprodukte lehnten sie ab – und immer, wenn sie Schuhe kaufen gingen, wurde das zu einem Problem. Statt sich also wieder einmal die Hacken abzulaufen auf der Suche nach Fußkleidern, die in ihrem Vorleben nicht an einem Rind hingen, planten die beiden einen Laden mit der Auswahl, die ihnen fehlte. Den ersten New Yorker Laden mit ausschließlich veganen, also lederfreien Schuhen und Accessoires  eröffneten sie 2001. Das Geschäft zog zweimal um, bis es in der Orchard Street auf der Lower East Side landete. Ursprünglich…

Harte Schale

Nein, ich habe nicht begonnen, mir Filetspitzen in die Nudeln zu schnetzeln. Es sind auch keine Waldpilze – von der Saison her käme es diesem Gericht aber näher. Püriert in der Sauce, geröstet obenauf schmeckt mir hier gleich Kürbis. Den mag ich sehr gerne; seine harte Schale dagegen mag ich nicht, und viele Sorten müssen nun einmal geschält werden. Deshalb bin ich entzückt, dass es bei der Einladung zum Essen heißt: Es gibt Kürbis. So kurz vor Halloween ist er hier allgegenwärtig – kleine Zierkürbisse bieten sogar die Delis an, die sich ansonsten mit frischem…

Wassermusik

Es ist eine typische Szene: Die Punkrocker haben sich in Schale geworfen, jeder auf seine Art, und die einen singen mit Mikro, die anderen ohne. Me First & The Gimme Gimmes reden dummes Zeug, schlachten ein paar Hits (die Band spielt ausschließlich Coverversionen in überhöhter Geschwindigkeit) und sagen schließlich: “Wir sind die beste Coverband, die hier je gespielt hat.” Hier haben vermutlich schon eine Menge Coverbands gespielt, man kann die Räumlichkeiten schließlich für Privatfeiern mieten. Bei einer Party wie dieser ist es ganz normal, dass die Jungs im Publikum sich, sagen wir mal: anrempeln. Von…

Moment mal: Gefundenes Fressen

Essen entfaltet seinen Geschmack im Mund. So weit, so gut. Aber das ist ja nicht alles. Deshalb haben es heute gleich zwei Ernährungsmöglichkeiten in die Zeitungen geschafft. Erstens: Das Gericht eines Fast Food-Unternehmens, das die Fotografin Sally Davies im April gekauft und seither immer mal wieder fotografiert hat – sagt sie jedenfalls. Das Zeug ist nämlich immer noch nicht verschimmelt, und im Gegenzug argwöhnt jetzt das Unternehmen, dass die Fotografin das Essen per Gefrierschrank oder mit anderen Methoden konserviert hat. Zweitens: Schon vor der Zubereitung entwickeln manche Lebensmittel einen typischen Geruch. Im aktuellen Fall verursacht…

Alles muss raus

Ich war schon lange nicht mehr auf dem Flohmarkt in Fort Greene. Brooklyn Flea veranstaltet inzwischen mehrere dieser Art, das Prinzip ist immer dasselbe: Nur ausgesuchte Händler kommen auf das Gelände, und so sieht das dann auch aus. Es gibt viel Vintage (sowohl Mode als auch Möbel, darunter Designerteile) und dazwischen kleine Designer und Kunsthandwerker aus der Gegend, dazu handverlesene Imbissstände, die zum Beispiel neu interpretierte Hotdogs (mit abgefahrenen Toppings) oder winzige Cupcakes anbieten. Es lohnt sich immer noch, sich hier umzusehen. Ich habe ein bisschen Angst, dass ich ein Möbelstück finde, das ich gerne…

Ein Blick kann reichen

Wir haben nicht viel Zeit. Eine meiner ehemaligen Studentinnen hatte sich entschlossen, nach dem Studium für ein Jahr als Au-Pair in die USA zu gehen, und am Montag begann ihre Schulung in einem Hotel in New Jersey. Erst sieht es so aus, als müsste ich sie dort treffen, aber dann gehört sie doch zu den Auserwählten, die am Abend kurz nach New York City fahren dürfen. Für eine Stadtführung reicht die Zeit nicht im Ansatz, und ich bin schon ganz geknickt und besorgt. Aber sie und ihre beiden Kurskolleginnen sagen hinterher: Darauf wären wir nie…