Dies ist der Auftakt zu einer neuen Reihe: dem Haltestellen-Puzzle! Dabei zeige ich euch 5 Dinge, die ihr in der Nähe einer Haltestelle in New York machen könnt. Weil die Geschmäcker verschieden sind, mische ich fröhlich Kultur, Essen, Einkaufen, Sehenswürdigkeiten … und achte drauf, dass so oft wie möglich auch etwas Skurriles, Schräges, Ungewöhnliches dabei ist.

Da fange ich doch gleich schräg an. Statt – wie in den nächsten Folgen – eine U-Bahn-Haltestelle zum Ausgangspunkt zu nehmen, steigen wir in die Fähre. Die Staten Island Ferry, um genau zu sein. Die fährt von der Südspitze Manhattans, kostet nichts (!) – aber die meisten Touristen nehmen sie nur, um mal eben an der Freiheitsstatue vorbeizupreschen und dann gleich wieder zurückzufahren.

St George Staten Island Ferry

Noch jedenfalls. An der Haltestelle auf Staten Island, die nach dem gleichnamigen Viertel St. George heißt, künden gleich zwei Großbaustellen von Touristenmagneten. Gleich an der Fährstation entsteht ein Billig-Einkaufszentrum, das noch in diesem Jahr eröffnet werden soll, und ein Stück weiter nach Westen wird ab 2018 ein gigantisches Riesenrad stehen.

Wir steigen aber jetzt schon in St. George aus und folgen dem Strom der Leute, biegen aber nicht wieder in die Wartehalle für die Fähren ab, sondern gehen … raus. Das geht entweder (mit den Fähren im Rücken) geradeaus, wo auch die Busse fahren (für die meisten der genannten Tipps) oder, wie jetzt beim ersten Tipp, nach rechts. Los geht’s!

Das 9/11 Memorial von Staten Island

Staten Island 9/11 Memorial

Postcards – Staten Island 9/11 Memorial, aufgenommen im September 2011.

Lange vor dem bekannten Memorial für die Opfer der Anschläge des 11. September 2001 hat Staten Island die Lücke eingerahmt, die die beiden Türme des World Trade Centers hinterlassen haben: „Postcards“ von Masazuki Sono.

Innen in den beiden weißen Wänden kann man die Trauer erspüren: Das Relief eines Gesichts begleitet jeden einzelnen Namen. Mehr Fotos davon könnt ihr euch in einem Beitrag von 2012 anschauen – als das neue One World Trade Center noch nicht zu sehen war.

Esplanade, am Ufer neben der Fähren-Haltestelle, Ausgang rechts nehmen.

Comics und Spezial-Souvenirs: Hypno-Tronic

Noch zieht St. George keinen Schnäppchenjägerinnen, sondern Spezialistinnen den Geldbeutel leer: Ein Comicladen erfreut die Gemüter mit Superheldengeschichten, Fan-Artikeln und makabrem Humor.

Freiheitsstatue Zombie St. George

Hier – und nur hier – gibt es nämlich auch eine Zombie-Freiheitsstatue. Noch jedenfalls, die Auflage der handgefertigten Grusel-Souvenirs ist limitiert. Die Besitzer von Hypno-Tronic haben sie bei Joe Reginella in Auftrag gegeben, einem Künstler aus Staten Island, der im vergangenen Jahr bereits der urbanen Legende vom Krokodil in der New Yorker Kanalisation Konkurrenz machte. Er erfand ein absurdes Fährunglück, bei dem eine Riesenkrake eine Fähre auf den Grund des Hafens zog, baute dazu Website und PR-Material und Gedenkstatue – und halb Tourististan fiel darauf herein (viele New Yorker obendrein).

Wenn ihr vom Hochlaufen (von der Fähre aus geht es schließlich über die Ampel und eine Treppe hoch) Appetit bekommen habt, schaut doch einen Katzensprung vom Comicladen entfernt bei Enoteca Maria, wer gerade in der Küche steht. In dem Restaurant kocht eine wechselnde Crew aus Omas aus verschiedenen Teilen der Welt ihre Spezialrezepte plus die italienische Küche der Gründerinnen.

Hypno-Tronic, 156 Stuyvesant Place, St. George, mo-sa 11-19 Uhr.

Enoteca Maria, 27 Hyatt Street, St. George, Öffnungszeiten und Küchenplan auf der Website.

Leuchttürme groß und klein: Das National Lighthouse Museum

Lighthouse Museum Staten Island Leuchtturmmuseum New York

Wohin passt ein maritimes Museum wohl besser als direkt ans Wasser? Das National Lighthouse Museum steht sogar genau dort, wo früher allerlei Material für die Leuchttürme der USA hergestellt und gelagert wurde – von den Linsen für die Lichter bis zum Klorollenhalter.

Das Museum ist noch verhältnismäßig klein, weil weitere Gebäude erst noch saniert werden müssen. Aber es erklärt auch jetzt schon anschaulich, wie Leuchttürme früher und heute funktioniert haben. Wie unterschiedlich sie aussehen, kann man an der Wall of Lights bestaunen: Da stehen lauter Miniaturleuchttürme aus aller Welt. Übrigens habe ich erst neulich einen Extra-Beitrag über das Leuchtturmmuseum geschrieben.

Miniatur-Leuchttürme in der Wall of Lights-Ausstellung in New York

Everything Goes: Kaffeetrinken, Schmökern und Klamottenkaufen beim Kollektiv

Ein Stück die große Hauptstraße vor der Haltestelle St. George, die Bay Street entlang, taucht eine fast schon vergessene Welt auf: das Imperium von Everything Goes, das man sicherlich gar nicht Imperium nennen darf. Drei Läden gehören dazu, und sie alle folgen einer Idee von Gemeinschaft und dem Wert von Dingen – die man besser wiederverwerten als wegwerfen soll.

Everything Goes Staten Island

Zuerst führt der Weg am Secondhandladen des Kollektivs vorbei, dessen Mitglieder zusammenleben und die Gewinne teilen. Dann geht es zum 1983 eröffneten Secondhand-Buchladen, zu dem auch ein Café gehört. Letzterer liegt nur wenige Schritte von der Stelle entfernt, an der der Schwarze Eric Garner starb, nachdem ein Polizist ihn in den Würgegriff genommen hatte.

Everything Goes Clothing, 140 Bay Street, di-sa 10.30-18.30 Uhr.

Everything Goes Book Cafe, 208 Bay Street, di-do 12-21 Uhr, fr & sa 12-22 Uhr, so 12-17 Uhr.

Abstecher: Snug Harbor – Ruhe, Blumen und Kunst im ehemaligen Seemannsheim

Snug Harbor Staten Island

Es war einmal ein ehemaliger Kapitän, der sich in den Kopf gesetzt hatte, Seeleuten einen Alterssitz zu geben. Seine Erben fanden das doof, vor allem, weil der alte Mann ein Sahnestückchen Grundbesitz in Manhattan besaß, auf dem er seinen „Sailors‘ Snug Harbor“ angesiedelt haben wollte. Die Lösung war ein Neubau auf Staten Island.

Heute dürfen wir Robert Richard Randall dankbar dafür sein, dass wir in den alten Gemäuern von Snug Harbor erfahren, wie die ausgemusterten Seeleute dort lebten – als Selbstversorger und mit viel Handwerk. Außerdem gibt es Kunstausstellungen, und die Künstler, denen ein Residenzprogramm das Privileg beschert, für einige Monate in einem der Offiziershäuser zu wohnen, öffnen manchmal ihre Ateliers. Das Land drumherum ist heute größtenteils ein schöner Botanischer Garten inklusive Irrgarten für die Kids. Und manchmal sieht man an der Statue von Randall ein Containerschiff vorbeiziehen.

Snug Harbor Staten Island

Snug Harbor Cultural Center & Botanical Garden, 1000 Richmond Terrace, von der Haltestelle St. George aus mit dem Bus S40 in ca. 8 min bis Sailors Snug Harbor Gate (dem Busfahrer beim Einsteigen sagen, ihr möchtet nach Snug Harbor und er soll die Haltestelle ansagen), Öffnungszeiten auf der Website.

 

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