Viele Worte müssen herhalten, um Manhattan zu beschreiben. Big Apple. Großstadtdschungel. Modernes Quartett.

Hä?

Ja, doch. Die Wolkenkratzer in Midtown sollen sich schließlich nach dem Willen ihrer Erbauer*innen gegenseitig ausstechen. Das war schon vor fast hundert Jahren so, und dabei zuweilen recht unterhaltsam – lest mal meine Geschichte über das Chrysler Building. Höher, größer, mehr Fläche, teuerste Baukosten, teuerstes Penthouse – da gibt es viele Gewinnmöglichkeiten. Auch wenn das Quartettspiel aus der Mode ist, Sammelkarten könnte ich mir gut vorstellen. Die gibt’s hier allerdings mit dem Antlitz von Baseballspielern, nicht mit Hausfassaden. Vielleicht, weil sich die Daten da noch schneller ändern?

Im Schnelldurchlauf schaue ich mir die Skyline manchmal dann eben in 3D an, vom East River aus, genauer gesagt, von der Fähre aus. Diesmal habe ich mir nicht nur draußen auf Deck den erfrischenden Wind um die Nase wehen lassen – Achtung, festhalten! – sondern unterwegs die Kamera mitlaufen lassen.


Die Soundview-Route führt von der 34th Street, also auf Höhe des Empire State Buildings, bis zur 90th Street, das ist knapp hinter Gracie Mansion, dem Haus des Bürgermeisters Bill de Blasio. Und Midtown entlang (bis 59th Street) bringt diese Fährenroute viele Kandidaten fürs Wolkenkratzer-Quartett.

Als Bonus sieht man vom Hauptsitz der Vereinten Nationen nicht nur das 154 Meter hohe, von Oscar Niemeyer und Le Corbusier entworfene Hochhaus, sondern auch das flache, langgestreckte Conference and Visitor Center und das runde General Assembly Building, in dem täglich Weltpolitik betrieben wird bzw. regelmäßig im September die UN-Generalversammlung stattfindet. Diese Bauten kann man von Land aus außer bei einer Führung auf dem UN-Gelände so gut wie gar nicht sehen.

Mein Lieblingswolkenkratzer, das Chrysler Building, taucht auf, glitzert, verschwindet – und zack, blinkt es wieder. Dagegen kommt der Trump World Palace mit all seiner bräunlichen Düsterheit nicht an. Für Superlative reicht es auch nicht, seinen Platz als höchstes Wohnhaus der Welt hat es bereits zwei Jahre nach dem Bau abgegeben, und auch in New York wurde es längst überholt. Unter Wolkenkratzern New Yorks ist eben nichts von Dauer – außer den dauernd irgendwo auftauchenden Baugerüsten.