Als Silvia und Astrid vom speichel- und leseflussfördernden Blog Leckere Kekse mir sagten, dass sie quasi italienische Wochen veranstalten wollen, nämlich eine Blogtour namens „Bella Italia“, hatte ich sofort eine Idee: Ich erzähle euch jetzt, wie Pizza nach Amerika kam.

Wie Pizza nach Amerika kam

„Es kann ja nur besser werden“, sagt sie und setzt diesen strengen Gesichtsausdruck auf. Gennaro weiß, wie schwer es ist, jetzt nicht zu weinen. Er schluckt. Er ist vierzehn, alle in seinem Alter arbeiten, aber es reicht trotzdem nicht zu Hause, hinten, vorne und vor allem auf dem Esstisch nicht. Gennaro war immer Mammas Liebling, und jetzt bekommt er seine Chance. Er geht nach Amerika.

Ziti Pizza

Ja, das sind Nudeln auf der Pizza. Und nein, so was gibt es auch in New York nicht an jeder Ecke.

Der Mann mustert ihn, er schaut auf den Brief, auf Gennaro, zurück auf den Brief. „Du willst ein Bäcker sein?“, grollt sein Bass. Gennaro ist immer kleiner geworden bei dem ganzen Gespräch, aber jetzt hebt er den Kopf und schaut dem Mann ins Gesicht. Seine ganze Familie war stolz darauf, wie gut sich Gennaro selbst im glutheißen Sommer an einem Ofen voller Kohlen anstellte. Er braucht nur eine Chance.

Der Mann mustert ihn erneut. „Dafür bin ich doch hergekommen“, sagt Gennaro. „Für eine Chance.“ Der Mann lacht. Es ist 1895, und Gennaro Lombardi hat seinen ersten Job in New York an Land gezogen. Zehn Jahre später hört er einen vertrauten Satz. Der Chef will sich zur Ruhe setzen und bietet Gennaro die Nachfolge an. „Du bist doch hergekommen, weil du eine Chance wolltest“, sagt er. Und er hat ja recht.

Die erste Pizzeria Amerikas eröffnet in New York

Jetzt gehört Gennaro Lombardi ein italienischer Lebensmittelladen mit angeschlossener Bäckerei, und natürlich lässt er seinen eigenen Namen dranpinseln. Es läuft gut mit dem Geschäft mit Brot, Käse und immer mehr Fleisch. Seine Familie in Italien konnte sich das nie leisten.

Aber Gennaro sieht die Zukunft woanders. Er hat beobachtet, wie sich sein Nebengeschäft entwickelt. Was es zu Hause in Neapel an der Straße gab, schmeckt den New Yorkern auch. Deshalb besorgt er sich gleich 1905 eine Lizenz, um Pizza ganz offiziell backen und verkaufen zu dürfen.

Totonno's Pizza

„Wer kennt nicht Lombardi’s auf der Spring Street?“, stöhnt Totonno Pero. Vor zwei Jahren war er nach New York gekommen, mit einem Rezept im Kopf, Erfahrung in den Händen und dem Ziel, es in dem fremden Land zu etwas zu bringen.

Die Kohlen funkeln ihn an, als er die Ofenklappe zuwirft. Zur Mittagszeit ist der Laden gerammelt voll. Es hat sich herumgesprochen, dass Lombardi’s Pizza verkauft. Die Tomatenteigfladen, umgeklappt zum Aus-der-Hand-Essen, füllen italienischen Arbeitern schon seit einer Weile die Bäuche. Und jetzt ist Lombardi’s eine richtige Pizzeria.

Längst nicht alle seiner Kunden kommen aus Neapel und kannten Pizza von zu Hause. Aber alle hier sprechen italienisch. Es soll noch Jahrzehnte dauern, bis die Pizza nicht nur nach Amerika gekommen ist, sondern auch unter den Amerikanern ankommt.

Italianissimo: Wie Pizza nach Amerika kam

Italienischer geht’s nicht! Und zwar nicht in Bella Italia, sondern in New York.

Bloggerinnen waren nicht die ersten mit der Idee, allerlei Essen zu probieren und dann darüber zu schreiben. „It will be the surprise of your life“, schrieb die New Yorker Zeitung „Herald Tribune“ im Jahr 1939 über Pizza. Die „New York Times“ befand 1947: „Pizza could be as popular a snack as the hamburger if Americans only knew about it.“ (Pizza könnte als Snack so beliebt sein wie der Hamburger, wenn die Amerikaner sie nur kennen würden.) So seltsam es heute klingt: Noch 40 Jahre nach Gennaro Lombardis Pizzabäckerlizenz war ein Stück Pizza eine kulinarische Überraschung.

Heute gehört Pizza in Amerika zu den Klassikern, und die New York Style Pizza kennt so gut wie jeder. Immer wieder neue Ranglisten sollen festhalten, wer die beste Pizza in New York macht. Genauso umkämpft ist ein Platz auf der Liste der ältesten oder zumindest authentischen Pizzerien. Das ist eine hoffnungslos verworrene Geschichte.

Lombardi’s hat 1984 geschlossen, wurde allerdings rund zehn Jahre später von Gennaros Enkel wiedereröffnet und gehört jetzt zu den Restaurants in Little Italy, die einen mit dem Etikett „echt italienisch“ locken (in dem Viertel wohnen schon seit Jahrzehnten kaum noch Italiener).

Totonno's Pizzeria Coney Island

Totonno Pero hat sich bereits 1924 von Lombardi’s verabschiedet und seine eigene Pizzeria aufgemacht – sie blieb bis heute in Familienhand (über Totonno’s Pizza hatte ich schon mal geschrieben, falls ihr dort mal probieren wollt). Auch andere Pizzaiolo, die einmal bei Lombardi’s Hefeteig in den Kohlenofen schoben, haben sich später selbständig gemacht.

Unter jenen Ablegern hat Grimaldi’s einen solchen Ruf, dass selbst unter der Woche nachmittags um vier eine Schlange vor dem Eingang steht. Ganz egal, dass das Geschäft schon vor einer Weile von der Gründerfamilie an einen Stammkunden verkauft wurde. Eine ähnliche – und ähnlich lange – Geschichte hat Patsy’s hinter sich. Aber die Pizza … ist in diesen Restaurants zumindest vom Lebensgefühl her nah an dem, wie Pizza nach Amerika kam.

Schlange vor Grimaldi's Pizza in Brooklyn

Wenn ihr jetzt Lust auf mehr bekommen habt, gönnt euch ne Pizza und begleitet dann wohlgenährt die Bella Italia-Blogtour. In den nächsten Wochen geht es dort unter anderem um Lieder aus der Toskana, Sightseeing in Rom und jede Menge Rezepte und Bücher. Für eine Übersicht klickt einfach aufs Bild:

Bella Italia

 



 

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