Wer suchet, der findet … beängstigende Nachrichten. Immer und überall, also auch in New York. Zwei der großen Schlagzeilen geben tatsächlich jede Menge Grund zur Besorgnis: tödliche Gewalt und ein gewaltiges Verkehrsproblem. Aber das ist nicht alles, was in New York passiert. Ich habe gar herzige Geschichten für euch gefunden – und möchte daran erinnern, dass solche Geschichte nicht die Ausnahme sind, sondern nur von lauteren, schrilleren Schlagzeilen in den Hintergrund gedrängt werden. Ist das eigentlich derzeit mit den Hooligangeschichten aus Hamburg genauso? Mir war so, als sei im Vorfeld von zig fantasievollen, friedlichen Demos die Rede gewesen … Hier nun eine Auswahl der News aus New York.

Wo ist unser Bürgermeister? Och, guck mal, in Hamburg!

Ihr habt vielleicht davon gelesen, dass der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio bei einer Veranstaltung am Rande des G20-Treffens in Hamburg eine Rede hielt. Dem Vernehmen nach wollten die Veranstalter mit der Einladung zeigen, dass es in den USA ganz andere Stimmen als Trumps Geboller gibt. Super Idee – und superschlechtes Timing: In New York war nämlich grad die Hölle los (siehe die nächsten beiden Nachrichten), und da kam es überhaupt nicht gut an, dass de Blasio auf Reisen ging – und unsereins davon zu allem Überfluss nicht aus dem Rathaus, sondern aus der deutschen Presse erfuhr. (Zorniges aus der Regenbogenpresse über de Blasios Abreise bei der New York Post nachlesen, und was de Blasio dann in Hamburg zu sagen hatte, gibt’s in dieser dpa-Meldung)

Polizistinnenmord rückt die Bronx in den Blick

Mir geht „Cop Killer“ von Body Count-Sänger Ice-T nicht mehr aus dem Kopf. 1992 schon fand ich die Musik toll und den Text grenzwertig. Und jetzt ist der Songtitel eine New Yorker Schlagzeile: Mit einem Schuss hat ein Mann Mittwochnacht eine 48-jährige Polizistin umgebracht, die an einer gefährlichen Kreuzung im Polizeiauto Wache saß. Vielleicht ist sie bei einer Auseinandersetzung zwischen Gangs in die Quere gekommen, dachten manche erst, und es ist ganz schön absurd, dass so was einen Hoffnungsschimmer darstellt. Aber im Verlauf der Ermittlungen kam immer Gruseligeres heraus. Da war keine Schießerei. Der Mann hatte offenbar gezielt geschossen, nicht weil er speziell diese Polizistin treffen wollte, sondern irgendwen von der Polizei. Sein Motiv lag offenbar in einem Knäuel aus realen Erfahrungen mit Polizei und Gefängniswärtern und Zorn über Hörensagengeschichten über Missetaten der Polizei. Eben jene hätte die Tat möglicherweise verhindern können: Nur wenige Tage vor der Tat war der Mann in der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses, weil seine Freundin ihn besorgt dorthin gebracht hatte. Und nur wenige Stunden vor dem Mord rief sie den Notruf, weil der Mann sich erneut paranoid und unberechenbar aufführte. Doch die Polizei fand ihn nicht, jedenfalls nicht rechtzeitig. Er wurde kurz nach dem Mord von Polizisten erschossen. Mich schaudert bei dem Gedanken, dass die meisten Menschen diesen Umstand als ganz normal hinnehmen. Die „command center“-Wagen der NYPD werden jetzt übrigens kugelsicher gepanzert. (Einen Bericht mit Erkenntnissen über den Täter bei NBC nachlesen; ausführliche Hintergrundinformationen über die Umgebung des Tatorts in der Bronx mit vielen Fotos bei der New York Times nachlesen)

Die Bahn kommt. Nicht.

Von den Problemen der New Yorker U-Bahn habe ich euch ja schon ab und zu berichtet (zum Beispiel grad erst hier). Aber zwei Neuigkeiten aus dieser Ecke brechen aus dem Muster aus: Erstens gab es Ende Juni erstmals einen schweren U-Bahn-Unfall, bei dem glücklicherweise niemand ernsthaft zu Schaden kam. Immerhin hat der Gouverneur des Bundesstaats New York, der für die Verkehrsbetriebe in der Stadt zuständig ist, daraufhin endlich Gelder für Verbesserungen freigegeben. Zweitens hat eine Studie des städtischen Rechnungshofes mal unter die Lupe genommen, was eigentlich dran ist an dem Gejammer, dass die U-Bahn ständig Verspätung hat. Offenbar jede Menge: 74 Prozent der 1227 Befragten gaben an, zu spät zur Arbeit zu kommen. (Die U-Bahn-Entgleisung in einem durch seinen Humor umso gruseligeren Twitter-Thread von Fahrgast Carrie Courogen nachlesen; die Studie über Verspätungsauswirkungen beim New York City Comptroller nachlesen)

Fahne raus, Feiertag!

Eigentlich feiern die Amerikaner am 4. Juli ihre Unabhängigkeit. In diesem Jahr fehlte manchen dazu das Gefühl von Freiheit. Demonstrationen im Vorfeld wandten sich gegen die Politik der Regierung oder gegen eben jenen Protest, der Graben erscheint immer tiefer. Aber aus all den Fahnen und Plakaten schälen sich auch Gedanken darüber heraus, was Amerika eigentlich ausmacht – und weiterhin ausmachen soll. Von einem kleinen Laden in Brooklyn ausgehend verbreitet sich zum Beispiel ein Symbol dafür: eine US-Fahne, deren 50 Sterne durch ein einziges Herz ersetzt sind – begleitet von einer Botschaft. (Anschauen und nachlesen bei Time Out New York)

Der Trump Tower macht immer noch Schlagzeilen

Nun sind Melania und Barron Trump endlich ins Weiße Haus umgezogen, aber der New Yorker Trump Tower, in dem die Familie Trump vor der Präsidentschaft wohnte, ist immer noch ein Ziel für Fans wie Gegner des Reality-TV-Darstellers und seiner rechtsextremen Politik. Unklar ist, zu welcher Seite sich ein bewaffneter Mann zählte, der in den Trump Tower marschierte und sagte, er wolle mit Ivanka Trump über ihre Klamottenfirma sprechen. Beinahe wäre er vorgelassen worden, hätte der Secret Service nicht seine kugelsichere Weste bemerkt. Allerdings war Ivanka Trump ohnehin gar nicht da. Sie saß unterdessen am G20-Tisch in Hamburg – ohne auch nur eine einzige Wählerstimme, als käme sie aus einer Bananenrepublik. (Nachlesen bei amNY)

Eine Bombe aus dem New Yorker Untergrund

So etwas höre ich eigentlich immer nur aus Deutschland: Bauarbeiter finden eine alte Bombe, und im Nu wird ein ganzes Viertel evakuiert, damit eben jene Bombe entschärft werden kann. Plötzlich passiert dasselbe in New York. Doch in der Hülle finden die Sprengstoffexperten nur Papierschnipsel. Dann löst sich das Rätsel: Der Fund ist eine Zeitkapsel, die die legendäre Disco Danceteria 1985 verbuddelt hatte. (Ohne jegliche Ironie nachlesen bei der Nachrichtenagentur AP, die eine eigene Abteilung für Seltsames hat)

Raubvogel mit Herz (na ja, Instinkt)

Es ist ja schon faszinierend, dass über Manhattan seit Jahren wieder Raubvögel kreisen – und so manche von ihnen auf Wolkenkratzern nisten. Doch ganz wie in der freien Natur geht das nicht immer glatt, und zack, fällt ein fünf Wochen altes Bussardküken aus dem Horst. Nach dem Fundort in Brooklyn wird es Flatbush getauft, ein bisschen aufgepäppelt – und dann in einen Park in Manhattan gebracht, über den ein fremdes Bussardpärchen herrscht. Happy End: Neben ihrem eigenen Jungvogel nehmen sie auch Flatbush unter ihre Fittiche. (Fotos anschauen und die biologischen Gründe für diese Adoption nachlesen bei DNA Info)

 

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