Weiße Weihnacht in New York?

Danke für all die begeisterten Bemerkungen zur Geschichte über Dyker Heights. Wann, wenn nicht jetzt, soll ich die Zugabe bringen? In Dyker Heights lassen sie die Puppen tanzen zu Weihnachten. Aber es gibt nicht nur Licht und Kinderspielzeug vor dem Christenfest – wobei die hiesigen Vorstellungen von Spielzeug sich wohl nur selten oft auf einem Wunschzettel finden werden. Wohl aber die Sache mit der weißen Weihnacht. Auch der nehmen sich die Bewohner von Dyker Heights in ihren Vorgärten an. Ganz auf Nummer Sicher setzt einer in Form einer Schneekugel. Ein Nachbar beschwört lieber den Wettergott….

Schilderwald 1: Geheimnisse

Die Frau wirft mir einen Blick zu. Sie findet mich merkwürdig, bloß weil ich immer wieder ganz nah an die leeren Bänke herantrete. Sie selbst sitzt auf einer solchen Bank, und Begleitung hat sie auch. Eine riesige Dogge langweilt sich, klettert auf die Bank, die Lehne, ein Sabberfaden seilt sich ganz langsam ab. Ich schaue nicht lange genug hin, um sagen zu können, ob er auf dem Kopf der Frau landet. Ich schaue schon wieder auf eine andere Bank. Und entschließe mich, eine Serie aus dem zu machen, was ich da mache. Seit 1986 kann…

Licht und Schatten

Man kann das nicht fotografieren, nicht ohne Stativ, und schon gar nicht mit meiner kleinen Kamera. Sollte man meinen. Das Problem besteht nicht nur darin, dass man schon die Hand einer Statue bräuchte, um Licht ganz ruhig zu fotografieren – nein, diese Lichter hier bewegen sich. Sie hängen nicht nur in einem Gestänge, sondern sie gehen auch an und aus, und zwar nicht gleichzeitig. Dahinter steckt Jim Campbell. Der spielt gerne mit Kunst und Technik, und für “Scattered Light” programmierte er fast 2.000 LED so, dass es von den Wegen aus so wirkt, als liefen…

Die aktuellen Farben

Meine alte und meine neue Heimat haben einiges gemeinsam. Zum Beispiel sagen Besucher hüben wie drüben in überraschtem Ton: Hier gibt es ja richtig viel Grün! Das Ruhrgebiet halten Nichteingeweihte immer noch für kohlrabenschwarz, obwohl die Zechen schon seit Jahrzehnten dicht sind. Und New York stellen sie sich in wolkenkratzerstahlgrau vor. Dabei gibt es hier 5,2 Millionen Bäume (ungefähr so viele Menschen leben im Ruhrgebiet), und rund 24.000 davon sollen im Central Park stehen. Ich frage mich, wer die alle zählt. Im Moment aber behalten die Klischees recht: Grün ist schwerlich zu finden. Die Bäume…

Klimawandel

Eigentlich war ich nur zu faul. Ich hatte längst vorgehabt, meine Schränke umzuräumen, Sommersachen einmotten, Wintersachen schon mal bereitlegen und mich über die so genannte Übergangszeit freuen, so lange sie hält. Ich hatte aber nur meine warme Bettdecke hervorgeholt und den Rest erst einmal liegen lassen. Die Straßenhändler und Flohmarktverkäufer können sich so etwas nicht leisten. Und dann das: Plötzlich ist es heute noch mal Sommer, und ich finde mich nicht zurecht. Finde mich mutig, für den Abend das rückenfreie Shirt aus dem Schrank zu ziehen und greife schnell noch die Kapuzenjacke, die an der…

Wo bleibt Jupiter?

“Wie viele Monde schafft deins?”, fragt der Mann neben mir. “Kommt auf den Abend an”, weicht der andere aus. “Und in einer klaren Nacht? Meins kann nur vier”, sagt der erste Mann. Sie reden über Teleskope und Jupiter. Und ich bin hier eigentlich nur, weil wir eine Ausweichmöglichkeit brauchten. Ich war mit Reggie, einem Fotografen, zum Malaysian Festival im Meatpacking District verabredet. Das ist aber nicht aufgebaut wie ein Street Fair, zieht sich also nicht über mehrere Blocks oder wenigstens die gesamte Straßenbreite. Stattdessen drängeln sich Essensstände, eine winzige Bühne und unzählige Menschen auf etwa…

Rätsel

Es gibt viele Theater in der Stadt und viele Poser, an jeder Ecke wird ein Film gedreht oder ein nicht ganz astreines Ding. Um in dieser Stadt Aufmerksamkeit zu bekommen, braucht es einiges – also übertrumpfen sich Wolkenkratzer mit Höhe und Werbetrommeln mit Lautstärke. Das verdreht meine Wahrnehmung: Sobald ich etwas Ungewöhnliches sehe, frage ich mich, wer das nun wieder inszeniert hat. Das ist auch mein erster Gedanke, als ich nach einem geselligen Abendessen aus dem Haus meiner Gastgeber trete. Vielleicht hat jemand den Müll durcheinandergebracht. “Schau, ich kann wieder gehen!”, ruft ein weiterer Passant….