Für Postkarten bitte umdrehen

Les Claypool hat schon so einiges gesehen. Schließlich ist er als Sänger und Bassist der Band Primus weit herumgekommen. Aber das hier veranlasst ihn zunächst zu einem Kompliment für den Veranstaltungsort (Williamsburg Waterfront in Brooklyn), und er bekundet sein Bedauern, dass das Publikum nur den beeinträchtigten Ausblick bekommt, während er ein Postkartenbild sehen kann. Na, wenn es langweilig würde, könnten wir uns ja umdrehen. Es wird aber nicht langweilig. Eine Weile später ruft er in einen Song hinein: „Schaut euch das an! Das ist fantastisch! So etwas kriegen wir in Kalifornien nicht zu sehen.“ Tatsächlich…

Einmanntheater

Auf dem Rückweg vom Klo fällt der Typ mir auf. Er hat den Oberkörper blank gezogen, zeigt seine Tätowierungen, der Schädel ist kurzrasiert, der Körper athletisch. Auf einer Hardcore-Punk-Show hätte er viele Freunde. Aber das hier ist keine Hardcore-Punk-Show. Eben habe ich The Whigs und den grandiosen Lee Fields gesehen, jetzt nutze ich die Pinkelpause, bevor The Black Keys auf die Bühne kommen. Ich weiche dem Typen großräumig aus, denn er verhält sich merkwürdig. Er reibt sich den Schädel, reißt den Mund auf, breitet die Arme aus – ich möchte nicht wissen, unter wessen Einfluss…

Love Parade von hier aus

Letzte Woche haben mich diverse Leute gefragt, ob hier über „Stilleben A40“ berichtet wurde. Ein Kollege hatte sogar eine Umfrage gestartet, was Journalisten im Ausland von der Kulturhauptstadt Ruhrgebiet mitbekommen. Er wollte wissen, ob solche Großveranstaltungen als PR-Maßnahme funktionieren. Jetzt lese ich Fragen, welche Wirkung das Unglück auf der Love Parade auf eben jenes Unterfangen hat. Ich erinnere mich, wie mir Dieter Gorny vor fast drei Jahren im Interview sagte, die Love Parade – und nicht etwa ein lokales Festival wie Juicy Beats oder Bochum Total – solle deswegen ins Ruhrgebiet kommen, weil sie „internationale…

Kommen und Gehen

Es ist Harlem Week, und eigentlich will ich mir eine Modenschau anschauen. Aber der Wetterbericht warnt vor einem schweren Gewitter, und ich höre lieber drauf, weil ich Freitag Abend schon die Tornadowarnung (!) verpasst habe und nur Glück mit meiner Ortswahl hatte. Und schon schüttet es. Als der schlimmste Wind und Regen aufhören, ist es zu spät für die Modenschau. Also fahre ich nach Spanish Harlem, immerhin (es bestehen große Unterschiede zwischen Harlem und Spanish Harlem), und schaue mir den neuen Target an. Die Supermarktkette kreist New York schon länger ein, und während Wal-Mart vor…

Im Rampenlicht

Dieses Schild hat mehrere Bedeutungen. Erstens versucht da offenbar jemand beinahe verzweifelt, die Trockenblumenarrangements zu schützen. Vielleicht will die ja einer kaufen. Zweitens kann man die Botschaft aber auch auf das Gebäude beziehen. Es war einmal eine Kirche. Ab 1983 war es eine Disco (damals hieß das noch so). Als ich zum ersten Mal in New York war, war sie schon ein heißbegehrter Club, aber bei der New Yorker Altersbeschränkung brauchte ich gar nicht erst zu versuchen, hineinzukommen. Lange Jahre war The Limelight eine Institution – bald auch als Drogenumschlagsplatz, was der Film „Party Monster“…

Das Ende der Angelschnur

Natürlich kann man in New York auch angeln. An den Flüssen stehen viele geduldige Menschen herum. Und für Kinder unter 15 Jahren gibt es jeden Sommer sogar einen Angelwettbewerb – seit 1947 findet er im Prospect Park in Brooklyn statt. Dort ist für alles gesorgt: Die Schneise in die Entengrütze und die Seerosen hat übrigens ein Elektroboot geschnitten. Ja, der Prospect Park schafft es auf jeden Fall als heißer Tipp in „Grünes New York“. Kein Wunder: Er wurde Mitte des 18. Jahrhunderts von Frederick Law Olmsted und Calvert Vaux entworfen – zuvor hatten die beiden…